Ausgabe 
17.4.1844
 
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eigen

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Intelligenz-Olatt

für die

Provinz Oberhbeſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Auszüge aus dem Regierungsblatte.

Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 14.

VI. Dienſtnachrichten: Am 9. März wurde Chriſtian Weidig zum Hauptzollamtsdiener in Gießen; am 12. der Zollaufſeher Limbach zu Mainz zum Hauptzollamtsdiener daſelbſt; am 15. der Subſtitut des Kammeranwalts, Juſtizrath Eigenbrodt dahier, unter Beibehaltung die⸗ ſes Titels, zum Kammeranwalt in der Provinz Starkenburg; der Rent⸗ amtmann Prätorius zu Homberg zum Rentamtmann in Schotten und der Oberfinanzkammeracceſſiſt Reuling aus Darmſtadt zum Rentamt⸗ mann in Homberg ernannt; am 17. dem Geometergehülfen Heß aus Darmſtadt, dermalen zu Niederingelheim, das Patent als Geometer 2. Cl. für den Steuerbezirk Oberingelheim ertheilt; am 21. der Brückengeld⸗ Falkenheimer zu Gernsheim an die Rheinüberfahrt bei Worms

rſetzt.

VII. In den Ruheſtand wurden verſetzt: Am 15. März der Kammeranwalt, Hofrath Wilkens dahier; am 19. der Brückengelderheber Kreuter bei der Rheinüberfahrt zu Worms auf ſein Nachſuchen.

Zur wetterauer Chronik.

Friedberg. Bei der heute, am 10. April, ſtattge⸗ habten Entlaſſung der Candidaten der Theologie, einem Feſte, das ſich fortwährend der wärmſten Theilnahme zu erfreuen hat, machte es auf alle Anweſende einen beſonders erfreulichen Eindruck, als der Beſchluß der Hochwürdigen ev. theologiſchen Fakultät zu Gießen, wornach die beiden Profeſſoren am hieſigen Predigerſeminar, die Herrn Fertſch und Sell zu Doktoren der Theologie honoris causa er⸗ nannt worden waren, bekannt gemacht wurde. Wie aber eine Freude über dieſes Ereigniß aus den Augen eines Je den ſprach, der es als eine dem Seminarium von Seiten der Univerſität bewieſene Auszeichnung würdigte, ſo lebte ſicher auch in Allen, denen die hohe Würdigkeit der Männer, welche der Auszeichnung theilhaftig geworden ſind, bekannt iſt, und wem wäre ſie nicht bekannt? nur ein Ge danke, der: dem Verdienſte ſeine Kronen!

f In Steinfurth hat ſich das ſchreckliche Unglück zugetragen, daß eine alte Frau von zwei ſcheu gewordenen und an einen Pflug geſpannten Pferden zu Boden geworfen und mit der Pflugſchaar im Geſicht und am Halſe ſo be⸗ deutend verwundet wurde, daß ſie kurze Zeit nachher den Geiſt aufgab. Am 12. April wurde die Unglückliche zur Erde beſtattet.

Den 3. April wurden bei Friedberg in einer Lehm⸗ grube des Maurermeiſters Grünewald zwei Männer 1520 Fuß tief verſchüttet. Glücklicherweiſe war ſchnell Hülfe da und die Männer wurden unbeſchädigt herausgegraben.

Mißgeburt. Heute zeigte mir Herr Martin Buchecker ein junges Gänschen mit vier Beinen. Es war daſſelbe in dem Kurheſſiſchen Orte Rödgen am erſten Oſter⸗Feiertage aus der Schaale gekommen, hatte wie die andern mit ihm ausgebrüteten Gänschen Nahrung zu ſich genommen, war auf 2 Beinen mit den übrigen herumge laufen, und hatte dabei die beiden andern Beine, welche dem Anſcheine nach nur durch Haut mit dem übrigen Koͤr⸗ per in Verbindung ſtanden, nachgeſchleift. Auch die s. v. Stelle fur Ausleerung der Exkremente war abnorm.

Friedberg den 12. April 1844.

Ph. Dieffenbach.

iet e.

In Nr. 15 d. Bl. wurde eine Anfrage an Menſchen⸗ freunde gerichtet, welche die Einrichtung von Arbeits-An⸗ ſtalten fuͤr Arme, zu deren Unterſtützung, betrifft und wur⸗ den dorten ſpeciellere Anfragen vorgetragen.

Indem wir bitten, es möge edlen Menſchenfreundeu gefallen, dieſem höchſt wichtigen Gegenſtande ihre Aufmerk⸗ ſamkeit zu widmen und jene Anfragen in d. Bl. gütig zu beantworten, hoffen wir, daß die geehrte Redaction d. Bl. die Spalten deſſelben der Beſprechung dieſes wichtigen Ge genſtandes öffnen wird.

Die Noth auf dem hohen Vogelsberg iſt viel groͤßer, als in den ſchleſiſchen Gebirgen, wo die Seehandlungs-So cietät u. ſ. w. von Berlin 3 Millionen Thaler aufgewendet hat, um jenen Bedrängten 50 Procent Arbeitslohn zu ver ſchaffen und wird dorten auch in ſonſtiger Weiſe geholfen. Hier aber, wo die Leinwandproduction gänzlich darnieder liegt und die Erndten in 1843 mißlungen waren, ſind eine Menge Menſchen wenn nicht geholfen würde dem Hungertode preisgegeben. Wie wird nun nach jenen An fragen am beſten geholfen, um die Moralität einer ſo gro ßen Menſchenmaſſe, die unter dem ſo harten Geſchicke ſchon

ſinkt, nicht völlig untergehen zu laſſen?