„1840 den 2325. Juni wurde in Mainz die vierte Säkularfeier der Erfindung der Buchdruckerkunſt großartig gefeiert. Unſere Sänger wirkten, zur Theilnahme bei den Geſangesauffahrungen eingeladen, 30 Mann ſtark, würdig und erfolgreich mit. Der Dirigent, Herr Meſſer, war kurz vor dem Feſte hier, um die Leiſtungen unſeres Vereins kennen zu lernen; ſein ehrenvoles Zeugniß wurde eine neue Aufmunterung für unſere Sänger. Manchem unter ihnen erſchloß ſich in Mainz eine neue Welt edler, reiner, höherer Gefühlez er ahnte die Würdigkeit und Größe ſeines Vater— landes und erweiterte ſeinen Geſichtskreis bei dieſem der Menſchheit geltenden Feſte.
„Den 12. Juli fand ein Sängerfeſt in Schotten ſtatt, welches als zweites Wetterauer Sängerfeſt bezeichnet wird, dem aber unſere Sänger nicht beiwohnten, weil ſie wenig Wochen vorher in Mainz mitgewirkt hatten.
„Am Jahrstag 1840 zählte der Verein 95 Mitglieder, 40 wirkliche und 55 außerordentliche. Herr Lehrer Bauer übernahm jetzt den Unterricht.
„1841 den 4. Juli wurde zu Butzbach das dritte Wetterauer Sängerfeſt abgehalten, wobei viele Vereine, unter andern auch Frankfurter und Naſſauer, und auch unſer Verein zahlreich mitwirkten. Gewiß denken noch Alle mit Freuden an das brüderliche heitere Leben auf dem Schrenzer und die herrliche Ausſicht auf die Wetterau. Da lag ſie, die geſegnete Wetterau mit ihren vielen Thurm— ſpitzen und Obſtbäumen ausgebreitet, und ſah man auch keine Rebhügel, ſo rauſchten doch die vollen Aehren und ſprachen, wie Herder ſingt:„wir ſind der Segen Gottes; die Heere Gottes gegen des Hungers Noth!“— O Deutſch— land, du großes geliebtes Vaterland! welcher herrliche Gar— ten Gottes biſt du mit deinen geſegneten Hügeln und Thä— lern und deinen biederen gemüthlichen Menſchen, bei denen
„Treue hell vom Auge blitzt
„Und Liebe warm im Herzen ſitzt. Ja Vaterlandsliebe iſt eine der ſchönen Blumen, welche aus dem deutſchen Sängerthume erblüht. O nährt und pflegt ſie, dieſe himmliſche Blume, ihr Sänger!
„Den 7. Auguſt Abends brachten unſere Sänger dem Herrn Kirchenrath Pilger einen Fackelzug mit Geſang, als Zeichen ihrer Theilnahme an deſſen Amtsjubelfeier, welche den folgenden Tag ſtatt fand.
„Der Jahrestag wurde dieſesmal den 22. Auguſt ge— feiert und erhielt dadurch eine beſondere Bedeutung, daß von 17 verſchiedenen Vereinen der Wetterau Abgeordnete gegenwärtig waren, um ein Sängerfeſt zu beſprechen, wel— ches hier abgehalten werden ſollte.
„Der Verein zählte jetzt 101 Mitglieder, nämlich 44 wirkliche und 57 außerordentliche. Im Herbſte deſſelben Jahres legte Herr Lehrer Bauer den Geſangunterricht nie— der und Herr Lehrer Süß übernahm ihn auf's Neue.
„Den 5. Dezember deſſelben Jahres wohnten viele Mitglieder Mozarts Todesfeier im Saale des Wolfseck in Frankfurt bei, wozu ſie von der Liedertafel daſelbſt einge⸗ laden worden waren.
„1842 den 17. Juli fand hier, unter der Direction
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des Herrn Seminarlehrers Thurn, ein großes Saͤngerfeſt ſtatt, wobei, wie bekannt, mehrere Hofſaͤnger von Darmſtadt, viele Mitglieder der Hofkapelle von da, die Regimentsmuſik von Offenbach und über 1000 Sänger mitwirkten. Neu- komm, der bekannte und ausgezeichnete Componiſt, traf ganz unerwartet hier ein und dirigirte ſein Te deum ſelbſt. Er verließ uns ſehr befriedigt, über ſämmtliche Auffuͤh— rungen ein ſehr günſtiges Urtheil fällend. Friedberg be⸗ kam dadurch einen Ruf im Auslande, obgleich hier manche, die Hauptſache keineswegs betreffende, Vorkehrungen einer tadelnden Kritik unterworfen wurden. Unſere Sänger wur— den nicht lange nachher von Brüſſel eingeladen an einem Sängerfeſt und an Wettgeſängen Theil zu nehmen. Doch konnten ſie wegen der pekuniären Opfer, welche zu bringen geweſen wären, dieſer Einladung nicht folgen.
„Am Jahrestag 1842 zählte der Verein 116 Mitglie⸗ der, 47 wirkliche und 69 außerordentliche. Im Herbſte deſſelben Jahres übernahm Herr Störger den Geſangun— terricht und leitet ihn heute noch mit lobenswerther Aus— dauer und Umſicht.
„1843 den 31. Marz gab der Verein unter Mitwir⸗ kung mehrerer Zöglinge des hieſigen Schullehrer-Seminars ein Conzert zum Beßten der hieſigen Armen, wobei nach Abzug der Koſten 56 fl. 44 kr. erlöſt wurden.—
„Ten 6. Auguſt hatte ſich auf Veranlaſſung des Ha— nauer Vereins zum„Frohſinn“ eine Anzaht Sänger auf dem Wilhelmsbade bei Hanau vereinigt, wobei auch unſere Sänger nicht fehlten. Man ſtellte ein Sängerfeſt in Aus⸗ ſicht, welches 1844 in Hanau ſtattfinden ſollte; allein es unterblieb aus Gründen, die nicht hierher gehören.
„Am Jahrestage zählte der Verein 148 Mitglieder, 49 wirkliche und 99 außerordentliche.
„Im Spätherbſte begannen die Abendunterhaltungen, welche günſtig aufgenommen wurden und welche ſeitdem jeden Winter ſtattfanden und auch ferner ſtattfinden werden, wenn, wie zu hoffen ſteht, der Hauptzweck des Vereins nicht darunter leidet.
„1844 den 24. März gab der Verein ein Conzert und übermachte der Kleinkinderbewahranſtalt als Erlös dieſes Conzerts 47 fl. 39 kr.
„Die Mitgliederzahl hatke ſich in dem verfloſſenen Jahr um 8 vermindert; ſie beſtand am Jahrestag in 140, nämlich 48 wirkliche und 92 außerordentliche.
„Im gegenwärtigen Jahre, 1845, hat, wie bekannt, unſere Vaterſtadt zwei höchſt achtbare Männer durch den Tod verloren. Die ſterblichen Reſte des Herrn Kirchenrath Pilger wurden den 25. März und die des Herrn Buͤr⸗ germeiſters Fritz den 9. April zu Grabe getragen. Unſere Sänger ſchloſſen ſich den Trauerzügen an und ſangen an den Gräbern geeignete Lieder.
„Legten unſere Sänger bei dem Tode des heimge⸗ gangenen Bürgermeiſters, der ſich ſo manches Verdienſt um unſere Stadt erworben hatte, ihre trauernde Theilnahme an den Tag; ſo drängte ſie ihr Herz, den Nachfolger, Herrn Bender, durch ein Ständchen zu begrüßen, das ſie mit der ganzen Bürgerſchaft demſelben den 19. Juni brachten.


