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gen ein Berg aus ähnlichem Grunde die Milzenburg, oder die Mildenburg heißen ſoll. Auf der nordöſtlichen Seite dieſes
Berges finden ſich noch zwei intereſſante Quellen, welche
den Waſſerreichthum deſſelben beurkunden und ſeinen Namen mollisstein oder Mildenſtein rechtfertigen. An dem Ab⸗ hange dieſes Schloßberges, nach Nordoſten etwa in ſeiner Mitte, vom Fuße deſſelben bis auf den Scheitel, iſt eine Quelle, welche außerordentlich reich an ſüßem gutem Waſ⸗ ſer iſt. Auch bei der andauerndſten Trockenheit im Sommer und ebenſo bei langwieriger Kälte im Winter nimmt ſie nicht ab, ſondern verſieht bei Waſſermangel ganz Ulrichſtein, an 1000 Seelen, und gewiß ebenſoviel Hausthiere mit ihrem Waſſer und füllt noch mit ihrem Ueberfluß einen nicht weit darunter angebrachten Weiher, welcher bei Feuersbrünſten die wohlthätigſten Dienſte mit ſeinem Waſſer leiſtete und ebenfalls unerſchöpflich geweſen ſein ſoll. Die andere Quelle, welche viel höher, als jene, aber auch in derſelben Richtung von dem Scheitel des Berges und jener Quelle zu Tag geht, hat die eigenthümliche Eigenſchaft, daß ſie ihren Brunnen, der nicht, wie der Brunnen jener überfließt, ſondern wieder verſinkt, alsdann bedeutend hebt, wenn hei— tere Witterung herannahet, bei herannahender naſſer Wit⸗ terung denſelben aber hinabſinken läßt.
Die Erbauung der Burg fällt vielleicht ſchon in die Zeiten der Karolinger, wohl aber doch ſicher in die Zeit Heinrichs des Vogelſtellers um das Jahr 930, wenigſtens ſcheint die Beſchaffenheit der Bauart und der Hauptmauern auf jene Zeit ſicher ſchließen zu laſſen. Wahrſcheinlich wurde dieſer Höhepunkt als Obſervationspunkt benutzt und ſtand mit den Wartthürmen bei Grünberg, mit Hom⸗ berg a. d. O., Amöneburg, Marburg, dann mit den Ziegen⸗ heimer Wartthürmen, Homberg in Heſſen u. ſ. f. vielleicht bis nach Thüringen hin nach Art unſerer heutigen Tele⸗ graphenlinien in Verbindung. Dies iſt ſehr wahrſcheinlich, weil dieſe Höhe auf der einen Seite über den Haubenberg, die Feldkrüker Höhe, und andere Burgen am ſüdlichen Ab⸗ hange des Vogelsbergs mit dem Main und Rhein auf der andern Seite über die Landwehr Herbſtein, Fulda u. ſ. w. mit den dortigen Gegenden correſpondirte. Man denke ſich bei den ungebahnten Wegen, wie nothwendig eine ſolche Correſpondenz war und wie ſie auch wirklich von den Höhen über die Wälder hinaus durch die Wartthürme ſtattgehabt hat. Es wäre zu wünſchen, daß Geſchichtsforſcher, denen beſſere Mittel zu Gebote ſtehen, als dem Einſender, die Zeit feſtzuſtellen ſuchten, wann dieſer amöne Punkt, an deſſen Fuß die Ohm, amoena, entſpringt, als Burg erbaut wor⸗ den iſt, und in welcher Zeit von derſelben der Name Ulrich⸗ ſtein ſtatt des früheren mollisstein gebraucht wird; Letz⸗ teres, um auf die Spur zu kommen, welcher Ritter oder Graue Ulrich die Burgmannſchaft daſelbſt gehabt hat, durch welchen dieſelbe etwa den Namen Ulrichſtein erhielt oder ob der Name Ulrichſtein nur eine paſſendere Modification des Namens mollisstein iſt, da Ulrichſtein ſoviel heißt als Allreichſtein d. i. wohl das waſſerreiche oder der waſſer— reiche Stein.
Mäßigkeits verein.
Die 9. Jahresverſammlung des Mäßigkeits— vereins in den Kreiſen Grünberg und Hungen wird Mittwochs den 17. September, Vormittags 9 Uhr, auf dem Heſſenbrückenhammer Statt finden. Indem man hierzu die Mitglieder des Vereins freundlichſt einladet, erſucht man zugleich alle Freunde der Mäßig keitsſache nah und fern, ſich einfinden zu wollen, um an den Berathungen über Bildung eines Landes vereins gegen das Branntweintrinken Theil zu nehmen. Die entfernter Wohnenden werden, wenn ſie Tags zuvor eintreffen wollen, bei den, dem Verſammlungsorte nahe woh— nenden Vereinsmitgliedern freundliche Aufnahme finden.
Der Vorſtand.
Bei dieſer Gelegenheit erlaube ich mir auf das in mei⸗ nem Verlage erſchienene Schriftchen aufmerkſam zu machen:
„Des Volkes Noth und Rettung, oder die Mäßigkeits⸗ vereine nach ihrer Nothwendigkeit und ihren ſegensrei⸗ chen Wirkungen geſchichtlich dargeſtellt für das Volk und ſeine Freunde von Carl Strack.
Es iſt in der Großh. Heſſ. Zeitung ſchon einigemal ruͤh⸗ mend erwähnt worden und die in Leipzig bei Brockhaus erſcheinende landwirthſchaftliche Dorfzeitung von W. Löbe ſagt darüber:„Obwol wir ſchon viele und recht zweckmäßige Mäßigkeitsſchriften für das Volk haben, ſo kann es doch immerhin nichts ſchaden, wenn dieſelben durch neue, eben— falls ihrem Zwecke entſprechende, vermehrt werden, da die Mannichfaltigkeit an und für ſich gefällt und die Wuͤnſche und Bedürfniſſe der Einzelnen verſchieden ſind. Schon aus dieſen Gründen müßte man die erwähnte, in populairer und herzlicher Sprache geſchriebene Volksſchrift freudig willkom⸗ men heißen, auch wenn ſie nicht den beſondern Zweck hätte, die Angelegenheiten der Mäßigkeitsſache in und für Suͤd⸗ deutſchland näher zu erörtern. Zwar hat ſchon Ritter in der Bearbeitung des Böttcher'ſchen ⸗Hauskreuzes/ hierin den Vorgang gebildet, aber ſo zweckmäßig das auch geſchehen iſt und ſo viel Gutes das Büchlein geſtiftet hat, ſo wird man doch die oben bemerkte Schrift mit gleichem Intereſſe und Nutzen neben der Ritter-Böttcher'ſchen leſen, zumal die⸗ ſelbe die Geſchichte der Ausbreitung der Mäßigkeitsſache im ſüdlichen Deutſchland bis auf die neueſte Zeiten umfaßt. Es wäre zu wünſchen, daß auch ſie recht zahlreich in die Hände des Volks käme, wozu ſie ſich neben ihrem gediegenen Inhalte durch ihre Wohlfeilheit beſonders zu eig— nen ſcheint./
Die Herzoglich Naſſauiſche Regierung hat ſich veran— laßt geſehen, das praktiſche Schriftchen allen Schulbiblio— theken des Landes zur Anſchaffung zu empfehlen.
Bei directem Bezug von Parthieen tritt ein ermäßig⸗ ter Preis ein. Carl Bindernagel.
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