Ausgabe 
19.6.1844
 
Einzelbild herunterladen

Intelligenz-ZOlatt

für die

Vutgkirz on damn Provinz Oberheſſen zeldeg. We im Allgemeinen, eur zertſch. e, Jahn die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Mittwoch, den 19. Juni

.* K 1 ö ee Verſchieden es. eu 9555 IE g Es iſt nicht vorauszuſetzen, daß alle Leſer d. Bl. en Boten der Guſtav⸗Adolf-Stiftung werden zu Geſichte

eekommen, um durch ihn Nachricht über den Verlauf der 5 u Gieſſen abgehaltenen 2. Jahresverſammlung des Froßh. Heſſ. Hauptvereins der Guſtav-AdolfStif ung zu erhalten, und doch läßt es ſich erwarten, daß gar Nancher ſolche Nachricht wünſcht. Einſender dieſes glaubt um im Intereſſe der Mehrzahl der Leſer zu handeln, du. Au venn er eine kurze Beſchreibung jener Verſammlung hier um. ve nter folgen läßt. . 5% eg, Schon am 10., noch mehr aber am 11. Juni hatte ſich eine e beraus große Anzahl geiſtlicher und weltlicher Beamten und Nitglieder des Vereins von Nahe und Ferne, aus dem Inlande nid Auslande in Gieſſen eingefunden und theils bei Freun⸗ en, theils in den Gaſthöfen ſich einquartirt. Man lernte ein 5 1 under kennen, man ergötzte ſich an der herrlichen Lage der Stadt, 55(ban machte da und dort einen Beſuch, man freute ſich im I Loraus auf das, was der 12. Juni bringen ſollte. An eſem Tage, Morgens um halb 8 Uhr, verſammelten ſich de Vorſtände der einzelnen Vereine des Landes in der nahe in der Kirche gelegenen Wohnung des Herrn Pfarrers Bon bird, von wo aus man unter dem Gelaͤute der Glocken ſich ü das Gotteshaus begab. Nie in ſeinem Leben hat Einſen⸗ 904 zr dieſes eine von unten bis oben ſo von Menſchen jeden Aters, Geſchlechtes und Standes angefüllte Kirche geſehen, - rie es die Gieſſener Stadtkirche am 12. Juni war. Da . ſhſt du die vornehme Dame neben der ſchlichten Bauers tau vom Lande, den armen Handwerker neben dem mit rden reich geſchmückten Herrn und den munter blickenden 1 Ltudenten neben dem vom Alter zu Boden gedrückten Greis. 10% Und dieſe ganze Verſammlung nun, ſchon ehrwürdig durch 18 b ire Größe, noch mehr aber um des Zweckes willen, warum F ſich vereinigt hatte, dieſe ganze Verſammlung eröffnete den 1 bottesdienſt mit Luthers herrlichem Lied: Ein' feſte Burg iſt nſer Gott. Dann verrichtete Herr Pfarrer Bonhard den 1 Lienſt am Altare, worauf der auf der Orgel aufgeſtellte Sän e Irchor unter Inſtrumentalbegleitung ein zur Feier des Tages I dichtetes Lied mit längſt anerkannter Meiſterſchaft abſang. 1 die Feſtpredigt hielt Herr Kirchenrath Dr. Engel über Pe 9 h. 13, 34 u. 35. und überzeugte gewiß jeden Unbefan⸗ , zmen, daß der ev. Verein der Guſtav-Adolf-Stif⸗ 1 ing ein chriſtlicher ſei, da er ja 1) in der Liebe ſei⸗ in Urſprung habe, 2) in Liebe wirke und 3) durch Liebe

* 8

2

9 tat L

fortbeſtehe. Nach der Predigt ſang abermals der Sänger chor und zwar das großartige Vater Unſer von J. André, worauf die Verſammlung mit dem Segen entlaſſen wurde. Man entfernte ſich auf kurze Zeit aus der Kirche, damit die nöthigen Vorbereitungen zur eigentlichen Verſammlung konnten getroffen werden, und kehrte um halb elf Uhr in dieſelbe zurück. Die Zahl der Anweſenden war nicht kleiner geworden, wie früher, denn, wenn auch manche Frauen ſich entfernt hatten, ſo waren dagegen manche Männer, namentlich Bauersleute, neu hinzugekommen. Herr Ober conſiſtorlalrath Ur. Ludwig von Darmſtadt, als Präſident des Heſſ. Hauptvereins eröffnete unter dem Mitpräſidium des Großh. Geh. Raths Freiherrn von Bibra von Rom rod und des Großh. Herrn Superintendenten Simon von Gieſſen die Verſammlung mit einer kurzen Rede. Dann verlas der Großh. Hofprediger, Herr Dr. Zimmermann von Darmſtadt den Bericht, welcher genau ſieben Viertel Stunden währte, keine Erſcheinung auf dem Gebiete des Vereins unberückſichtigt ließ und dem weniger Eingeweihten gewiß der Ueberraſchungen viele bereitete, wenn er z. B. ſagte, daß in Deutſchland jetzt ſchon 170 einzelne Vereine, in unſerm Heſſen aber 14 beſtehen, welche letztere im Jahre 1844 über 8000 fl. zu den Vereinszwecken beiſteuern werden, daß im Jahre 1843 ſchon 23 arme Gemeinden, in unſerm Lande 2 unterſtützt wurden u. ſ. w. Hiernächſt kamen nach dem Herr Prof. Dr. Schäfer von Marburg den Gruß der Kurheſſen gebracht hatte, 15 verſchiedene Punkte zur Berathung, die zwar faſt alle von Wichtigkeit waren, die ich aber doch nicht der Reihe nach hier anführen mag, um meinen Bericht nicht allzuſehr zu verlängern. Nur das Eine bemerke ich, daß die Jahresverſammlung für 1845 zu Erbach im Odenwalde gehalten wird, woſelbſt Se. Er laucht der Herr Graf von Erbach den Ritterſaal für die Verhandlungen zu überlaſſen gnädig verſprochen haben. Um drei Uhr war man mit den Berathungen zu Ende gekom⸗ men und die ganze Feier in der Kirche wurde mit einem von Herrn Superintendenten Simon geſprochenen Gebete beendigt. Nunmehr forderte auch der Leib gebieteriſch ſein Bedürfniß und was die Räume in dem Buſch'ſchen Garten, wo das eigentliche Feſteſſen ſtattfand, nicht faſſen konnte, das vertheilte ſich in den Gaſthäuſern der Stadt, die bis zum Erſticken voll waren. Wie es bei ſolchen Ge legenheiten in der Regel geſchieht, ſo ließ die Bedienung u.

w. in den Gaſthöfen ſowohl, wie in dem Buſch'ſchen Garten, wo über 400 Perſonen zu Mittag aßen, Mancher⸗