XVnI. Gestorben ſind: Am 12. Sept. 1844 der Phyficats⸗ wundarzt Dauth zu Worms; am 28. März der Schullehrer Weißger⸗ ber zu Zell, L. B. Erbach; am 25, April der penſ. Schullehrer Sper⸗ ling von Eimsbeim, L. B. des Kr. Mainzz am 29. der Schullehrer Böck zu Blofeld, Kr. Nidda; am 30, der Schullehrer Küſtner zu Worms; am 8. Mai der Förſter Jacobi zu Battenberg; am 14. der Pens, bei der ehemaligen Saline Wiſſelsheim angeſtellt geweſene Soden⸗ und Kunſtſchmier Moderer zu Friedberg; am 21. der kath. Pfarrer, geiſtliche Rath Hauck zu Ockſtadt; am 31. der Landrichter Rayß zu Butzbach; am 6. Jun der, auf vertragsmäßige Präſentation der Gr. Regierung bei der Zollverwaltung zu Frankfurt a. M. angeſtellte Haupt⸗ ſteueramts⸗Aſſiſtent Herbst; am 9. der Poſtmeiſter Rau ſch zu Lauterbach; am 14. der Landgerichtsdiener Henrich zu Hungen; am 16. die Wittwe des Geheimenraths Lepdig zu Mainz.
Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. (Fortſetzung von Nr. 45 d. Bl.)
310 Die Beunde. So ſchreibt man unſer wetter⸗ auiſches, von dem folgenden Nr. 32. wohl zu unterſcheiden⸗ des, Wort: die Beune, wenn wir darunter ein geſchloſſenes Ackerland ꝛc. verſtehen. Solches Beunde gut iſt noch z. B. zu Bingenheim. Auch zu Unterflorſtadt dicht am Orte, wo der Weg nach Friedberg führt, iſt eine Beunde, welche an Gärten ſtößt und gewiß früher ſelbſt umzäunt war. Dieß entſpricht dem altdeutſchen: die piunt, welches einen eingehegten Acker oder Garten ausdrückt, der zu gewiſſer Benutzung verſchloſſen werden kann.
32) Die Beunde. So ſchreibt man ein zweites wetterauiſches Wort, welches die Beune ausgeſprochen wird und den Backtiſch(d. i. den Tiſch in der Backſtube, worauf der Teig zu Brot, Kuchen u. dgl. verarbeitet wird) bedeutet. Richtiger ſagt man zu Gießen und in der Umge- gend: die Beud und wird damit ſowohl der„Backtiſch /, als auch der„Backtrog“ bezeichnet. Wir Wetterauer haben alſo zwiſchen u und d noch einen eingeſchoben. Früher ſagte man auch anderwärts in Deutſchland: der Biet. Das Wort kommt von altdeutſch der piot, welches Tiſch bedeutet, von bieten d. i. darlegen, dargeben; denn dieſes altdeutſche Wort piot(bei den Gothen i. J. 350 nach Chriſti Geburt der„biuds/) iſt eigentlich der Opfertiſch.— Die wetter⸗ auiſche Redensart:„uff dr Beune ſein“(d. i. auf der Beunde ſein) iſt ſo viel als: an der Reihe zu backen ſein im Backhaus.
33) Der Butzemann, d. h. die vermummte Schreck⸗ geſtalt, beſonders zum Schrecken der Kinder und Verſcheu— chen der Vögel. So ſchreibt man unſer wetterauiſches: der Botze- oder Butzemann. Das Wort Butz aber kann man nicht ableiten.
34) Der Diebhenker als Name des Teufels, wenn man über etwas verwünſchend ausruft und ſich das Wort Teufel zu nennen fürchtet, z. B.„Der Diebhenker! was machſt du!, So ſchreibt man den wetterauiſchen Ausdruck: der Daibhenker oder(wie man auch ſagt) Deubhenker. Wir Wetterauer ſollten eigentlich Däibhenker ausſprechen, weil wir Däib für Dieb ſagen; allein wir ſagen Daib— henker und Deubhenker, weil wir dabei an den Teu⸗ fel denken und dieſes Wort Teufel in unſrer Mundart Dai—
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wil und(da wir es doch aus dem Hochdeutſchen haben) Deuwil ausſprechen, alſo die Laute ai und eu daraus beibehalten. Der Teufel heißt deshalb Diebhenker, weil, wie Jacob Grimm ſagte, der Volksglaube ihn ſich als den Schergen der Hölle denkt, wo er die armen Seelen bindet und peinigt.
35) Der Säuzagel, d. i. der Wirbelwind und der Windwirbel. So ſchreibt man das wetterauiſche Wort: der Säuzoal?). Das Wort Säuzagel iſt eigentlich eine ſpöt— tiſche beſchimpfende Benennung des Teufels und dieſem maß der Aberglaube bei, daß er den Wirbel aufrege. Uebrigens kommt der Zoal(Zagel) in der Wetterau ſonſt nicht vor. Vgl. Vilmar in der Zeitſchrift für heſſiſche Geſchichte IV, 102.
36) Die Specke, d. i. die Knüppelbrücke zur Ueber⸗ fahrt über einen Graben. So ſchreibt man unſer wetter— auiſches: die Schbeacke. Die Brücke dieſer Art iſt auch oft mit Raſenſtücken belegt und geht gemeiniglich über einen Wieſengraben, um auf die Wieſe zu fahren. In altſäch⸗ ſiſchen Urkunden ſteht die ſpeckia von einem aus Knüppeln (kurzen Stangen) oder Raſenſtücken gemachten Weg durch eine Sumpfgegend. Das Wort ſcheint von altdeutſch der ſpach(bei den Angelſachſen ſpäc) abgeleitet, welches Zaun⸗ ſtecken, Aſt, Reisholz bedeutet und noch in der, Oberpfalz vorkommt. Uebrigens ſteht das Wort ſchon in unſern wetter⸗ auiſchen Weisthümern, z. B. in dem wetterauiſchen Waſſer⸗ gerichts-Weisthum, worin es heißt:„Die brücken und ſpecken, ſteinern oder hölzern, ſollen ihrer länge dem waſ— ſer nach erkannt, und durch die partheien jederzeit erhalten werden.“ Niederdeutſch iſt Specke ein übliches Wort.
37) ritzeroth, d. i. brennend roth, flammend roth. So ſchreibt man das wetterauiſche Beiwort: reatzeruth. Z. B.„e reatzeruth Klad“ d. i. ein brennend rothes Kleid. Schon der Wetterauer Erasmus Alberus hat in ſeinem Wörterbuch v. J. 1540 ritzrot, ritz rot und über⸗ ſetzt es durch lateiniſch ardentissimi coloris. Wahrſchein⸗ lich iſt die urſprüngliche Bedeutung des Wortes ſeiner Zu— ſammenſetzung gemäß: ſo roth, wie ein Ritz in der Haut. Daher bedeutet auch zu Aſchaffenburg ritzeroth ſo viel als„blutroth“(ſ. Schmellers bayeriſches Wörterbuch 3. Thl. S. 175.)
38) Die Wolkenbruſt, d. i. der Wolkenbruch. So lautet hochdeutſch unſer wetterauiſches, mehr an der Nidda aufwärts, doch nur mitunter vorkommendes Wort: die Wolkebroſt. Z. B.„s eaß e Wolkebroſt gefann⸗ d. ie es iſt ein Wolkenbruch gefallen. Das üblichere Wort
) Die Sylben agel, agen werden wetterauiſch in mehreren Wörtern zuſammengezogen in gedehntes al, bal, an(ogl. Nr. 6 die Ahne). So z. B. der Nal anſtatt Nagel, ſan,(mit ſtumpfem n, wie in franzöſiſch en, jardin 2c.) anſtatt ſagen, klan(ebenfalls mit ſtum⸗ pfem n) anſtatt klagen, der Wan(mit ſtumpfem n) anſtatt Wagen. Dieß auch in Urkunden, z. B.„daß die landſiedel des ſtiffts und des probſts, die ihre äcker bauen, ihr ieglicher zu der einen hochge⸗ zitten in dem jahre eim Herrn von Limburgk ein wan foll holßes ſollen führen zu Staden in ſeine küchen“(Mockſtadter Weis⸗ thum vom 15. Mai 1365 in Jac. Grimms Weisthümern 3. Bd. S. 436.). Hochzeit iſt in dieſer Stelle ein hohes chriſtliches Feſt (wie wir Wetterauer ſagen:„e Hihrnfeaſt d. i. ein Hehrfeſt, heh⸗ res Feſt), und man verſtand darunter vor Alters insbeſondere
Weihnachten, Oſtern, Pfingſten und Allerheiligen.
in de Pol deut wol. öfte del n fle fei wolke


