Ausgabe 
8.11.1845
 
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cherei, Diebſtahls, Unzucht, Brandſtiftung Strafen von 1 Jahr Cor⸗ rections- bis zu 18 Jahren Zuchthaus u. ſ. w. verhängen; 2 vom Landgerichte Butzbach; 2 vom L. G. Großkarben, 3 vom L. G. Lauter⸗ bach, 2 vom L G. Alsfeld, wegen Diebſtahls, Betteln, Widerſetzung ꝛc., Landſtreicherei, zu 1 bis jährigem Correctionshaus.

IX. Namens veränderung: Am 19. Septbr. wurde der Adop⸗ tivtochter des Punſch⸗ und Liqueurfabricanten Dr. Th. Borberg zu Nidda, 19 899 Frefenius, geſtaktet, künftig den NamenBorberg zu ühren.

X. Dienſingchrichten: Am 16. Sept. wurde dem Kreisgerichts⸗ bolen Thomas zu Pfeddersheim die Stelle eines 2. Landgerichtsdieners zu Großgerau und dem Landgerichtsdiener Orleman zu Großgerau die Stelle eines Kreisgerichtsboten zu Pfeddersheim, übertragen; am 23. auf vertragsmäßige Präsentation und Ernennung der Aſſiſtent bei dem Neben⸗ zollamte zu Darmſtadt, Rahn, bei der Zolloerwaltung zu Frankfurt als Aſſiſtent des daſigen Hauptſteueramtes angeſtellt; am 24. dem bisherigen Feldwebel im 1. Inf⸗Reg. Gon dolph aus Aſſenheim, die Stelle eines Kreisrathsdieners zu Bingen ertheilt; am 26. dem Landrichter Mosler zu Ortenberg die Landrichterſtelle zu Butzbach, dem Landrichter Muhl zu Großkarben die Stadtrichterſtelle zu Gießen, dem Hofgerichtsſeeretär Jäger zu Gießen die Landrichterſtelle zu Großkarben und dem Landge⸗ richtsaſſeſſor Becker zu Lorſch die Landrichterſtelle zu Großgerau über⸗ tragen; die Hofgerichtsaſſeſſoren Fehr v. Rodenbach und Dr. Floret dahier zu Mitgliedern und Räthen bei dem Hofgerichte dahier ernannt; der von dem Herrn Grafen zu Stolberg-Roßla und Ortenberg auf die 2. evang. Schullehrerſtelle zu Ortenberg präſentirte Schulvicar Hof⸗ mann zu Wenings für dieſe Stelle beſtätigtz am 27. dem Schulvicar Höcker zu Oſthofen, die 2. evang. Schullehrerſtelle daſelbſt übertragen; am 3. Oct. der Secretär bei dem Viſitationscommiſſär bei der Stadt⸗ und Landgerichte, Königer dahier, zum Aſſeſſor mit Stimme bei dem Landgerichte Zwingenberg und der Hof.⸗Secret.⸗Acceſſiſt Müller, der⸗ malen zu Fürth, zum Aſſeſſor m. St. bei dem Landgerichte Fürth; am 4. der Hofg.⸗Secret.⸗Acceſſiſt Dr. Ortwein, dermalen zu Lauterbach, zum Aſſeſſor m. St. bei dem Landgerichte Grünberg; am 5 der Hof Secret.⸗Acceſſiſt Schmitt, dermalen zu Lorſch, zum Aſſeſſor m. St. bei dem Landgerichte Lorſch; der Hof.⸗Seeret.⸗Acceſſiſt Dr. Siebert dahier zum Landgerichtsaffeſſor m. St.; am 6. der Hof.⸗Seer.⸗Acceſſiſt Schaum, dermalen zu Umſtadt, zum Aſſeſſor m. St. bei dem Landgerichte Seligen⸗ ſtadt; am 7. Oct. der Diſtrictseinnehmer Bertram zu Gießen zum Steuercontroleur für den Controlebezirk Gießen ernannt.

XI. Geſtorben ſind: am 17. Sept. der Receptor, Hofkammerrath Klipſte in zu Thalitter; am 20. der Kreisgerichtsbote Beaury zu Oſt⸗ hofen; am 23. der Schullehrer Kraft zu Pfungſtadt; am 2. Okt. der Poſtaſſiſtent Metzler zu Gießen; am 7. der penſionirte Landrath Dietz und der penſ. Schullehrer(früher zu Lindenfels) Siener dahier.

An die Freunde armer verwahrloſter Kinder und die Verehrer Peſtalozzis. Dle Liebe iſt des Geſetzes Erfüllung.

In kurzer Zeit werden es hundert Jahre, daß in der Schweiz ein Mann geboren wurde, dem unſer Zeitalter Großes verdanken ſollte, ein Freund der Jugend, wie Wenige vor ihm, ein Freund des Volkes und der Armen, denen er in uneigennütziger Liebe diente ſein Leben lang, der Begründer unſeres verbeſſerten Schul- und Erziehungs- weſens, ein Wohlthäter der Menſchheit Heinrich Peſtalozzi..

Kein Wunder, daß bei dem herannahenden 10b jährigen Geburtstage dieſes Mannes die Stimmen ſeiner Verehrer laut werden von allen Seiten und Pläne und Vorſchläge bringen, wie man das Gedächtnißfeſt Peſtalozzis am würdigſten feiern wolle. Am paſſendſten erſcheint denn nun, ſtatt ihm zu Ehren blos einen Feſttag anzuordnen und der Begeiſterung über ſein großes Werk Worte zu geben, was doch nur von ſchnell vorübergehendem Nutzen wäre; ein bleibendes Denkmal zu ſtiften, das nach langer Zeit noch ein fruchtbares Zeugniß ware von ſeinem Leben und Wirken. Kein Denkmal aber könnte mehr im Geiſte Peſta lozzis ſein, als wenn eine Anzahl ſeiner Verehrer zu einem Vereine zuſammen träte, der ſich's zur heiligen Pflicht machte, in jenem ſchönen menſchenfreundlichen Sinne für

arme, verwahrloſte oder verlaſſene Kinder huͤlfreich und liebevoll beſorgt zu ſein, wie es der große Mann ſein Leben lang geweſen. Hierdurch würde ſein edler Geiſt unter uns leben und fortwirken und die Verſorgung und Pflege der unglücklichen Kinder würde uns jeden Tag und jede Stunde an den Armenvater Peſtalozzi erinnern.

Die Art und Weiſe aber, wie ein ſolcher Verein kräf tig wirken könnte, beſtünde wohl darin, daß eine Anzahl kleinerer Vereine ihre Mitglieder zur jährlichen Rechenſchaft an den Hauptverein verpflichteten, wo denn jeder anzu geben hätte, wie er in ſeiner Umgebung den Zuſtand der Erziehung erforſcht, die Eltern der Verwahrloſten freundlich und dringend ermahnt, mit Geldbeiträgen aus der Vereins Kaſſe unterſtützt u. ſ. w. Insbeſondere aber, und vor allem würde das Ziel eines ſolchen Vereins darin liegen, daß durch Geldbeiträge ein Rettungs-Haus für einen größeren Bezirk gegründet würde, wie denn im Königreich Würtemberg bereits 32 ſolcher Anſtalten beſtehen und die ſegensreichſten Früchte tragen.

Von Vereinen beſtehen nun ſchon mehrere große, auch einer in unſerer Nachbarſtadt Frankfurt. Da es in der Stadt Friedberg und der Umgegend nicht an Solchen fehlte, welche aus Menſchenliebe ſich für eine ſo ſchöne und wich⸗ tige Sache nach Kräften thätig zeigen wollten, ſo hat ſich unter denjenigen, welche von der Gründung des Frankfurter Vereines bereits Kunde hatten, einſt⸗ weilen ein Zweigverein gebildet, welcher am 29. Oktober im Schulhaufe zu Friedberg ſeine erſte Verſammlung hielt. Die Berathung leitete Herr Seminardirector Curtman, als Ausſchußmitglied des Frankfurter Vereines. In dieſer Verſammlung wurde die Gründung eines ſolchen leben⸗ digen Peſtalozzi⸗Monumentes mit Wärme und Theilnahme beſprochen und wurde insbeſondere bereits ein Beitrag von 100 fl. zur Errichtung eines Rettungshauſes von einem Geber zugeſichert.

Möchten doch nun diejenigen Volks⸗ und Jugendfreunde unſerer Provinz, welche am 12. Januar 1846 der 100jäh⸗ rigen Jubelfeier Peſtalozzis mit Freuden gedenken und vielleicht ſich der beabſichtigten Feſtlichkeit in Frankfurt an⸗ ſchließen wollen, recht bald ihre Mitwirkung zu unſerem Zweigverein erklären. Die Theilnahme beſchränkt ſich natuͤr⸗ lich nicht auf einzelne Stände, ſondern iſt jedem frei geſtellt, der entweder für die Erziehungszwecke des Vereins wirkſam oder durch einen jährlichen Geldbeitrag auch Kleines wird dankbar angenommen die Zwecke der Geſellſchaft fördern hilft. Die Geber einmaliger Unterſtützung werden Ehrenmitglieder.

Der Verein wird, bevor er ſich conſtituirt, die Ge⸗ nehmigung des Staats nachſuchen. Die nächſte vorberathende Verſammlung iſt auf Mittwoch den 3. Dezember feſt⸗ geſetzt und wird in hieſigem Stadtſchulhauſe abgehalten.

Möchten doch recht viele Menſchen⸗ und Jugend⸗ freunde bis dahin ihren Beitritt erklärt haben, oder perſon⸗ lich erſcheinen, um bei den hier zu faſſenden Beſchlüſſen mit⸗ zuwirken, bevor dieſe der Verſammluug zu Frankfurt vorge⸗ legt werden.

Bekanntmachung.

Die Sonntagsſchule wird künftigen Sonntag den 9. November wieder ihren Anfang in dem bekannten Lokal nehmen.

Friedberg den 4. November 1845.

In Auftrag Ph. Dieffenbach.

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