Ausgabe 
9.4.1845
 
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Intelligenz Blatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an ſammtliche Bürgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Erbauung des Vicinalweges von Felda nach Ermen⸗

rod, III. Abtheilung, am Kohlen.

Der Weg von Ermenrod nach Felda iſt im Bau be 2 und kann bei der dermaligen Witterung nicht be ahren werden; Fuhrwerke, welche nach Felda wollen, müſſen deßhalb entweder von Schellnhauſen, oder den Weg an der ſogenanntenHölzernenhand fahren.

Dieſes wollen Sie in Ihren Gemeinden zur öffentli chen Keuntniß bringen.

Grünberg den 31. März 1845.

Ouvrier.

Die Bette lei.

Eins der entehrendſten Laſter für die Menſchheit, und gleichwohl immer noch eins der ausgebreitetſten unter der ſelben iſt das der Bettelei.. Warum? wird man vielleicht fragen. Darum, weil der Bettler ſich erſtens an Gott, ſeinem Vater und Schöpfer, verſündigt, der ihn zu nützli cher Thätigkeit in dieſe Welt geſetzt und mit herrlichen Kräf ten dazu ausgeſtattet hat. Indem aber der Bettler dieſe Kräfte nicht anwendet und jene Thätigkeit nicht ausübt, zeigt er ſich als einen höchſt Undankbaren gegen Gott. Er verſündigt ſich dadurch aber auch zugleich gegen ſeine Neben menſchen, indem er dieſen nicht nur nicht dient und nützt mit den Gaben, die er empfangen hat(1 Pet. 4, 10), ſondern indem er ihnen auch noch Gaben und Huͤlfsmittel auf die ungerechteſte Weiſe abfordert und entzieht. Und ſo verſüͤndigt ſich dadurch der Bettler zugleich auch an ſich ſelbſt, indem er ſeine Menſchenwürde ſchändet, ſich allgemei ner Verachtung preisgibt, und ſich einer höhern Berufung unwerth macht, die nur dem frommen und getreuen Knechte

verheißen iſt.(Ev. Matth. 25, 21.) Doch betrachtet ihn einmal den handwerksmäßigen Bettler, wie niedrig und verworfen er unter ſeines Gleichen umherzieht. Nicht mehr das Zeichen der Menſchlichkeit, wohl aber das Brandmahl der Verachtung und Schande trägt er an ſich. Sein oft nur in Lumpen verſteckter Leib, die hier und da unverhüllte Blöße deſſelben hat ihn dem Thier gleich gemacht, und durch die längſt entflohene Scham iſt er bei der Menſchheit zum Ekel und Abſcheu geworden. Seine ſcheuen, gewöhnlich unſtät umherſchweifenden Blicke waren zwar Anfangs noch in Scham verſteckt, die ſich hier als des verletzten Ehrge⸗ fühls und des eutrüſteten Gewiſſens Stimme kund gab; doch dieſe Scham verlor ſich allmählich und an deren Stelle iſt eine verabſcheuungswürdige, Entſetzen erregende Frechheit getreten, die da trotzend auftritt, wo ſie mit heuch⸗ leriſcher Bitte und erkünſtelteten Thränen nicht anlanden kann. Dieſes iſt wohl der höchſte Grad gemeiner Bettelei, der ſich noch durch mancherlei verwerfliche und ſchändliche Attribute kund gibt. Sie ſteht oft nur ſpannenweit von andern Laſtern, als dem Diebſtahl, dem Raube, dem Mord u. ſ. w. entfernt, und indem ſie ſich zuweilen auch dieſen Verbrechen noch in die Arme wirft, geht ſie, wie alles Gott loſe unter und nimmt ein Ende mit Schrecken.

Aber es gibt auch noch eine andere Art von Bettelei, die gewöhnlich unter dem Scheine des Anſtandes ausgeübt wird. Sie beſteht darin, daß man mit Papieren verſchiede nen Inhalts, ſogenannten Bettelbriefen, umherzieht, und bei gewiſſen Leuten Gaben unter allerlei luͤgenhaften Vorwän den zu erlangen ſucht. Ein ſolcher vornehmer, jedoch handwerksmäßiger Bettler iſt ein gewiſſer F. aus F., wel cher ſchon ſeit einer Reihe von Jahren die benachbarten Dörfer durchzieht, mit einem verſchmierten Wiſch namentlich bei den Geiſtlichen und Lehrern anſpricht, und zur Gründung eines Etabliſſements um eine Unterſtützung nachſucht. Die ſes treibt derſelbe aber ſchon ſeit mehreren Jahren, kommt alſo nie zu einem Ende; aber eben dieſes beweiſt, daß F. ein Gauner und Landſtreicher iſt, der das Betteln hand