die traurigen Folgen des Branntweingenuſſes. Gerade in dieſem Länderſtriche, wo kein Getränk als Erſatzmittel bis jetzt geboten werden konnte, haben ½ Million dem Schnaps⸗ glaſe entſagt. Ein katholiſcher Prieſter, Pater Stephan, war der Erſte, welcher mit chriſtlichem Gottvertrauen die Fahne der Enthaltſamkeit erhub, und wie er erwartet hatte, uberall Nachahmer fand. In Städten und Dörfern ſchloſſen ſich zahlreiche Schaaren dem Bundesheere an. Die Geiſt⸗ lichen, welche dieſe Volksbewegung hervorgerufen oder beför— dert hatten, wurden im Anfang als Unruheſtifter und Frie⸗ densſtörer bei der Regierung verläͤumdet. Der gekränkte Eigennutz erlaubte ſich allerlei Mittel den Diener der Reli⸗ gion die Mäßigkeitspredigten zu erſchweren. Aber der Herr war mit ihnen; ſie wurden von dem Erfolge ihrer Arbeit und von der Zuſtimmung des ihnen beifal— lenden Volkes erhoben und ermuntert. Sie haben in wenig Monden ein Staunen erregendes Rieſen— werk vollendet und ein ganzes, der Trunkſncht ver— fallenes Volk auf beſſere Wege gebracht. Selbſt
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die verworfenſten Säufer bewieſen eine rühmenswerthe Seelenſtärke bei der Beherrſchung ihrer entarteten Nature Der Landrath des Rybniker Kreiſes berichtete an die Regie⸗ rung, daß ein kurzer Zeitraum hingereicht habe, Pau ſende von Trunkenbolden zu nüchternen Staatsbürgern zu machen. In alle Zweige des bürgerlichen und häus⸗ lichen Lebens wirkte dieſe Reform wohlkhatig ein. Die Criminalfälle wurden vermindertz die Zechſtuben waren leer, deßgleichen die polizeilichen Gefang⸗ niſſe. Frohſinn und Anſtand war an die Stelle der früheren Ausgelaſſenheit und Rohheit getre⸗ tenz Verträglichkeit und Liebe hatten im Familien⸗ leben den Hader und Zank vertrieben. Die Regie⸗ rung glaubte dergleichen Schilderungen für Erzeugniſſe be— fangener Beobachter halten zu müſſen und ſandte Commiſſäre aus um näheren Augenſchein zu nehmen. Dieſe mußten ſo günſtig berichten, daß der König und das Miniſterium oͤffentlich ihre Freude und ihren Beifall bezeugten. (Schluß folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
N
Bekanntmachung.
(1107) Das gnädiger Herrſchaft in hoch⸗ deren Beſitzungen zuſtehende Waſenmeiſterei⸗ Lehn iſt durch den Tod des ſeitherigen Lehn— trägers heimgefallen und ſoll nun wieder ander⸗ weit verliehen werden. Dabei findet man es angemeſſener den Bezirk Oberohmen von dem zu Lauterbach zu trennen und für jeden einen beſonderen Waſenmeiſter zu beſtellen.
Wer daher geneigt iſt, eine dieſer Waſen⸗ meiſtereien zu übernehmen, wird hierdurch aufgefordert, ſich binnen 14 Tagen bei unter⸗ zeichneter Bebörde anzumelden, die Bedin⸗ gungen zu vernehmen und die erforderlichen Zeugniſſe ſeiner Qualification einzureihen.
Lauterbach den 18. Sept. 1845.
Freih. Riedeſeliſche Renteiverwaltung.
Verpachtung einer Hofraithe zu Kaichen.
(1421) Dienſtag den 7. Oktober d. J. Mittags 12 Uhr, wird in dem Gemeindehaus zu Kaichen die dem Gr. Heſſ Fiscus gehörige Hofraithe daſelbſt für die Dauer von jetzt an bis zu Ende des Jahrs 1847 verpachtet.
Es iſt ſelbige in der Mitte des Orts an der Staatsſtraße gelegen, und darum zum Betrieb einer Gaſtwirthſchaft geeignet.
Die Beſtandtheile derſelben ſind in einem geſchloſſenen geräumigen Hofe: ein ſechs Stu⸗ ben und Kammern enthaltendes Wohnhaus, unter welchem ſich zwei Keller befinden, eine mit zwei Tennen ſverſehene Scheuer, ſowie Pferde, Rindvieh⸗ und Schweinſtälle, ſodann hinter der Scheuer ein 100[Klftr. haltender Gemüsgarten.
Friedberg den 27. September 1845.
Der Großherz. Domänenrath Buß.
Aus Verſehen des Setzers ſind bei vorſtehen⸗ dem Inſerate in Nr. 77 d. Bl. einige Ab⸗ weichungen von dem Manuſcripte mit unter⸗ gelaufen. D. Red.
Aepfel⸗Verſteigerung.
(1410) Montag den 13. October d. J. ſollen circa 200 Malter Aepfel beſter Quali⸗ tät auf hieſigem Gräfl. Hofgut in Partieen an den Meiſtbietenden öffentlich verſteigert werden. Die Kaufliebhaber können ſich Mor— gens 10 Uhr dahier einfinden. Utphe den 24. September 1845. Der Gräfl. Verwalter Krick.
Oeffentliche Aufforderung.
(1428) ueber den um 340 fl. überſchuldeten Nachlaß des zu Holzhauſen verſtorbenen Schul— vicars Philipp Kunz von Mittelſeemen hat Gr. Hofgericht der Provinz Oberheſſen den Concurs erkannt. Es werden daher alle, welche Anſprüche auf jenen Nachlaß bilden, aufgefordert, ſolche in dem auf Dienſtag den 2. Dezember 1845, Vormittags 9 Ubr, anberaumten Liquidationstermin anzumelden und zu begründen, auch ſich des Güteverſuchs zu gewärtigen, widrigenfalls die Ausbleibenden von der Maſſe ausgeſchloſſen werden ſollen. Großkarben den 23. September 1845. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Muhl. Emmerich.
Aepfel-Verſteigerung.
(1429) Dienſtag den 7. Oktober, Vormit⸗
tags 9 Uhr, ſollen die Aepfel an den Gemeinde—
Bäumen dahier partieenweiſe an Ort und
Stelle verſteigert werden. Die Zuſammen—
kunft iſt bei der Steinmühle.
Grünberg den 29. September 1845. Der Grßh. Heſſ. Burgermeiſter Henricy.
Holz ⸗Verſteigerung. (1430) Freitag den 10. Oktober l. J., von Morgens 10 Uhr an, ſoll in dem Grälflich Solms-Rödelheim'ſchen Bainhardswald bei Roßbach das nachfolgende Holz, nämlich:
2000 Stück eichen Putzwellen aus Loh- und Saamenſchlägen,
1500„ Hade⸗ u. Ginſterwellen(Weich⸗ holz),
öffentlich meiſtbietend verſteigert werden.
Aſſenheim den 30. September 1845. Gräflich Solms-Rödelheim'ſche
1 Forſtverwaltung.
Verſteigerung.
(14310 Künftigen Donnerſtag den 9. Okt. I. J., Vormittags 10 Uhr, ſoll der im Burg⸗ grafiatsbof dahier liegende Bauſchutt zum Wegtransportiren in den ſo benannten Hirſch⸗ graben öffentlich an die Wenigſtnehmenden verſteigert werden.
Friedberg den 30. September 1845. Der Großh. Heſſ. Kreisbaumeiſter
des Baubezirks Friedberg
Stockhauſen.
Verpachtung.
(1432 Dienſtag den 14. l. M., Morgens
10 Uhr, verpachtet der Unterzeichnete in hie
ſigem Rathhauſe nachſtehende ihm zugehörende
Grundſtücke, als:
Gemarkung Friedberg. Rth. ULIKlftr.
1) 66— 129 Obſtbaumgarten an der Hockenmühle an Heinrich Hanſtein II.,
2 39„ 76 in den Liebfrauengarten,
3) 185„ 363 Obſtbaumgarten am Holz⸗ pförtchen,
4) 44— 86 dale. nächſt der Ockſtädter Allee.
Gemarkung Fauerbach II.
5) 92 180 dem neuen Friedhof gegen⸗ über an Heinrich Salz- mann II., zebntfrei,
6) 249„ 489 an der Wingertsgaſſe, ſtößt
5 auf die Staatsſtraße. Friedberg am 2. Oktbr. 1845. Der Grßb. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
I
Privat- Bekanntmachungen.
Einen Theil (1415) vom Keller bat zu vermiethen Briefträger Hanſtein. nee i g e.
(1417) Einem geebrten Publikum mache ich die ergebenſte Anzeige, daß ich durch den
Beſitz einer neu erfundenen Pariſer Decatir⸗
Maſchine in den Stand geſetzt worden bin, alle möglichen Decatirungen auf das Schönſte und zu dem außergewöhnlich billigen Preiſe
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