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dieſes Dorf und 36 Namen ſind auf der Liſte der Enthaltſamen verzeichnet. Sie haben mit Freuden das Bekenntniß abgelegt, daß ihnen im Laufe dieſes Sommers die Arbeit ohne Branntwein ebenſo gut ia beſſer als früher von Statten gegangen wäre. Mehrere auweſende Landleute bekräftigten dieſen Ausſpruch aus eigener Erfahrung, Vielfach wurde hierauf die Vereins⸗ ſache beſprochen. Aus Aller Munde ertönte die Klage über das Branntweinübel; Beiſpiele in Menge dienten zur Be— ſtätigung dieſes Ach und Weh! Es wurde z. B. von einer Frau erzählt, welche in einem Jahre hinter dem Rücken ihres Mannes für mehrere Karoline von ihrem Lieblings— getränke geborgt hatte. Auch führte man Thatſachen an, wie ſelbſt ſchon die Jugend, ja Mädchen von 16—18 Jah- ren große Fertigkeit im und Wohlgefallen am Branntwein⸗ trinken gewonnen hatten. Was ſoll aus einer ſolchen Ge— neration werden? Dagegen wurden auch einzelne Männer lobend erwähnt, welche ohne dem Vereine anzugehören, den früheren Buſenfreund der ihnen ſo viel geſchadet, aufgegeben hatten. Einzelne erzählte Thatſachen und weitere Erörte— rungen dienten zum Beweiſe, wie wohlthätig die Schu— len in dieſer Angelegenheit wirken könnten. Sie ſollten die Trauergeſchichten, welche der Branntwein erzeugt, der Jugend, ſo weit thunlich wäre, mittheilen, die Natur dieſes Getränkes möglichſt deutlich darzuſtellen ſuchen, durch Erzählung über die Mäßigkeitsvereine die Entbehrlichkeit dieſes Getränkes zeigen und in der Religionslehre die Sache mit Nachdruck behandeln. Vielfach wurde dabei der Wunſch geäußert, daß auch bei uns, wie in Naſſau, der Wirths— hausbeſuch und die Verabreichung des Branntweins an die Jugend bis zum 18. Jahre wenigſtens ver- boten werden möge. Auch bei Gymnaſiaſten geſchehe dieſes. Ebenſo dankte man andern Beamten mit Mund und Herz, weil ſie im Bereiche ihrer Berufsthätigkeit den Fuſelgeiſt zu bannen ſich bemühten. So gedachte man mit anerkennendem Lobe des Gr. Revierförſters W. in O., welcher durch ſeinen Einfluß es dahin ge— bracht habe, daß beim Holzmachen in ſeinem Be— zirke kein Branntwein mehr getrunken wurde. Beſonders erfreulich war mir die Bekanntſchaft eines Chauſſeewärters, der mir ſelber geſtand, daß er in früheren Jahren über 2 Schoppen gebrannten Waſſers auf einen Sitz getrunken habe. Seit mehreren Jahren ſei er mit wahrem Widerwillen gegen das verführeriſche Getränk erfüllt und er lege gerne, von dem, was er durch die Enthaltſam— keit erſpare, Etwas für wohlthätige Zwecke zuruck, wie er auch jetzt wieder ſeine jährliche Dankesgabe dem Vereine mit freundlicher Miene bot. Er fühle ſich wohl und glück— lich ſeit dem er kein Branntweinglas mehr mit den Lippen berühre.
So wurde ich in der nicht beſonders zahlreichen Ver— ſammlung auf's neue in meinen durch vielfaches Nachdenken und Lectüre gewonnenen Anſichten beſtärkt und es berührte mich ſchmerzlich hören zu müſſen, daß man hier und da die Mäßigkeitsvereine als eine Grauſamkeit gegen das nie— dere Volk, welchem nicht der Weingenuß geſtattet wäre,
bezeichne. Iſt das eine Grauſamkeit, die Quellen ſo viel⸗ fachen Elendes zu verſtopfen, den unglücklichen Frauen und Kindern ihren verlorenen Vater und Ernährer zurückgeben zu wollen? Iſt das eine Grauſamkeit, dahin zu ſtreben, daß die Jugend nicht immer tiefer und tiefer ſinke in den Ab— grund der Trunkenheit? Iſt das Härte, das Volk zu beleh— ren, daß der Branntwein, welcher erſt ſeit 80—100 Jahren allgemein getrunken wird, ſehr wohl entbehrt werden könne, wie die Vorzeit und jetzt Millionen der Gegenwart bewei— ſen? Iſt das Mangel an Liebe, wenn man den Verblende— ten die Augen öffnen und ihnen zeigen will, woher in vie— len Häuſern und Dörfern Armuth und Noth, woher ſo viele Krankheiten und Unglücksfälle, woher die wachſende Zahl der Verbrecher? Ich bitte Euch, die Ihr das Beſtreben der Mäßigkeitsfreunde rügen und tadeln wollet, bei der Liebe zur Menſchheit bitte ich Euch, prüfet die Sache in ruhiger Ueberlegung, leſet die dahin einſchlagenden Schriften, und wenn Ihr mein Büchlein keiner Aufmerkſamkeit würdi⸗ gen wollet, leſet den Generalbericht von Böttcher und den Sieg über die Branntweinpeſt in Oberſchleſien von Dr. Be⸗ rinſer. Schauet umher, ob nicht jedes Dorf, wie klein es auch ſei, für unſer Wehklagen ſprechende Belege bietet. Wie könnte es auch anders ſein, wenn mancher Taglöhner und Geſelle den 3. oder 4. Theil ſeines Einkommens im Trunke verzehrt?—— Ich habe auf 10—12 Köpfe in unſerer Pro⸗ vinz eine Ohm Branntwein gerechnet und durch Angaben aus einzelnen Dörfern und Städten dieſe Berechnung probehal⸗ tig gefunden. Auf jede Familie von 5—6 Köpfen im Durchſchnitt /, Ohm des Fuſelgeiſtes! Bedenket das wohl! Was kann daraus entſtehen? Wo nicht hemmende Schran— ken gelegt werden, iſt das Uebel im Wachſen. Seit 20 Jahren hat ſich die Conſumtion mehr als verdoppelt, und nun die Zukunft?— Nein Ihr könnet nicht gleichguͤltig bleiben! Wiſſet Ihr ein anderes Mittel, das ſich durch die Erfahrung ebenſo bewährte, als die Mäßigkeits vereine, ver— ſchweigt es nicht, mit Freuden reichen wir Euch die Hand, es in Anwendung zu bringen. Brechet nur nicht uͤber uns den Stab, wenn wir meinen, es wäre beſſer, es wurde gar kein Branntwein getrunken, als daß er in ſol— chem Uebermaß genoſſen wird. Es war mir erfreulich und betrübend, dieſe Behauptung auf meiner Rückreiſe durch einen erfahrenen Arzt bekräftigt zu hören. Er klagte mir, daß es ſchrecklich wäre zu ſehen, wie der Fuſel die Kraft des Volkes verzehre. Schon mit der Mutter— milch zogen ihn die Säuglinge ein, Kindern von 2—3 Jah- ren werde er mit Brodkrummen gereicht. Er ſei in kei— ner Beziehung nothwendig, und könne ſehr wohl ent— behrt werden. Es müſſe darauf hin gewirkt werden, daß das Volk zu beſſeren Ein- und Anſichten gelange. Ihr fraget wohl, was man dem Volke dafür anbieten könne: Was ſoll man ihm bieten für ein ſchädliches Getränk? Iſt nicht das Bier weit geſunder und nahrhafter! Und wenn man bedenkt, welche Erſparniſſe durch die Enthaltſam— keit gemacht werden, ſpringt nicht hieraus die Bezahlung fur manchen Schoppen Apfel- oder Traubenwein? In Schleſien kam eine Wittwe, welche öfters Knochen von einem
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jchm. tereſs nich. lation. Würde jeden hen. ſein zehrt
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