N
Und dann hab' ich ein Geſchaͤft, das erinnert mich alle Woche einige Mal daran, Gott zu danken und mit Dem, was er mir zugetheilt hat, zufrieden zu ſein. In den 20 Jahren, während ich Todtengräber bin, habe ich jedes Jahr durchſchnittlich jährlich etwa zweihundert Todte zur Erde beſtattet; das machen zuſammen etwa 4000. Jedes Mal aber mußte ich Gott dafür danken, daß er mich am Leben ließ und mir dabei auch noch Geſundheit verlieh. Ich hab' zwar ein gar kleines Häuschen zur Wohnung, denn es enthält nur ein Stübchen, ein Kämmer⸗ chen und eine ſchmale und enge Küche, und dabei befindet ſich auch noch ein Gärtchen, wo ich mir für das Jahr hindurch mein Gemüſe pflanze und ziehe. Wenn ich aber das Alles mit dem Kämmerchen vergleiche, das ich für den Todten auf dem Gottesacker grabe, ſo füͤhl' ich immer, daß ich Urſache habe, damit zufrieden zu ſein, denn meine Stube und Kammer und Küche mit dem Gärtchen ſind ja viel, viel geräumiger, als ſo ein Kämmerchen, das ich verfertige. Mein Geſchäft zwingt mich aber nicht allein zur Dankbarkeit gegen Gott und zur Zufriedenheit mit Dem, was er mir beſcheerte, ſondern es gibt mir auch das Jahr hindurch allerlei zu denken und mich Derer zu erinnern, Denen ich den letzten Dienſt erweiſe. Als ich zum Beiſpiel in vergangener Woche dem vier und achzigjaͤhrigen Friede⸗ mann ſein Grab fertigte, da dachte ich mir: Der alte Mann hat doch endlich das erlangt, was er ſich ſeit ſechs Jahren wünſchte. Denn wenn er an dem Friedhofe vor⸗ bei ſchrankelte und mich da ein neues Grab graben ſah, ſagte er zu mir:„Wenn ich doch auch einmal hier ruhte! Dann käm' ich wieder zu meiner alten Anna, die 56 Jahre hindurch mein treues, ſorgſames Weib war und mich nicht eher verließ, als bis ſie hier beſtattet wurde, und ſaͤhe meinen Sohn Georg wieder, der mich immer ſo lieb hatte und meinte, er könnte mir nicht Alles vergelten, was ich an ihm gethan, und der mich, als eben ſein Auge brechen wollte, noch ſo treuherzig anblickte, als wollt' er ſagen: „Ich bliebe noch gerne bei Dir, um Dich in Deinen alten Tagen zu pflegen;, und ſäh' auch meine Tochter Nette wieder, die immer ſo ſchmuck und ſo fleißig war, und mich nur Einmal betrübte, als ich ihr die Augen zudrücken mußte. Noch kurz vorher hatte ſie mir geſagt: Glaube nur nicht Vater, daß mich der Johann böslich verlaſſen hätte; dazu war er viel zu gut. Er wurde nur von An⸗ dern dazu verführt. Und er mußte ja auch eine Frau haben, die ihm mehr mitbrachte, als ich ihm mitbringen konnte, ſonſt hätte er ja ſein Gut nimmermehr ſchuldenfrei machen können.“ Nun, der Friedemann hat ſeine Frau und ſeine Kinder wieder gefunden, nach denen er ſich ſo lange ge— ſehnt hatte. Das hätte der reiche Launhard gewiß nicht geglaubt, daß er einſt dicht neben den Friedemann zu liegen kommen würde. Er war im Leben viel zu reich und zu vornehm, als daß er ſich mit ihm abgegeben oder ſich ein— mal neben ihn geſetzt hätte. Dazu brachte Launhard in ſeinen letzten Jahren den größten Theil ſeiner Zeit im Wirthshauſe zu, als wenn er Etwas verſchlucken oder ab⸗
kommen nöthig habe.
258
was ihm am Herzen nagte. Wenn 10 aber das Gläschen friſchen Muth gemacht hatte un ſah den Friedemann vorbei ſchleichen, ſo wurde er ſehſ, mal blaß vor Aerger oder ſonſt Etwas, ich weiß i, was. Und das war, ſeit er vor Gericht den Eid abgel! hatte, daß ihm der Friedemann das geborgte Ci noch nicht zurückbezahlt habe. Damals wurde der Fri mann blutarm, der Launhard aber, der vorher ſchon
geweſen war, noch immer reicher. Und jetzt— liegen
neben einander, und iſt Einer nicht Mehr wie der aun Wie's aber mit beiden vor Gott ſteht, das weiß ich n Nur Das weiß ich, daß der
waſchen wollte,
mal ein Grauen bekam, wenn Einer vom Tod ſprach. Neben dem Friedemann, wie Sie wiſſen, ie
Grab der ſchönen Marie, welcher der Herr Pfarrer g 0
ſo hübſche Rede hielt.— Ja, Herr Pfarrer, das war ag hübſche Rede; die gieng den Leuten ſo recht zu Hal Die Marie verdiente aber auch eine ſolche Rede, ſie war ja das ſchönſte und brayſte Mädchen im Du bis ihre Mutter todt war, und der junge Jäger ind J kam, der ſie mit auf die Kirmeß nahm und mit ihr hen tanzte, und, wie die Leute, ſagen ihr viel Hübſches 100 und Vieles verſprach, dann aber ſchnell fortmußte, weil ig ihm Allerlei nachſagte, und ließ Nichts mehr von ſich be Von der Zeit an begann Marie blaß zu werden, un! härmte ſich ſo lange, bis ich ihr ein Ruheplätzchen bereſſe wo aller Harm für ſie aufhörte. Aber es wäre mir e unmöglich geweſen, alle die Kronen, die ihr gemacht die Kränze, welche ihr geflochten wurden, ſo unbarmſſ in das Grab zu werfen. Sehen Sie, Herr Pfarrer, 0 ſie ſich noch ſo friſch um das Grab herum erhalten ß Das kommt aber auch daher, weil alle Morgen Eine Freundinn eine Gießkanne mit Waſſer bringt und il gießt. Während des erſten Abends nach ihrem Beh wurde, ich weiß nicht, von Wem, ein Sträußchen ß meinnicht auf die Mitte des Grabes verpflanzt, und iſt jeden Tag, wenn ich hierher komme, durch ein i erſetzt. Das Gräbchen über der ſchoͤnen Marie, entſil einzige Kind der Bärbel. Sie ſagten mir ja 1
Pfarrer, daß ich es dahin begraben ſollte, weil hier g der beßte Platz fuͤr das Kind wäre. Es iſt nicht z niedergetreten ſſ.
Schuld, daß das Gräbchen ſo gan hab's ſchon mehrmals wieder aufgehäufelt; aber i kommt die Bärbel des Abeuds wieder mit ganz zer blaſſem Geſicht, und die Haare flattern um den Korff 0 als wenn ſie ſie gar nicht mehr zurecht kämmte und fit Ein Paar Mal wurde mirs ganz grauſig, als ſee ö und ſagte:„Hartmann, ich muß meinem Kinde zu U geben.“ Dann kniete ſie nieder als reichte ſſe ihren il die Bruſt, und nachher ſetzte ſie ſich hin und ſang 60 mein Kindchen, wohle“ und bewegte ihren Schoos if her, als wenn ſie ihr Kind zum Schlafe bringen Wenn ſie Das eine Zeit lang gethan hatte, Nil fort, und ſagte mir ganz leiſe ins Ohr:„Macht ifi
Launhard noch gar gf Luſt hatte, von dieſer Welt abzuſcheiden, und daß er 1
hiedigt. Da ſtelich nun vor eil Ruherlatzc ich ihm ein rel
Bekannt
* Hi
(4013) Me auf hieſiger Re ſteigerung beka dingungen, oe Huch verkauft ) Ein zweiſt Id Woche
d) Co des 5 Ju
c) Ein Sito Fuß Tie
c) Ein Kle und 8 Engellha Gräflich
Grume (1092) d nachgenannte gender maßen
1) zu Und
Dienſta
Uhr, in! 7) zu Star
woch de
in dem ) zu Oſthe 30. Aug Gaſthauſ uu Butzd an dem dem Ga 5) ö Bau
gefähr
Septem
Wieſe!
zu Ba
Oberes; n Oka
ungefäß
Septen
„Mnera Iriedbeſ
N


