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gegeben. Freilich nicht Jeder erlag ihrer zerſtörenden Wuth; Mancher trug nur einen ſiechen Körper davon. Aber oft— mals war ſeine Familie unglücklicher, als wenn er im Sarge gelegen hätte. Er wurde zänkiſch und ſtreitſüchtig; er erhub vielleicht ſeine Hand gegen ſeine Hausgenoſſen; Frau und Kinder wünſchten oft in der Stille ſeinen Tod herbei. In ſeinem Wahnſinne und ſeiner oft wiederkehrenden Bewußtloſigkeit verzehrte er ſein Gut mit Praſſen; zur Ar— beit war er wenig aufgelegt; auch wollte ihm nicht Jeder— mann Arbeit vertrauen, weil er oft nicht wußte, was er that. Er war wie von Teufel beſeſſen, denn die böſe Luſt erwachte immer aufs Neue in ihm; er fiel aus einer Sünde in die andre, ſo daß er zuletzt Ehre und Anſehen verlor. So ging es bei Vielen, bis auch ihre Körperkraft vernichtet wurde; oder bis ſie in einem Fieberanfall eine Treppe hin⸗ unterſtürzten, vielleicht auch auf andre Weiſe gewaltſam ihr Leben verloren, wenigſtens verſtümmelt wurden; oder bis man ihnen einen Aufenthalt im Zucht⸗ oder Narrenhauſe anweiſen mußte. Weit verbreitet war dieſes Uebel. Faſt keine Stadt und kein Dorf wurde gefunden, wo es nicht herrſchte und Viele ergriffen hatte.
Wollt ihr den Namen wiſſen? Es war die Cholera nicht; ſchrecklicher noch hat dieſe Krankheit gewüthet. Es war eine Peſt, aber furchtbarer als die, welche in der Türkei oft Tauſende in einem Jahre ums Leben bringt. Branntweinpeſt wird ſie geheißen; 300,000 Säufer waren in den vereinigten Staaten von Nordamerika 30,000 ſollen jährlich als Opfer des Trunkes gefallen ſein. Nach angeſtellten Berechnungen mußten ½ der Armen der Trunkſucht ihr Elend zuſchreiben. Viele von denen, die in Irrenanſtalten ſich fanden, hatten ihren Verſtand durch den Branntwein verloren. Viele waren Diebe und Mörder ge⸗ worden und dadurch ins Gefängniß gekommen, weil der Fuſelgeiſt ihr Gewiſſen betäubt hatte. Großes Aufſehen erregte die Geſchichte eines Mannes, Namens Johnſon, der in New⸗Nork als Mörder hingerichtet wurde. Er wollte Frau und Kinder tödten. Die Stunde zur Ausführung war feſtgeſetzt. Als dieſe herbeikam und er ſchon die geladenen Piſtolen ergriffen hatte, verließ ihn der Muth, und das Mordgewehr entſank ſeinen Händen. Er verſchlang ein Glas Branntwein; aber dieſes belebte ihn noch nicht. Er trank ein zweites; noch ſchwankte er. Er ſtürzte ein drittes hinunter, nun fühlte er ein tobendes Feuer in ſich, das ihn zur raſchen That trieb, welche er ohne Zittern vollbrachte. Die Richter, die Aufſeher in Gefängniſſen machten die Be— merkung, daß die Mehrzahl der Verbrecher dem Trunke ergeben war. Oeffentliche Nachrichten beſtätigten es, daß ſchauderhafte Unglücksfälle durch Betrunkene veranlaßt wur⸗ den. Der jährliche Betrag, welcher für dieſes Gift veraus⸗ gabt wurde, betrug gegen 120 Millionen Gulden.
Solche Wahrnehmungen gingen denn vielen Menſchen⸗ freunden ans Herz. Das Laſter wurde in Büchern und Zeitungen getadelt. Aerzte und Gerichtsperſonen ſchrieben und ſprachen gegen daſſelbe. Die Geiſtlichen griffen es in Predigten an. Doch die Landplage wollte nicht ver— ſchwinden. Da bildeten ſich Geſellſchaften, um dem fürchter⸗
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lichen Feinde entgegen zu wirken. Aber auch diefe fruchteten wenig, indem ſie die Sache noch nicht auf die rechte Weiſe anzufangen wußten. Mehrere Unglücksfälle in der Nähe von Boſten brachten die Sache aufs Neue zur Sprache. Ein⸗ ſichtsvolle Maͤnner ermahnten, gar keinen Branntwein mehr zu trinken. Anfangs konnte man in ſolche Lehre ſich nicht finden; ſie wurde als Uebertreibung verſchrieen. Doch Viele machten den Verſuch und fanden ſich wohl dabei. Im Jahre 1826 vereinigten ſich zu Boſten hochher— zige Menſchenfreunde, welche des Gelübde ablegten, den gebrannten Getränken gänzlich zu entſagen. Von vielen Seiten wurde das Nützliche dieſes Entſchluſſes erkannt; deßwegen folgten dieſem erſten Mäßigkeits⸗ oder Entſagungs— vereine in raſcher Eile andere nach. Bis zum Jahre 1829 war die Zahl bis auf 1000 geſtiegen, welche 100,000 Mit⸗ glieder zählten. 50 Brennereien hatten ihre Arbeit einge⸗— ſtellt; 400 Kaufleute den Handel mit Branntwein aufgege⸗ ben, und mehr als 1200 Säufer dem Lieblingsgetränke entſagt. Auf dieſe Weiſe machte man die Erfahrung, daß der Branntwein etwas Ueberflüſſiges wäre. Große Guter wurden ohne denſelben und beſſer als früher bewirthſchaftet. Die Arbeiter berauſchten ſich nicht mehr und waren fleißiger als früher, da ſie eine Eutſchädigung an Geld für den Branntwein bekamen. Anſehnliche Bauten wurden aufgeführt ohne daß das Gläschen die Runde machte, ja Schiffe gingen in kalte und heiße Gegenden, ohne daß die Mann— ſchaft auch nur einen Tropfen des berauſchenden Getränkes erhielten. Zahlreiche Beiſpiele beſtätigten es, daß Niemand mit mehr Ausdauer und Heiterkeit Wind und Wetter zu ertragen, die Stürme rauher, ſowie die Hitze heißer Länder auszuhalten und den Wechſel der Jahreszeiten zu beſtehen vermöge, als der, welcher ſich gänzlich des Branntweins enthielt. Auch dei der Armee wurde der Gebrauch deſſelben abgeſchafft; die Folge hiervon war nur die, daß die Strafen ſeltener wurden. Dieſelbe Bemerkung wurde auf den Kriegs⸗ ſchiffen gemacht. Es ging uberall ohne den Fuſelgeiſt beſſer und ordentlicher her, als da, wo derſelbe ſein verderbliches Weſen trieb. Die Handelsſchiffe, welche ihn nicht mit an Bord nahmen, brauchten bei den Aſſecuranzgeſellſchaften eine gringere Prämie zu bezahlen. Mag es uns wundern, daß die Mäßigkeitsgeſellſchaften mit unglaubli her Schnelligkeit ſich verbreiteten und große Dinge ausrichteten? Es gab
auffallende Beiſpiele von Solchen, die ihren Vortheil nicht achteten, um dem Braantweingenuſſe entgegen zu wirken.
Ein Kaufmann ſchüttete den vorräthigen Branntwein weg,
weil er nicht mit einem ſo ſchädlichen Getränke handeln
wollte. Ein Müller weigerte ſich, fur Brennereien Getraide
zu mahlen. Andere freilich dachten nicht ebenſo uneigen⸗
nützig. So beſchwerte ſich einſt ein Schenkwirth über die
Maäſſigkeitsvereine. Früher habe er den Samſtag, wenn
die Arbeiter ihren Lohn erhalten hatten, oft 100 Dollar
eingenommen, jetzt gewöhnlich kaum 10. Dank den Men⸗
ſchenfreunden, welche hierzu Veranlaſſung gaben. Wie groß
und umfaſſend überhaupt die Wirkungen der Mäßigkeits⸗
vereine waren, geht aus folgenden Thatſachen hervor. Bis
1835 exiſtirten 8000 Vereine mit 2 Millionen Mitglieder.
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