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Intelligenz Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Der Gr. Landrichter Rayß zu Butzbach iſt als Mit— glied der Bezirks⸗Vereins-Commiſſion ernannt worden, was hiermit zur offentlichen Kenntniß gebracht wird.
Friedberg den 24. Januar 1845.
Die Gr. Bezirks⸗Vereins-Commiſſion des Vereins zur Unterſtützung und Beaufſichtigung der aus den Landes— und Provinzial⸗Anſtalten Entlaſſenen im Großherzog⸗ thum Heſſen.
Küchler.
Aus züge aus dem Regierungsblatte. Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 4.
IX. Namensveränderungen: Es wurde geſtattet: am 13. Dec. 1844 dem Joh. Wilh. Hamann dahier künftig den Familiennamen „Möſer“, am 24. Dec. dem Gottl. Valentin Zimmermann zu Rödel— heim den Familiennamen„Gil ß“ der ehemal. Adoptivtochter des Schuh machermeiſters Nicolaus Rimmler dahier wieder ihren früheren Familien— namen„Bornſcheuer“, am 31. Dec. dem Aron Abraham zu Rödel⸗ heim den Familiennamen„Arndt zu führen.—
X. Dienſtnachrichten: am 31. Dec. 1844 wurde der Phyſi⸗ katsarzt Dr. Eiſenberg zu Battenberg zum Phyſtkatsarzt des Phyſikats⸗ bezirks Seligenſtadt ernannt; am 3. Jan. dem Notariatsgehülfen Quer- dan zu Mainz die Notariatsſtelle zu Wöllſtein; am 4. dem Schulkandi⸗ daten Offenbächer zu Bobenhauſen II. die ev. Schullehrerſtelle daſelbſt übertragen.—
XI. Charakterverleihungen: Am 22. Nov. 1844 dem bisher zum Forſtſchutze verwendeten Joh. Müller zu Niederramſtadt als„För— ſter; am 17. Dec. dem Rentamtmann Buß zu Friedberg als„Domä⸗— nenrath“ und dem Botenmeiſter bei der Oberforſtdirection Harteneck da— hier als„Canzleiſecretär“.—
XII. Verſetzung in den Ruheſtand: Am 4. Jan. der Schul- lehrer Offenbächer zu Bobenhauſen II.
An die Eltern unſerer Jugend.
Fragt man Euch, ihr Väter und Muͤtter: was iſt
euer größtes Gut, was liegt Euch am meiſten am Her⸗ zen?— ſo werdet Ihr gewiß unbedingt antworten:„Un⸗
ſere Kinder ſind das Liebſte, was wir beſitzen; ſie glück— lich zu ſehen iſt unſer größtes Glück., Welche Mutter könnte auch ſo entartet ſein und könnte irgend ein Gut ihren Kin— dern voranſtellen, oder welcher Vater möchte ſeine Kinder verleugnen!
Was man liebt, dem widmet man eine ſorgfältige Be⸗ handlung, das pflegt man. Ihr pflegt euer Kind, wenn Ihr es ſeiner Beſtimmung mehr und mehr entgegen führt. Die Beſtimmung des Menſchen iſt aber die: Er ſoll kör— perlich und geiſtig gekräftigt und geübt werden, um als Erdenbürger durch vernünftiges Handeln ſich ſelbſt und Andern mit Liebe nützen und ſo ſich als Bürger eines höheren ſeligen Lebens befähigen zu können, ſich zur Gottähnlichkeit heranzubilden.
Kommen wir aber allenthalben treu unſern Pflichten als Eltern nach?— Wird überall die richtige Sorge ge⸗ tragen, daß unſere Kinder, ihrer Beſtimmung gemäß, ge⸗ pflegt— vernünftig erzogen— werden?—
Hören wir die Lehrer, wie die Kleinen ſo häufig ver⸗ wahrloſt, oder, noch mehr, wie ſie zu unordentlichen, ver⸗ wöhnten, ungehorſamen, widerſpenſtigen, luͤgenhaften und trotzigen Weſen verzogen zur Schule kommen und wie wäh⸗ rend der Schulzeit häufig dem mühſamen Wirken des Leh— rers durch häusliche Unordnungen, durch Vorurtheil und böſen Willen entgegengewirkt wird; beobachten wir ſel bſt, wie unſere Jugend in den häuslichen Kreiſen, oder von Schule und Haus unbeaufſichtigt, Unarten aller Art frech ausübet; ſehen wir wie die konfirmirte Jugend häufig in Ungeſchliffenheit und wirklicher Rohheit ſich überbietet ꝛc. ꝛc.: ſo können wir keinesfalls obige Fragen bejahend beantworten.
Gewiß, Mutter, Du fühlſt und geſtehſt es ſelbſt, daß Deine Jungen das nicht ſind, was ſie ſein ſollten, ſo, wie Du ſie wünſcheſt, und Du Vater, mit Unluſt wirſt Du immer mehr gewahr, daß Deine Söhne und Töchter beſſer ſein könnten.— Darin ſind wir wohl einig. Ob wir es auch ſind bezüglich der Mittel, die angewendet werden mußten, damit es anders würde?— Wir wollen ſehen.—


