Intelligenz Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
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die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Februar
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Hungen an ſaͤmmtliche Gr. Heſſ. Fuͤrſtl. und Graͤfl. Solmſ. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.
Sie werden zur öffentlichen Kenntniß bringen, daß die Bezirksliſte der diesjährigen Militair-Dienſtpflichtigen vom 21. Febr. bis 5. März d. J. auf meinem Bureau offen liegt.
Hungen den 17. Februar 1844.
Follenius.
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Bekanntlich war durch die andauernd trockene Witte— rung und den Mäuſefraß im Jahr 1842 bei den Armen vieler Gemeinden der Wetterau u. ſ. w. im Winter und Frühjahr 1843 ein ſolcher Mangel eingetreten, daß zu deſſen Abhülfe öffentliche Einrichtungen, auch zur Anſchaffung von Säefrüchten u. ſ. f. getroffen wurden, während ſich damals die Bewohner des Vogelsberg, beſonders an den Höhen, welche ihnen öftere Regen, und die gewöhnlichen Nebel brachten, einer ſehr ergiebigen und ungeſtorten Erndte zu erfreuen hatten.
Durch das ſpäte und ungünſtige Frühjahr 1843, wo— durch die Ausſtalt auf den Höhen nicht zeitig geſchehen konnte, ſowie durch die andauernde Näſſe des drei und vier— ziger Jahres und die dadurch herbeigeführte zu ſpäte Ent— wicklung der Gewächſe, iſt nun in vielen Gemeinden des hohen Vogelsbergs, welchen es im Uebrigen an manchen Hülfsquellen und, ſeit den Kriegszeiten, an allem Wohlſtande fehlt, die Erndte an Nahrungsmitteln, theils ganz mißrathen, theils aber auch wieder gänzlich auf dem Felde zerſtört wor— den, weßhalb großer Mangel daſelbſt ſchon jetzt vorhanden iſt und auch hier, durch öffentliche Einrichtungen dem her einbrechenden Elende vorgebeugt und abgeholfen werden muß
Es fragt ſich nun: auf welche Weiſe die Hülfsanſtalten in 1843 in jenen Gemeinden errichtet wurden, und welche Ein⸗ richtungen ſich dabei am beſten bewährt haben?
Man richtet daher an die edlen Menſchenfreunde die Blatte die Antwort auf folgende zu wollen, da die Sache einer unſern Zeiten wohl werth erſchei—
ergebene Bitte, in dieſem
Fragen baldigſt mittheilen
genaueren Beſprechung zu
nen kann:
1) Wie ſind die Mittel auf dem flachen Lande, wo ohne⸗ hin Armuth iſt, zu einer nothwendig zu errichtenden Armen⸗Unterſtützungs-Anſtalt am beſten herbei zu ſchaf⸗ fen? durch Umlage? und durch welche Art der Um⸗ lage? oder durch Collecten bei den noch einigermaßen Bemittelten?
2) Welche Art der Unterſtützung bewährte ſich am beſten, um die ſorgende Lokalbehoͤrde vor dem unverdienten Vorwurfe der Parteilichkeit ꝛc. bei der Austheilung, und die Armen vor Leichtſinn, Trägheit u. ſ. w. zu verwahren?— hat die Unterſtützung durch Geſchenke in baarem Geld oder in Nahrungsmitteln, oder da— durch am beſten zu geſchehen, daß den Armen Verdienſt verſchafft wird? in welchem Fall wieder in Vetracht kommt:
3) Welche Beſchäftigung erſcheint als die paſſendſte für
den Winter und iſt am einträglichſten, desgleichen fuͤr
das Frühjahr? wie werden diejenigen Perſonen, welche ſolches Material verbringen, oder unterſchlagen, das ihnen von der Arbeitsanſtalt zu ihrem Verdienſte an— vertraut wurde, beſtraft? wodurch die Möglichkeit der
Aufrechthaltung einer ſolchen wohlthätigen Armen—
Unterſtützungs- Arbeits- Anſtalt, hauptſächlich
der Rohheit und Frevelhaftigkeit mancher Armen gegen—
uber, bedingt iſt. Hat ſich eine ſolche Anſtalt der kräftigſten Unterſtützung der Polizeibehörde ohne Wei— tres zu getroͤſten? oder kann ſie, als eine moraliſche
Perſon angeſehen, durch die richterliche Behörde in
ihrem Eigenthum und in ihrer wohlthätigen Exiſtenz


