Ausgabe 
1.10.1845
 
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ſind. Dies letzte,/ Stunden von der Staffel, wie von Maria zum Schnee entfernt, liegt auf der ſüdweſtlichen Schulter des Berges und iſt ebenfalls mit Gäſten angefüllt, Die Eigenthümer aller dieſer Gaſthäuſer ſind ſehr wohlha bende Leute geworden, obgleich der Hauptzufluß von Frem⸗ den nur zwei Monate dauert, nämlich Juli und Auguſt, während im Juni und September nur eine mittelmäßige Frequenz angenommen werden kann, und im Mai, wo noch Schnee liegt, wie im Oktober, wo wieder neuer Schnee fällt, nur die Umwohner, theils zu frommen Zwecken, theils ihrer Geſchäfte wegen, den Rigi erſteigen.

Sollte nun, was bei dem Rigi ſich verwirklicht hat, nicht auch bei dem Feldberge in Erfüllung gehen? Sein leicht zugänglicher Gipfel, zu dem man mit jedem Fuhrwerk gelangen kann, und der nur einige Stunden von Frankfurt, Homburg, Wiesbaden und Mainz entfernt iſt, den man ohne Mühe in einem Tage ſelbſt aus entfernteren Städten, wie Mannheim, Heidelberg, Worms, Darmſtadt, Aſchaffenburg, Hanau, Gießen, Wetzlar, Limburg ꝛc. erreichen kann, würde, wenn ein Gaſthaus auf ihm ſtände, gewiß zehnmal ſtärker beſucht werden als bisher. Denn nicht allein das bloße Vergnügen einer Land⸗ und Bergpartie, verbunden mit einer weithinreichenden, manigfaltigen Ausſicht, und dem Vergnü⸗ gen einer größeren Vereinzelung, als das Werktagsleben der Städte und Dörfer zuläßt, verbunden auch anderſeit, je nach dem vorwaltenden Geſchmack, mit den Genüſſen der Muſik, des Tanzes, des Turnens, und endlich eines kräftigen Appetits, werden zahlreiche Beſucher nach dem Feldberg fuͤhren, auch die vorrömiſchen und römiſchen Ueberreſte von zwei ſich faſt berührenden, doch ſehr verſchiedenen Wehrlinien und Grenzfeſtungen, würden den wiſſenſchaftlich Gebildeten nach dem Feldbergs⸗Gaſthauſe führen, und ihn zu längerem Aufenthalte in demſelben vermögen.

Träfe ein umſichtiger Wirth die Veranſtaltung, daß in ſeinem Gaſthauſe auch eine Molken⸗ oder Mineralwaſſerkur gebraucht werden könnte, ſo durfte er, wenigſtens für die Dauer des Sommers, auf ſtändige Gäſte ſich Rechnung machen. Wie leicht würde es ihm ſein, ſtets friſches Mineralwaſſer von Homburg, Kronthal, Soden, Weilbach, Nauheim, Großkarben und Selters vorräthig zu haben. Ein Viehſtand von 6 oder 8 Kühen und einigen Ziegen würde ihm die Mittel gewähren, immer ſüße und ſaure Milch, Butter, Käſe und Molken in Ueberfluß zu haben. Die warmen Ställe könnten nebenbei zu Kuren eingerichtet werden, wie es auf dem Weißenſtein bei Solothurn, auf dem Gübris bei Gais und an mehreren anderen Orten der Fall iſt. Geſellte ſich zu dem Allen eine freundliche, ſchnelle und möglichſt billige Bedienung, faͤnde man hier ein gutes Glas Trauben⸗ und Apfelwein, vielleicht auch Bier, nebſt guten, einfachen und nahrhaften Speiſen, reinlichen Zimmern und guten Betten, ſo wurde der Feldberg nicht allein an Sonn⸗ und Feiertagen, ſondern von den hoheren Ständen auch während der Woche häufig beſucht werden und ofi mehrtägige, ja ſelbſt mehrwöchentliche Gäſte haben.

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Grünberg am 11. September 1845.

In unſerer Stadt hat ſich ein Leſeverein gebildet, der bereits gegen 80 Mitglieder zählt. Geſtern Abend wurde eine berathende Verſammlung abgehalten, wobei man die Grundſätze feſtſtellte, nach welchen die Anſtalt geleitet werden ſoll und zugleich über die Statuten ſich berieth, welche ſpäter in dieſem Blatte abgedruckt werden ſollen.

Dem Verein ſind von verſchiedenen Seiten bereits werthvolle Geſchenke zugekommen, ſo daß eine kleine Biblio⸗ thek als feſt begründet anzuſehen iſt. Es ergeht aber zu⸗ gleich an die Freunde ſolcher Anſtalten die herzliche Bitte, das Unternehmen mit Rath und That zu unterſtützen. Einen Katalog der vorhandenen Bücher ſchon jetzt drucken zu laſſen, erſcheint nicht paſſend, da ſpäter beſtändige Nachträge nöthig werden würden, darum führe ich an, daß der Verein außer vielen kleineren Schriften beſitzt: das Brockhauſiſche Converſ. Lexic., Schillers ſämmtl. Werke, Zſchokkes Novel⸗ len, Hauffs ſämmtl. Werke, Niemeyers Helden⸗ buch, Geſchichte des dreißigjährigen Kriegs, Stunden der Andacht u. a. m. F.

Kirchenbuchs⸗Auszug vom Auguſt 1845. Grünberg.

Getraute: Keine.

Get aufte:

3. Dem Burger und Chirurg Adolph Fritſchler eine Toch⸗ ter, Maria Suſanna, geb. den 16. Juli.

17. Dem Bürger und Schreinermeiſter Joh. Georg Spa⸗ mer eine Tochter, Henriette, geb. den 4. Auguſt.

17. Dem Buͤrger und Kammmachermeiſter Karl Büttel eine Tochter, Sophie Johannette, geb. den 5. Auguſt.

24. Dem Bürger und Maurermeiſter Georg Kaspar Buͤgel meier eine Tochter, Eliſabetha, geb. den 4. Auguſt.

31. Dem Bürger und Schuhmachermeiſter Johannes Doͤll eine Tochter, Eliſabetha, geb. den 21. Auguſt.

Beerdigte:

2. Maria Eliſabetha Schäfer, des weiland Valentin Schaͤ fer, Bürgers und Schäfers dahier, eheliche ledige Toch ter, alt 30 Jahre, 5 Monate und 21 Tage, t den 30. Juli.

2. Maria Katharina Heßler, des weiland Johannes Heß ler, Bürgers und Hofgutbeſtänders dahier, hinterlaſſene Wittwe, alt 72 Jahre, 4 Monate und 10 Tage, 7 den 31. Juli.

21. Maria Katharina Daubert, des Jeremias Daubert, Burgers und Schuhmachermeiſters dahier, Ehefrau, alt 74 Jahre, 4 Monate, und 21 Tage, f den 18. Auguſt.