Ausgabe 
3.9.1845
 
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Intelligenz- Blatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Die Feier des Grundungstags des Fried

berger Geſangvereins.

Der 19. Auguſt iſt ſchon ſeit zehn Jahren ein Tag der Freude für die Mitglieder des Friedberger Geſangver eins und wird jedesmal von denſelben heiter begangen. Auch dieſes Jahr fand eine beſondere Feier in dem Trapp' ſchen Saale ſtatt, welche in Geſanges- und anderen Vor⸗ trägen, ernſten und ſcherzhaften Inhalts, beſtand und eine wohlthuende gemüthliche Heiterkeit uber alle Anweſende ver breitete. Wir theilen hier einen der Vorträge mit, weil wir glauben, daß er für manchen unſerer Leſer nicht ohne In tereſſe iſt.

Wenn ich heute, wo bereits zehn Jahre verfloſſen ſind, daß unſer Verein gegründet wurde, einen kurzen ge ſchichtlichen Ueberblick unſeres Vereins ſeit ſeinem Beſtehen zu geben verſuche, ſo ſetze ich das Vertrauen voraus, daß man weder Vollſtändigkeit noch erſchöpfende Darſtellung von mir erwarte.

Die Idee zur Gruͤndung des Vereins erwachte am 16. Auguſt 1835 in unſerer ſchönen großen Kirche, als eben ein Choral höchſt un harmoniſch geſungen wurde und nichts weniger als eine erbauliche Vorbereitung zur Pre digt war.

Drei Tage darauf, den 19. Auguſt, traten ſchon 27 junge Männer zuſammen, gründeten den Verein und berie then die Statuten. Die Begruͤnder gingen von der Idee aus, daß der Geſang die Herzen dem Prediger vorbereiten müſſe und daß er alles Gemeine, Rauhe, Störende aus dem Herzen verbanne und es empfänglich mache für alles Höhere und Gute. Der Geſang ſoll alſo ein Mittel ſeyn zu höheren Zwecken.

Am Erndtefeſt deſſelben Jahres, alſo ohngefähr J Jahr nach der Gründung des Vereins, ſangen ſeine Mit glieder ſchon beſondere Lieder bei dem Gottesdienſte, und am 21. Febr. 1836 vereinigten ſie ſich, indem zugleich eine An zahl junger Damen ſich anſchloſſen, durch beſondere Geſänge

an der Todesfeier der höchſtſeligen Großherzogin Wilhel mine Louiſe innigſt Theil nehmend.

Ehe indeſſen das erſte Jahr noch abgelaufen war, entſtanden unter den Mitgliedern verſchiedene Mißverhäͤlt niſſe, die jedoch bald und glücklich beſeitigt wurden. Am Jahrestage 1836 war die Zahl der Sänger auf 38 ſchon geſtiegen.

Bis zum Jahre 1837 hatten die Herrn Lehrer Fritſch und Markel den Geſangunterricht geleitet, von da an über nahm ihn der damalige Rektor am hieſigen Schullehrer Seminar Herr Müller(jetzt Pfarrer in Staden). Die Zahl der Sänger ſtieg bis zum Jahrestag 1837 auf 47.

Im März 1838 erklärte der Verein ſich zur Annahme von außerordentlichen Mitgliedern bereit. Auch wurde feſt geſetzt, daß ſämmtliche hieſige Lehrer und Candidaten der Theologie, welche den Verein in ſeinem Streben zu unterſtützen geſonnen wären, als Ehrenmitglieder aufzu nehmen ſeyen, welche Beſtimmung in der Folge manche ſchöne Früchte trug.

Am Jahrestag 1838 zählte der Verein 65 Mitglie der, nämlich 41 wirkliche und 24 außerordentliche.

Im Frühjahre 1839 übernahm Herr Lehrer Süß den Geſangunterricht allein, nachdem er ſchon längere Zeit ihn unter Leitung des Herrn Rektors Müller beſorgt hatte.

Den 21. Juli deſſelben Jahres fand das erſte Wet terauer Sängerfeſt in Laubach ſtatt, wozu unſere Sänger freundlichſt eingeladen worden waren. Sie hatten kurz vor her eine Fahne mit dem ſinnvollen Wahlſpruch anfertigen laſſen:Eintracht und Beharrlichkeit führt zum Ziel und wirkten unter ihrem Banner in Laubach recht zahlreich und kräftig mit. Der Verein hatte nicht allein au Feſtigkeit, ſondern auch an Kunſtfertigkeit zugenommen und wurde zu den beſſeren der in Laubach anweſenden Vereinen gezählt. Dieſes Feſt bleibt für unſere Sänger ſtets eine der freudigſten Erinnerung.

Am Jahrestag 1839 zahlte der Verein 89 Mitglie der, nämlich 49 wirkliche und 40 außerordentliche.