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21 Früchte des Fliegenwedelhandels.
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% Deffentliche Blätter meldeten im April d. J. aus [ endon: Der Geiſtliche an der hieſigen deutſch-lutheriſchen
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kcche in Goodmann'sſields, Herr Cappel(bekanntlich ein Taxe Zgling des hieſigen theologiſchen Prediger-Seminars, wel— und Butkaß hs er von Oſtern 1839 bis dahin 1840 beſuchte), führte Jul 184, c 12. vor dem Polizei-Beamten Norton über das ſchänd— — he Treiben mehrerer entarteten Deutſchen Beſchwerde, „ lche ein Gewerbe daraus machen, armen deutſchen Fami⸗
„e n ihre Kinder unter allerhand Verſprechungen abzulocken
end dieſelben dann nach England zu bringen, um ſie dort 0 un Betteln, Beſen verkaufen, Tambourinſchlagen ꝛc. für ihre ii Achnung zu verwenden. Als nächſten Anlaß ſeiner Be— 1% 1 dſtwerde führte Hr. Cappel an, daß vor wenig Tagen ein 155 0 hutſches Mädchen von 14 Jahren, um confirmirt zu wer— iin, zu ihm gekommen ſey und ihm uber die Behandlung, e ſie von ihrem„Herrn“, einem gewiſſen Philipp Winter, — 3 geide, und über deſſen ruchloſes Treiben ſo empörende „ bittheilungen gemacht habe, daß er nach Einziehung nähe— e Erkundigung ſich jetzt veranlaßt geſehen habe, die Sache Ie Polizei bekannt zu machen. Zugleich führte der Geiſt— he das Mädchen ſelbſt vor und forderte ſie auf, dem Hrn. — horton ihre früheren Ausſagen zu wiederholen. Das Mäd⸗ ben, welches ziemlich fließend Engliſch ſprach, gab an, daß 4 Binter vor 4 Jahren zu ihren bei Frankfurt wohnenden 9 emen Eltern gekommen war und ſich erboten hatte, ſie, 8— 18, dis Mädchen, auf ein Jahr mit nach England zu nehmen, —% ir dort Koſt, Kleider und 10 Shill. Lohn zu geben und ſie -Ich Verlauf des Jahres entweder ſelbſt zurückzubringen oder üſtenfrei heimzuſchicken. Ein Geſchenk von wenigen Shil⸗ -Ilngen hatte ihre Eltern zur Einwilligung vermocht. Mit e dals, Dinter in England angelangt, ward ſie von ihm Jahr aus 1 gahr ein, mit noch 13 anderen Mädchen deſſelben Alters, „ ute de auf ähnliche Art in Winter's ſogenannten Dienſt ge— Emmen waren, in London und auf dem Lande umherge— 7 ſhickt, um theils zu betteln, theils Beſen zu verkaufen — ud das Tambourin zu ſpielen. Sie brachte täglich min⸗
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„ Intelligenz-Blatt
NN für die
ae, Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
3536. Mittwoch, den 17. Juli 1844.
deſtens 18 Pence, an Jahrmarkttagen ſogar mitunter 12—14
Shill. zuſammen, die ſie ihrem Herrn bis auf den letzten
Heller abliefern mußte. Brachte ſie weniger Geld, als ihr Herr erwartet hatte, ſo wurde ſie, gleich den anderen Mäd⸗ chen in gleichem Falle, tüchtig von ihm geprügelt, während ſie ſämmtlich nur die nothdürftigſte und ſchlechteſte Koſt von ihm empfingen. Winter führt nach ihren Angaben von dem Gelde, das ihm die Mädchen verdienen müſſen, ein verſchwenderiſches Leben, iſt oft berauſcht und verkehrt mit ſchlechten Dirnen; auch ſaß er wegen im Rauſche verübter Gewaltthätigkeiten ſchon öfter im Gefängniſſe. Das Mäd- chen äußerte zum Schluſſe noch, daß Winter ihr weder Geld zur Heimreiſe, noch zur Unterſtützung ihrer armen Eltern habe geben wollen. Der Geiſtliche ergänzte ihre Ausſagen dahin, daß Winter zwei Brüder in London habe, welche ganz daſſelbe Gewerbe treiben; einer hält 16 Mäd⸗ chen und 2 Knaben, die für ihn betteln müſſen und auf's ſchmählichſte behandelt werden. Der Polizeibeamte bedauerte, daß er ſolchen Schändlichkeiten, da keine Klage wegen Kin— derdiebſtahls vorliege, nicht abhelfen könne, ſprach jedoch die Hoffnung aus, daß ihre Veröffentlichung in den Zeitungen dem Unfuge am wirkſamſten ſteuern werde. Der Geiſtliche entfernte ſich, nachdem er noch bemerkt hatte, daß er dem Mädchen, deſſen Klagen ihn hierher gefuͤhrt hätten, einen Dienſt in einer ordentlichen Familie verſchafft habe, wo es ihm hoffentlich gut ergehen werde.
Das von Herrn L. Cappel in Schutz genommene, unglückliche Mädchen iſt nach einer Mittheilung der Groß— herzogl. Heſſ. Zeitung Anna Dorothea Jöckel, die 15 Jahre alte Tochter des Taglöhners Johan nes Jockel zu Höckersdorf, Kreiſes Grünberg. Dieſelbe iſt jetzt nach einer angeblich durch Philipp Winter von Niederweiſel be— wirkten, ſeit dem 27. Januar 1840 ſtattgehabten Abweſen— heit, mit einem Confirmationsſcheine von gedachtem Herrn Geiſtlichen verſehen, von London zu ihren Aeltern glücklich wieder zurückgekehrt. Nur dieſem braven Herrn Cappel verdankt ſie ihre Rettung, denn er befreite ſie aus den Hän⸗
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