Ausgabe 
14.8.1844
 
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5 Take derg und Butze

Aguſt 184.

Intelligenz-Olatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

h, den 14. Au

Auch etwas zum Rechnen.

Mein Nachbar S., ein kreuzbraver Mann, der das Herz am rechten Platz und den Kopf gerade auch nicht am unrechten Ort, vielmehr einen recht geſunden Verſtand hat, beſitzt den Einen Fehler, daß er kein Rechenmeiſter iſt und nicht nur die Logarithmen nicht verſteht, ſondern ſelbſt die 100,000,000, 000 Theile nicht begreifen kann. Dieſer Nach bar S. kam mir heute mit dem Intelligenzblatte Nr. 60. in der Hand in großer Verlegenheit und bat mich um Auf klärung über Dinge, die über ſeinen Horizont gehen, über die Zinſenberechnnng in beſagtem Blatt. Es war mir an genehm einem braven Mann einen Dienſt erzeigen zu können und ich machte mich ſogleich dran ihm dieſelbe zu verdeut⸗ lichen. Aber trotz ſeines geſunden Verſtandes und ſeines braven Herzens wollte ihm die Sache nicht einleuchten und endlich meinte er, da wäre es am beßten, wenn man ſich gewöhne immer baar zu bezahlen, dann könne Niemand Zinſeszinſen verlangen, und man könne ſomit nicht über vortheilt werden, und ſo legte er die Zinſeszinsrechnung unverſtanden bei Seite.

Mir gab dies aber nun Veranlaſſung für meinen Nachbar und ſeines Gleichen, oder mehr für ſolche, die noch weniger, wie er, praktiſch rechnen gelernt haben, einige leichte Aufgaben die vielleicht uch für das praktiſche Leben tauchen, aufzugeben. Ich ziehe es aber vor, ſie auch zugleich aufzulöſen, um ganz ungeuͤbten Rechnern das Kopfzerreißen zu erſparen. Lieber freilich wäre mirs noch, wenn ich Manchem das Zerreißen ſeiner Haushaltung erſparen oder verhüten könnte, daß er en Dalven wird. Nun zur Sache.

Mein Nachbar S. eben dieſer kreuzbrave Mann pflegt, wenn von unordentlichen Haushaltungen die Rede iſt, gewöhnlich nur zu ſagen:Ja das kommt von den Kleinigkeiten; kleine Ausgaben ſchaden mehr, als große undMan kann auch einmal mit dem Kaiſer früh ſtücken, aber nicht alle Tage., Das will mein Nachbar V., der recht gut ſich betroffen fühlen

guſt

und an ſſch ſelber die Auflöſung dieſer Sätze finden könnte, nicht verſtehen; und doch hat S. recht. Nachbar V. und ſeine Verhältniſſe ſollen als Grund zur Auflöſung dienen.

1) V. braucht täglich 1 kr. für Schnupftaback. Ein Kreu⸗ zer iſt doch gewiß wenig. Aber, ſagt Nachbar S., Viel Wenig gibt Ein Viel. Wie viel macht es im Jahr? Aufl. 365 kr. oder 6 fl. 5 kr.

2) V. iſt gewöhnt täglich zu ſeinem Frühſtück für 2 kr. Brandwein zu trinken Seine Natur verlangt es Nun das ſind nur 2 kr. Im Jahr? Aufl. 12 fl 10 kr. 1

3) Auf das Mittageſſen muß Nachbar V. ſeinen Schnaps trinken Sein Magen verträgt die ſchwere Mittags koſt nicht Nun, eine Kleinigkeit 2 kr. aber im Jahr? wie wir hörten 12 fl. 10 kr.

4

Zu ſeinem Vier-Uhrbrod glaubt er mehr verdient zu haben, er trinkt einen Schoppen Aepfelwein, das ſind ja nur 4 kr. Im Jahr 24 fl. 20 kr.

5) Nach dem Abendeſſen muß man doch, meint er, zur Erholung ein wenig in Geſellſchaft gehen und trinkt

um ſich fuͤr die Tageslaſt zu entſchädigen, zwei Schoppen Hochaſtheimer. Ein fleißiger Arbeiter ver dient das wohl, behauptet er. Das ſind 8 kr. täg

lich; Jährlich? 48 fl. 40 ke

Kleinigkeiten! Nur 103 fl. 25 kr. jährlich, wenn nicht der Sonntag beſonders bevorzugt wird, oder gar ein Schalt jahr eintritt. In 30 Jahren braucht Nachbar V. für lauter Kleinigkeiten 3102 fl. 30 kr. Was mögen da erſt die Großigkeiten, das Morgen-, Mittag- und Abendeſſen für die Familie, Holz und die Kleidung, die doch natürlich auch modern ſein muß, koſten? Wenn nun die Frau mit den Kindern zum Kaffee Morgens und zum Kaffee Abends ihre Brödchen und für andere Naſchereien ihre Kreuzer haben muß nun ſagt: wie kann da ein mittelmäßiger Ver dienſt ausreichen?