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Intelligenz Blatt
für die
n Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Amtlicher Theil.
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Oeffentliche Nachricht.
Betreffend: Die hin und wieder ſich zeigende Kartoffelnkrankheit.
Ich ſäume nicht das beruhigende Ergebniß der Erfah— rung und Berathung in heutiger Bezirksvereinsverſammlung hiermit zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Ueber die ſich zeigende Krankheit der Kartoffeln und die deßfalls zu ergreifenden Maßregeln
Es ergab die Umfrage bei den aus allen Theilen des Kreiſes anweſenden Oeconomen, daß die Kartoffelnkrankheit ſich nur hin und wieder und in durchans nicht bedenklicher Weiſe zeigt und namentlich in einer großen Anzahl von Gemeinden durchaus keine Spur davon vorhanden, vielmehr eine reichliche Erndte zu erwarten iſt.
Bezüglich der Mittel, wie die frgl. Krankheit in ihren Folgen möglichſt unſchädlich zu machen wäre, wurde mit Rückſicht auf die Ergebniſſe der Unterſuchungen der diesjäh⸗ rigen Naturforſcherverſammlung zu Nürnberg, ſowie der ver⸗ ſchiedenen in der landwirthſchaftlichen Zeitſchrift und andern offentlichen Blättern gegebenen Rathſchläge, folgendes Ver⸗ fahren als vorzugsweiſe zweckmäßig und leicht ausführbar mit Stimmeneinhelligkeit vorgeſchlagen:
a) Man übereile die Kartoffelnerndte nicht, ſondern laſſe die Kartoffeln zur gehörigen Reife gelangen.
b) Man mache die Kartoffeln bei trockner Witterung aus und laſſe dieſelbe ehe man ſie in Säcke füllt vorerſt ab⸗ trocknen.
6) Man ſondere die ſchadhaften und von der Krankheit er— griffenen Kartoffeln genau von den geſunden ab.
d) Man bewahre die Kartoffeln nicht in Erdgruben und auch nicht an feuchten Orten auf, ſondern ſchütte ſie auf der Oberfläche trockner Aecker kegelfoͤrmig zuſammen und ſchütze ſie durch eine Decke von Stroh und Miſt vor dem Einfluß der Kälte. Endlich
e) Als Steckkartoffeln fuͤr das nächſte Jahr wähle man beſonders gute ganz fehlerfreie Kartoffeln.
Bei dem im Ganzen guten Stande der Kartoffeln⸗ erndte wurde ſchließlich irgend eine Vorkehrung oder Be⸗
ſchränkung wegen des Verkaufs oder Verbrauchs der Kar⸗ toffeln weder für nothwendig, noch fuͤr rathſam erachtet. Friedberg den 1. Oktober 1845. Der Großh. Heſſ. Kreisrath als Präſident des
landwirthſchaftlichen Bezirksvereins Küchler.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Verlegung eines Jahrmarkts zu Wetzlar.
Der in den dießjährigen Kalendern auf den 22. Octo⸗ ber angekündigte Jahrmarkt zu Wetzlar, wird erſt am 29. October abgehalten werden, was Sie in Ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntniß bringen zu laſſen haben. Grünberg am 2. October 1845. QBuvrier.
Pruͤfet Alles, und das Beßte behaltet! (Beſchluß.)
Aehnliches konnte freilich von den Wirkungen des noch in Heſſen ohne Nachahmung ſtehenden Vereins nicht berich— tet werden. Die Zahl ſeiner Mitglieder hat noch nicht das 2. Hundert vollzählich gemacht und nur mit kleinerem Maß—⸗ ſtabe muß man ſeinen wohlthätigen Einfluß beſtimmen. Aber auch von ihm konnte aus dem vorigen Jahre Erfreuliches berichtet werden. Es hatten ſich wieder Einzelne angeſchloſſen und die Bekehrungsgeſchichte eines gebeſſerten Trunkenboldes hat ſchon früher das Intelligenzblatt erzählt. Vor Allem iſt die Gemeinde Harbach, im Kreiſe Grünberg hervorzu— heben. Dorten hat der eifrig thätige Lehrer, Herr Brück, welcher ſich auch durch Begründung eines Leſevereines und eines Schiedsgerichtes bleibende Verdienſte um das Wohl der Gemeinde erworben hat, in Verbindung mit dem Gr. Bürgermeiſter Münch am 3. Oſtertag einen Verein gegen das Brannteweintrinken geſtiftet. 80 Ortsbürger zählt
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