Intelligenz Blatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Amtlicher Theil. Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Erbauung der Eiſenbahn von Frankfurt nach Caſſel.
Die geometriſchen Arbeiten zur Erbauung der rubri⸗ zirten Eiſenbahn ſollen im Kreiſe Friedberg beginnen. Ich weiſe Sie an, dieſe Arbeiten auf jede moͤgliche Weiſe zu fördern, und namentlich darauf zu ſehen, daß keine der er— richtet werdenden Signale veräußert werden. Etwaige Con— traventionen in dieſer Beziehung ſind zur Anzeige zu bringen.
Friedberg den 4. Auguſt 1845.
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e Krach, Grßh. Kr.-Sect.
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Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. (Fortſetzung von Nr. 52 d. Bl.)
40) Der Pfärrner, d. i. der Pfarrer. So ſchreibt man das wetterauiſche: der Pärrner, welches rechts der obern Nidda bis über Bärſtadt, Melbach nach Gießen zu üblich iſt; bei Friedberg und links der Nidda iſt der Parre d. i. Pfarrer anſtatt des früher üblichen Pärrner herrſchend geworden. Alberus, Pfarrer zu Staden, hat noch in ſeinem Wörterbuch von 1540: pfarner und parner. Vor ihm hat das(Ex quo genannte) mittelrheiniſche Wörterbuch von 1469 für Pfarrei(Plebania)„ein phernerij“ und das Kölner von 1475 parner für Pfarrer(Plebanus). Das Wort iſt mit der männlichen Endung-er eben nicht ſonder— lich gut von dem vor 500 Jahren gebrauchten Worte pfer— ren, welches„zum Pfarrer beſtellen bedeutet, gebildet und drückt aus:„der zum Inhaber der Pfarrei Eingeſetzte.“ Das Stammwort Pfarrei(oder vielmehr, wie man altdeutſch ſagte, die Pfarre) kommt, beiläufig geſagt, von lateiniſch paro— chia d. h. Kirchſprengel.
41) peiſchen oder beſſer(da ſch aus ſ verdorben
iſt) peiſen, d. i. etwas auf's Ungefähre prüfen, wie ſchwer es ſei, dadurch daß man es hebt oder mit der Hand wiegt. So ſchreibt man das wetterauiſche Zeitwort: pahſche nach der Ausſprache zu Staden, Florſtadt ꝛc.“), pähſche(nach der Ausſprache zu Großkarben ꝛc.), päſe(nach der Aus— ſprache zu Nidda ꝛc.). Wenn man z. B. einen ſchweren Sack tragen will, ſo hebt man ihn erſt einmal mit den Händen und peiſt(peiſcht) ihn ſo, ob er einem nicht zu ſchwer ſei. Alberus ſchreibt in ſeinem Wörterbuch:„ich peyß“ und erklärt das Wort durch lateiniſch penso, tento mani- bus(ich verſuche mit den Händen, verſtehe die Schwere, das Gewicht von etwas). Das Wort iſt ein Fremdwort, entlehnt aus dem Romaniſchen, nämlich aus italieniſch pe- sàre, ſpaniſch pesär, franzöſiſch péser ꝛc., welche bedeuten: das Gewicht einer Sache unterſuchen, wägen, alle mit der öfter vorkommenden Ausſtoßung des n vor s aus dem gleich— bedeutenden lateiniſchen pensare.
(Fortſetzung folgt.) ) Zu Gießen ſagt man paſe. Das iſt regelrecht hochdeutſch peiſen, und ſtimmt mit Alberus Schreibung der Wortform.
f Verſchiedene Wünſche.
Alexander der Große, König von Mazedonien, geb. 356 v. Ch. G., gewaltiger Kriegesfürſt und Eroberer eines großen Theiles von Aſien, wünſchte einſt: ges möchte von der Erde eine Brücke in den Mond führen, damit er auf dieſem Himmelskörper ſeine Eroberungen fortſetzen könne, wenn der ganze Kreis des Erd— bodens zu ſeinen Füßen liege.“ Kühner Gedanke!— der Mann, der ihn hatte, ſtarb in ſeinem 33. Lebensjahre, wahrſcheinlich in Folge der Ausſchweifungen, denen er ſich hingegeben hatte.
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Nero, römiſcher Kaiſer ſeit 54. nach Chr. G., der— ſelbe, der im Jahre 64. die Stadt Rom an allen Enden anſtecken ließ, um ſich das Schauſpiel eines großen Bran—


