Ausgabe 
19.6.1844
 
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lei zu wuͤnſchen übrig, aber wer mochte da von reden? wer hätte ſich dadurch die Freude wollen verderben laſſen? Eine ungetrübte Heiterkeit, bald hervorgerufen, bald unterhalten durch Trinkſprüche, die verſchiedene Gäſte ausbrachten, war auf eines jeden Geſichte zu leſen, und wich nicht eher, bis ſpät am Abend man das Lager ſuchte und dem Scherz und Ernſt gaukleriſch verbindenden Traumgott in die Arme ſank. Gewiß hat Keiner die alte, jetzt theilweiſe ſo ſchöne Muſen⸗ ſtadt verlaſſen, ohne für das Werk der Guſtav⸗Adolf⸗Stif⸗ tung ſich begeiſtert zu haben, ohne bei ſich ſelber die dort verlebten Tage zu den glücklichen zu rechnen.

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Ein probates Hausmittel.

Es iſt eigentlich ein Hochzeitsgeſchenk von dem alten Pfarrer Flattich im Württembergiſchen, von dem gar viel zu erzählen wäre. Als ſeine Gutsherrſchaft Hochzeit hatte, war der alte Pfarrer auch dazu gebeten. Da nun die Gäſte wohl geſchmauſet hatten, wurden nach Sitte des Landes, dem jungen Hochzeitpaare die Haus⸗ und Hoch⸗ zeitgeſchenke gebracht viel Silberzeug und andere köſt liche Waaren. Da das der alte Flattich ſah, ging er auch hin zu dem Hochzeitpaare und ſagte:Ich habe auch mit gegeſſen und getrunken; nun ziemte ſich's wohl, daß ich auch meiner lieben Gutsherrſchaft ein Hausgeſchenk brächte. Aber Geld, das wiſſen Sie, hat der alte Flattich nicht, (die Gutsherrſchaft wußte wohl, daß Alles, was der alte Flattich einnahm, den Armen und Kranken gehörte,) köſtliche Sachen auch nicht. Dennoch will ich Ihnen ein Hausge⸗ ſchenk geben, das, wenn Sie es wohl in Acht nehmen und halten, Ihnen von gutem Nutzen ſein wird. Sehen Sie, Sie haben ſich heute recht lieb und waren recht vergnügt mit einander. Sie wünſchen nun gewiß, daß das immer ſo bleiben möchte. Da merken Sie nun das: Jeder Menſch hat einmal ſeinen guten, gelegentlich auch einmal ſeinen garſtigen Tag. Kommt Ihnen nun einmal in der Ehe ein Tag, wo's mit der Liebe und mit dem Vergnügtſein mit einander nicht recht fort will, ſo denken Sie nur:Ent⸗ weder habe ich, oder hat meine Frau heute ihren garſtigen Tag; laßt's aber gehen, es wird ſchon auch wieder der gute Tag kommen.

Die junge Gutsherrſchaft lachte, aber ſiehe, auf dem Hausgeſchenk des ehrlichen guten Mannes ruhte ein eigener Segen. So oft dem jungen Ehepaar in ihrer Ehe, wie's nun eben zuweilen geht, eine verdrießliche Laune zuſtieß, fieng gewöhnlich das Eine an:Entweder habe ich oder haſt du heute deinen garſtigen Tag; laßt's man gehn, es wird ſchon auch wieder der gute Tag kommen% und Beide mußten lachen, und ſich Hand und Mund wieder freundlich reichen. Noch lange nachher, da der alte Flattich ſchon lange begraben und ihr eigenes Haar ſchon grau geworden war, dachten ſie dankbar an das liebe Hausgeſchenk, das ihre Ehe heiter und glücklich gemacht hatte.

Ein ſolches Geduldmittelchen, wenn nur dabei zu⸗ gleich das Eine, allgemein das Herz heilende und ſtärkende Hausmittel, die Liebe nicht fehlt, kann oft auch in den allerungleichſten und ſogenannt unglücklichſten Ehen von herrlichem Erfolg ſein, und ſie in gute, glückliche umwandeln.

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* Hiſtoriſche Kurioſität. Es iſt bekannt, daß Napoleon am 2. Dezember 1804 zum Kaiſer geſalbt wurde; imgleichen, daß er ſeinen vier Brüdern Joſeph(Spa⸗ nien), Hieronymus(Weſtphalen), Joachim(Neapel), Ludwig Golland) vier Königsthrone gab; nicht weniger, daß ſeine Macht 1813 am 18. October auf dem Schlacht⸗

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ch felde Leipzigs für immer gebrochen wurde. Wie nun da geumme 5

Geiſt mancher Menſchen ſich darin gefällt, das, was nach d Gottes unerforſchlichem Rathe geſchehen iſt, ſofort auch zu v berechnen, als ob es hätte geſchehen müſſen, möge nun billen

Gott gewollt haben oder nicht ohne Zweifel in der 25, Won 70

ſicht, um durch die Berechnung der Ereigniſſe der Vergangenheit 00 lr, sel, einen Schlüſſel zur Berechnung der Ereigniſſe der Zukunft unge berſene, den Stein der Weiſen zu finden ſo rechnete man auch Jun der neh damals aus beiden obigen Jahrszahlen heraus, daß im Jahn e 1813 die Herrſchaft Napoleons und ſeiner Brüder nothwen digerweiſe hätte ein Eude nehmen müſſen. Man ſagteſſſ doc m nemlich: zählt man die einzelnen Ziffern der Zahl 1804 hg, 1 zuſammen, alſo 184, ſo kommt 13 heraus, dieſelbe en velce Summe ergibt ſich, wenn man die Ziffern 18-16 e der Zahl 1813 addirt. Zieht man nun 13 von 13 ah Jemen Sar alſo 1313, ſo bleibt 0 oder, die Ziffern in Worten über 1 teig ſetzt: das Jahr 1813 abgewogen gegen das Jahr 1800, bleibt ſo viel als Nichts. Null oder Nichts heißt aber auf late, niſch nihil und in dem Worte ni hi! ſind die Anfangsbuch⸗ 0 ſtaben der obigen 5 Namen enthalten: Napoleon, Ioſeph, 9 Jebann Hieronymus, Ioachim, Ludwig. Folglich konnte Napoleons 11 geboren Herrſchaft länger als 1813 nicht währen. Wenn das die aten ven diet a. Leute vor 1813 gewußt und gehofft hätten, wie viel Kum, ien auen wan mer und Sorge wäre ihnen geſpart worden, und wenn es erte Wasen Alle gewußt und geglaubt hätten, als Napoleon von Elba done dt wieder zurückkam, dann wäre er ſicher wieder Kaiſer von 1117 tb oder Frankreich geworden, weil man ihn für bereits abgethen feier curttonſc, angeſehen und ſich gegen ihn nicht gewehrt hätte. Aehh⸗ ech 1107 liche Berechnungen ſind bekanntlich auch in neueſter Zeit Aae über die Hauptepochen der fränzöſiſchen Geſchichte, und hin 6 15 an bei übergreifend in das Reich der Zukunft, über das Fortbe ſtehen der Dynaſtie König Ludwig Philipp's angeſtellt wor la die ich vielleicht bei anderer Gelegenheit nachfolgen nt Lenmegen! f ſub Rechtens Grünberg am

Kirchenbuchs⸗Auszug vom Mai 1844.

Arbeits

Friedberg.(7700 Die bei ttleiterhauſes, ei

Getraute: ſunals erforderli⸗ Keine. ſralieferungen,

Getaufte:

12. Dem bieſigen Bürger und Schloſſermeiſter Geor i i 5 9 Conrad, geb. den 4. d. M. 0 4. Schehe inen Dem hier wohnenden Geometer Johannes Broſius(aus More nnr 16 ale 0 i geb den 12. April. e 1. Feldwebel Johann Jaco ier ei den 15 Sa r Dem hieſigen Bürger, Buchhändler und Buchdrucker Carl Chrifli 0 5 Bindernagel eine Tochter, Caroline Amalie, geb. den 25. Abel.. den un 19. Dem Gr. Heſſ. Hauptmann Georg Karl Friedrich Schäffer dabſt een eine Tochter, Marie Julie Urſula, geb. den 8. Mai. nend und 25

Maurerarbeit, 5. Sleinhauerarbeit deckellieſerung

Ammerorbeit

26. Dem hieſigen Bürger und Gärtner Heinrich Volp eine endung ron ſabetha, geb. den 14. Mai. 8 1 0 ae. ucheuen lede

26. Dem hieſigen Bürger und Kaminfegermeiſter Johannes Frick ein Sohn, an d.. 5 . an d. M., Ja.

15 Ven 1 geb. den 18 1 in aan 27. Dem hieſigen Bürger und Schneidermeiſter Otto Rudol A Rathhauſe w eine Tochter, Eliſabetha Barbara, geb. den 7. Mai. oh Walen

28. Dem Bürger zu Gieſſen, Poſamentier und Damaſtweber Gustav Ste untadt den! ein Sohn, Ludwig Chriſtian, geb. den 26. April. f 9 der Beerdigte: Tan

und Babiers Joh. Jacob Georg Vogt hinterlaſſene Witt lt d J aid zwischen Jahre, 7 Monate und 1 Tag. den 3. N. 1 In wa 1

6. Chriſtina Füller, geborne Gerſter, des hieſigen Bürgers und Zim

17. 9 Füller a alt 40 Jahre, F den 4. d. N. wenmdbang

17. Johann Jacob Kuh, Bürger und uhmachermeiſter dahier, alt un ö

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23. Magdalena Bauer, geborne Paſſet, des Gr. Lehrers an der hieſigge Muſterſchule Johann Jacob Bauer Ehefrau, alt 39 Jahre, 4 Men 4 und 8 Tage, 7 den 20, d. M. en ſablan mag und

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