Ausgabe 
1.11.1845
 
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Ulrichſtein aus juͤngeren Zeiten wegen ihres wohl zu großen Umfangs zurück zu weiſen)

Aber auch dem Herrn Verfaſſer der Entgegnung in Nr. 80 gebührt in dieſem Beſtreben Dank, beſonders wenn er das Richtige getroffen und nicht Vermuthungen auf Ver⸗ muthungen gehäuft hat. Derſelbe hat ſich nemlich an die Seiten der Mittheilung in Nr. 71 gehalten, welche als noch nicht aufgeklärt, mithin dorten als Vermuthungen hingeſtellt worden ſind und muß er dies thun, nach der Tendenz, die er zu haben erklärt.

Ohne gerade wiſſenſchaftlicher Sprachforſcher zu ſein, will ich nur in Bezug auf die Entgegnung in Nr. 80 er⸗ innern, daß der berühmte Heyſe den Namen Ulrich Ulrike durch Allreich die Allreiche, die griechiſche Pan dora erklärt und daß dieſe Erklärung den Verfaſſer von Nr. 71 wohl veranlaßt hat, die dort aufgeworfene Frage zu ſtellen. Ferner bemerke ich, daß es am Burgberge Ulrich ſtein keine, von dem Herrn Verfaſſer in deſſen Entgegnung Nr. 80, beſchriebenen giftigen Molche gibt, wenigſtens nicht vorzugsweiſe, daß der Berg davon ſeinen Namen er halten haben kann. Auch werden dieſe Thiere nur in Nie derungen an ſonnigen Hügelabhängen gefunden. Die Er klärung von molesstein durch Molchſtein oder Molchsfelſen iſt darum nicht richtig. Es ſcheint mir vielmehr, als be ſtätige die von Herrn Landau, in deſſen 4. Bande der Heſſiſchen Ritterburgen pag. 111 aufgenommene Nach⸗ richt von dem Coloniſten Grafen Ulrich, durch welchen der fragl. Berg den Namen molesstein erhalten haben ſoll, die in Nr. 71 zur Erklärung von molesstein gegebene Vermuthung und zwar auf folgende Weiſe: Der Graf wollte den Vorwurf ſeiner Mutter, welcher in deren Aus ruf liegto Ulrich! was Steine! beſeitigen und ſeine Wahl zum Anbau an dieſer Stelle rechtfertigen, weßhalb er ihr antwortete:Mutter, mollisstein, d. h.Mildenſtein /, um damit zu ſagen, ich habe doch hier Waſſer, welches ich auf vielen andern Bergen, auf welchen ich hätte anbauen kön

nen, nicht gefunden: denn was iſt bei einem Anbau, zumal damals auf den Höhen wichtiger, als Waſſer zu haben? Oder man konnte auch annehmen, der Sohn

) Unſer Blatt will zwar durch Mittheilung hiſtoriſcher Nachrichten über einzelne Gegenden und Orte des Vaterlandes gerne ſeine Gemeinnützigkeit erhöhen, dennoch aber müſſen wir bei der in Nr. 80. d. Bl. gegebenen Erklärung aus dem dort angeführten Grunde ſtehen bleiben. Die Redaction.

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habe den Ausruf ſeiner Mutter, durch welchen ſie ihn hatte abhalten wollen, an dieſen Ort zu bauen,o Ulrich! was Steine! beſtätigen und ſagen wollen, ja Mutter(moles- steine) das heißt, Maſſen Steine! wenn wirklich an dem Schloßberge die Steine ſo außerordentlich maſſenreich wären, was gegen andere nahegelegene Berge eben nicht der Fall iſt. Doch ſcheint mir die erſtere Anſicht die richtigere, wenn man dieſe Erzählung von einem Coloniſten, Grafen Ulrich, und ſeiner Mutter, gelten laſſen will. Die Erklärung in Nr. 71 hat dagegen meinen ganzen Beifall, daß nemlich mollisstein der frühere und urſprüngliche Name des Bergs geweſen ſei, welchen der Graf in den Jahren 1270 zur Empfehlung, respective Rechtfertigung, ſeines Unterneh mens gebraucht hat und beſſer brauchen konnte, als eine Empfehlung des Orts von giftigen Molchen hergenommen. Dies ſcheint mir um ſo mehr der Hergang, als das Wort Moll in unſerer Volksſprache eingebürgert iſt, um den Waſſerreichthum des Geländes zu bezeichnen. Z. B. man hört oft von einem naſſen Acker ſagen, er iſt ein moller Acker, der Acker hat Mollung, es befindet ſich ein moller Platz in einer Wieſe u. ſ. w. Jedoch wage ich nicht zu ent ſcheiden, weil die lateiniſch-deutſche Zuſammenſetzung oder Abſtammung beanſtandet wird, welche ich jedoch für jene Zeit keineswegs für unmöglich, ſondern ſogar, nach vielen Analogien, für wahrſcheinlich halte. Römheld.

Localſection des Gr. Heſſ. Gewerbvereins im Kreiſe Friedberg. Wieder⸗Eröffnung der monatlichen Sitzungen Dienſtag den 4. November, Abends 8 Uhr, in dem gewöhnlichen Locale. Vorlage der Kupſer- und Stahlſtiche zu den zwei letzten Heften von Rombergs Bauzeitung. Nachricht uber die Reſultate des Herrn Höres zu Oſſenheim mit der Hen ſchelſchen Ziegelpreſſe. Vorträge über die Einrichtung von hölzernen Getraidemaaßen Bronciren von Holz und Metall Poliren von Eiſen und Stahl Stopfen aus Baumwolle und Gummi- elaſticum die Leiſtungen der Repſoldiſchen Feuerſpritze luftdichten Oefenverſchluß künſtliche lithographiſche Steine. Soldan.

n

In dem Inſerat des Herrn Bötticher, Nr.(1803) der Nr. 84 des Intelligenzblattes ſteht irrthümlich der Bei trag auf 1 fl. Verſicherungscapital des Rindviehes ſei auf 2 Kreuzer gekommen, es ſoll aber 2 Heller heißen.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

C ιενν

pflaſterarbeit in der Stadt Gießen. (1517) Montag den 3. November, Mor⸗ gens 10 Uhr, ſollen auf hieſigem Rathhauſe das Brechen und Zubereiten von 50 60 Cbkklftr. Pflaſterſteinen aus den Steinbrüchen am Haſenkopf, Steineitche und bei Staufen⸗ berg an die Wenigſtfordernden verſteigert werden. Gießen am 23. Oct 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Reiber.

Bekanntmachung.

(1526) Donnerſtag den 13. November d. J., Vormittags 10 Uhr, ſoll das dahier an der Hauptſtraße im Mittelpunkt des Orts ſtehende alte Schulhaus, welches aus einem zweiſtöcki gen Wohnhauſe, Scheuer und Stallung be ſteht und ſich zur Anlegung einer Gaſtwirth ſchaft ſehr gut eignet, unter annehmbaren

Bedingungen öffentlich verſteigert werde n.

Kleinkarben, am 18. Oktober 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter

Stork.

Bekanntmachung.

(1527) Wir veröffentlichen hiermit, daß wegen Herſtellung der, von Großkarben nach

Kloppenheim, über die Nidda führenden Brücke nächſten Montag abgebrochen und ungefähr 14 Tage lang nicht befahren werden kann. Groß⸗ und Kleinkarben, am 28. Oktober 1845. Die Grßh. Heſſ. Buͤrgermeiſter 3 6 ll. Storck.

Bekanntmachung.

(1828) Der Jacob Sauter, Ortsbürger zu Rödelheim, iſt durch Beſchluß Großh. Heſſ. Hofgerichts der Provinz Oberheſſen vom 13. September d. J. unter Curatel geſtellt wor den. Es wir) dieß mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß alle Rechtsgeſchäfte, welche der ſelbe ohne Zuſtimmung ſeines Curators, des