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Inte
lligenz-Blatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Was
Unſere Zeit rühmt ſich einer vorzüglichen Bildung, i das mit Recht. Daß aber mit dieſem Worte etwas e Anderes ausgedrückt wird, als Viele glauben, iſt gewiß. cher meint, wenn er eine zierliche Verbeugung machen, den Lehren des Tanzmeiſters ſtehen, den Hut mit ehen gewiſſen Etwas abnehmen, mit rührender Anmuth
i ſt Bildung?)
ſige könne, und was der tanzmeiſterlichen Tugenden noch
Aieier ſind, er habe— es iſt ſchrecklich zu ſagen!— Bil⸗ Fun. Es ſind dieß nur angenehme Angewohnheiten, mein Amd, und noch lange keine Bildung! Freilich wird oft der der einen ſchöͤnen Bückling zu machen verſteht, dem krahaft gebildeten Manne vorgezogen, der ſeinen Werth fh und ſich deshalb nicht ſchmeichelnd bis zum Gürtel lewen kann. Wahrhafte innere Bildung, die den (et durchdrungen und geläutert hat, wird ſtets ini angenehmem äußeren Betragen gepaart ſein, dpem es auch nicht nach den Regeln der Kunſt gemodelt , und der feine Weltmann nicht ſelten darüber lächelt. de Mann von wahrer Bildung lächelt auch wieder über die Sracterloſigkeit und den Mangel an Kenntniſſen aller kurz doch bedauert er den Schwachen mehr, als daß er ihn ſclichelt, und ſieht oft mit Schrecken, daß ein ſolcher vielen Sifluß hat, Viel nützen ſoll. Daß nun nicht die äußere Ab eſchliffenheit, die im Ganzen nicht viel ſagen will, mit wezrer menſchlicher Bildung verwechſelt werde, daß ſich der Nuiſch eine höhere Aufgabe ſtelle, daß der tiefer Gebildete niet dem ſogenannten feinen Halbwiſſer weichen muß, wo— duch oft viel Unheil verurſacht wird, das ſoll der Zweck dier wenigen Worte ſein. Bilden heißt, aus etwas Un— giormten ein Werk hervorbringen, welches den Gedauken n Zweckmäßigkeit, der Regelmäßigkeit, ja der Schönheit
Dieſer Aufſatz iſt einem Blatte entnommen, das ſeit Anfang dieſes Jahres unter dem Titel erſcheint:„Allgemeines Volksblatt der Deut⸗ ſchen. Dem Bürger und Landmann gewidmet von C. v. Pfaffenrath und H. Schwerdt.)— Der Jahrgang, welcher aus 52 Nummern beſteht, koſtet 1 fl. 48 kr.
Dezember
in uns erweckt. Der Geiſt, das edelſte ſoll ein Abbild der Gottheit ſein; wir ſollen dahin ſtreben, ſo zu werden, wie wir uns das höchſte Weſen denken. Nach Gottähnlichkeit ſoll der Erdenbewohner trachten, denn er iſt geſchaffen, als ein Bild, das ihm(Gott) gleich ſei.
Der, den der Tanzmeiſter unter den Händen gehabt hat, dünkt ſich fertig, wenn er entlaſſen iſt; eben- ſo Viele, die von der Univerſität zurückgekehrt, Viele, welche die Lehr— jahre überwunden haben. Was, auch die beſitzen keine Bil⸗ dung, die von der Akademie zurückkehren? Was Sie wagen! Nein, der Gedächtnißkram gehet bei Vielen nie in den Geiſt und das Herz über. Es iſt noch gar viel zu ſagen und zu beſſern übrig; ein Schritt weiter iſt jetzt in Preußen ge— than, und daß er ein guter iſt, zeigt, daß man ſo jammer⸗ lich darüber ſchreit; doch hat ſie noch keine Stimme von Wichtigkeit und Wahrheit hören laſſen. Wir wollen ſehen, was, nach richtiger Art zu denken, ein gebildeter Menſch, ein gebildeter Staatsbürger, ein gebildeter Beamte und ein gebildeter Chriſt iſt.
Der Menſch mit wahrer Bildung hat den Zweck ſei— nes Daſeins erkannt, und das iſt ſchon viel! Hat er an ſich erfahren, daß er ein Weſen hoherer Art iſt, ſo muß er ſeine Anlagen mit dem größten Fleiß ausbilden, unermüdet muß er nach Wahrheit forſchen, muß denken und ſich nie dem Schlummer der Gedankenloſigkeit überlaſſen. Begeiſtert muß er ſein für alles wahrhaft Edele, Menſchliche, ringen muß er nach innerer Feſtigkeit. Wenn man das Wort „Menſch“ in ſeiner Erhabenheit auf ihn anwenden kann, dann iſt er etwas Ausgezeichnetes. Seht einmal hin in das Leben, greift in euren Buſen, ob man das Wort „Menſch“ auf Viele anwenden mag: brauchen nicht viele ihre Vernunft allein, um thieriſcher als jedes Thier zu ſein! Seht den Mann in ſeiner Freude, den hohen und deu niederen, werdet ihr nicht oft euer Angeſicht mit Bedauern abwenden und denken; das ſind keine von unſern Bruͤdern, das iſt ein ander Geſchlecht! Bildung iſt der Seele Leben, Kenntniſſe aller Art zu erringen, die rohen thieriſchen Aus—


