ntelligenz-Olatt
für die * Provinz Oberheſſen g l im Allgemeinen, f 9 die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen — und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Mittwoch, den 2. Juli
K Ein neues Halbjahr⸗ Abonnement a
11 f auf das wöchentlich zweimal erſcheinende„Intelligenzblatt für die Provinz Oberheſſen“ beginnt am 1. Juli. Geneigte Beſtellungen wolle man recht bald entweder bei dem Unterzeichneten, oder bei den den verehrlichen Abonnenten zunächſt gelegenen löblichen Poſtämtern einreichen.— 13.50 Abonnementspreis: das Halbfahr 40 kr., durch die Poſt bezogen 48 kr.— Inſeratgebühren: die beiden erſten Zeilen zuſammmen 7 kr.; die — dritte und jede folgende Zeile 2 kr.— Aufnahme der Inſeraten: alle bis zum Sonntag Abend eingehenden Inſerate kommen in das 3 Mittwochs⸗Blatt, und alle, welche bis zum Mittwoch Abend eintreffen, in das Samſtags-Blatt. Carl Bindernagel.
Spielgeſchichten. (Aus Nr. 10 der»„deutſchen Eiſenbahn.“)
f. Homburg vor der Höhe, das den traurigen Ruhm hat, die berüchtigſte Hexenküche des Hazardſpiels zu ſein, wo die franzöſiſchen Blanc frères die güldenen Braten⸗
12 wender drehen, hat ſich auf den Untergang, den das Spiel P. 1 dorten Tauſenden ſchon bereitet, ſeinen pilzartigen Aufgang 165 an äußerem Glanz und räumlicher Größe begründet. We—
nige Stunden von Frankfurt a. M. gelegen, ſtrömen die—
f. ſem Badeorte tagtäglich Tauſende zu, nicht etwa um an den Heilquellen zu geſunden, nein, blos um ihrem Glücke, ——— wie man zu ſagen pflegt, einen Finger, eine Hand zu bie— 5 ten, ſtatt deſſen aber moraliſch erkrankt zurückzukehren. Be— 16— ſonnene und charakterfeſte Leute, ihnen ſei unverwehrt von f dem eigenthümlichen Reiz zu koſten, den das Zufallsſpiel * gewährt, aber die Leidenſchaftlichen, die Unerfahrenen, die 5 Jungen, und dieſe bilden doch die überaus größte Mehrheit, 5 trunken, wie Fliegen, fallen ſie in die Netze, die ihnen das — 7 Trugbild der Einbildung als den hoffnungsreichen Anker 1 eines eitlen Begehrens ausgemalt.— Ein Reiſender, der 30 jüngſt daher zurückkehrte, der ſelbſt am Spiel Theil nahm, 181 um als ruhiger Beobachter das Thun und Treiben zu ver— ö folgen, ſchildert uns mit ergreifenden Worten, den morali— 15— ſchen Jammer, der endlos erzeugt wird, der zwar dem äuße— Fricdherg ren Auge nur zu oft verborgen bleibt, ſein Gift aber tief und zerrüttend abſetzt in tauſend Verhältniſſen des Lebens 1 und der Familien. Neben dem Taumel der Luſt und Freude n gähne der Schlund der Vernichtung! Wäre das Letzte nicht, dann, ja dann wäre in Homburg Gutſein; aber der ver— dammungswürdige Zweck könne die angenehmen Mittel
nimmer verſöhnen; ihm ſei das Leben und Weben dort vor— gekommen, wie ein blumiger Teppich, der ein Meer von Elend, der ein Beinhaus moraliſcher Leichen verdecke, wobei die Blanc's mit ihren Manſchettengeiſtern, mit ihren Ka⸗ roſſen, die unaufhörlich zwiſchen Frankfurt und Homburg hin und her jagen; mit ihren Konzerten, Muſeen, Jagden als Leichenbitter und Todtengräber zugleich erſcheinen.— Für heute wollen wir uns damit begnügen als Belegſtellen für das vorſtehend Geſagte zwei Fälle wiederzuerzählen, die ganz neuerdings vorgekommen ſind.
I. Der Markthelfer eines Frankfurter Handlungs- hauſes hatte von glücklichen Kameraden ſoviel von der Hom— burger Spielherrlichkeit gehört, daß er ſich bewogen fand, eine freie Nacht, d. h. nach Homburg zu machen. In zwei rheiniſchen Gulden beſtand ſeine Baarſchaft. Damit poin— tirte er denn ſo glücklich, daß er 19 Fl. gewann. Mit die⸗ ſer Errungenſchaft kehrte er des andern Morgens heim. In einer Nacht hatte er gewonnen, was er ſonſt in drei arbeits— vollen Wochen zu verdienen kaum Gelegenheit fand. Seine Fantaſie erhitzte ſich bei den Gedanken, daß er ſo wohlfeilen Kaufs über Nacht ein reicher Mann werden könne, wenn anders er nur einmal im Stande, ſeinem Glücke mit grö— ßeren Hülfsmitteln nachzugehen. Da ereignete es ſich, daß er eines Tags einen Wechſel von 300 Fl. einzukaſſiren in Auftrag bekam. Er vollzog denſelben, aber damit zugleich erwachte in ihm ſtärker denn je die laͤngſt gehegte Begierde. Jetzt oder nie, ſo dachte er bei ſich; bis das Jetzt end— lich den Ausſchlag gab. Flugs eilte er zu Wagen nach Hom— burg und— ſpielte, ſpielte bis er die 300 Fl. verſpielt hatte. Verzweifelnd ſtand er daz als Betrüger mußte er ſich ſagen,
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