Intelligenz-Olatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Mittwoch, den 6. November
Auszuͤge aus dem Regierungsblatte. Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 32.
1. Nachſtehendes Gr. Edict, die Eröffnung des Landtags betr.: eidwig II. von Gottes Gnaden Großherzog von Heſſen und ge Rhein ic. c. Nachdem Wir Uns entſchloſſen haben, Unſere getreuen Sünde auf den 2. Dec. l. J., Kraft dieſes, einzuberufen, ſo verkünden A ſolches hierdurch öffentlich und gefinnen an Unſere getreuen Stände, ia Sie ſich an dem feſtgeſetzten Tage in Unſerer Reſidenzſtadt Darm⸗ ian zu der Ausübung Ihrer verfaſſungsmäßigen Rechte vereinigen und er Propoſitionen gewärtig ſein mögen, welche Wir an Sie werden rügen laſſen. Urkundlich Unſerer eigenhändigen Unterſchrift und des bei— ehückten Staatsſiegels. Darmſtadt, den 22. October 1844.(L. S.) Edwig. du Thi!
II. Bekanntmachung Gr. Miniſteriums der auswartigen Angelegen⸗ heilen vom 19. Oct., die Auswanderungen nach Algier betr.— Nehdem das genannte Miniſterium in Erfahrung gebracht hatte, daß en nicht unbedeutende Anzahl von Familien in der Provinz Rheinheſſen biesſichtige, in die Colonien von Algier auszuwandern, hielt es ſich ver— plchtet, die ihm auf ofſiciellem Wege zugekommenen Bedingungen und Fynnalitäten, unter welchen die k. franzöſiſche Regierung fremde Colo⸗ nien in Algier annimmt, durch Vermittelung des Gr. Miniſteriums des Imern und der Juſtiz zur Kenntniß jener Auswanderungsluſtigen bringen zu kaſſen, indem es, weit entfernt, den Auswanderungen nach Algier an ſih irgend ein Hinderniß in den Weg zu legen, wenigſtens für nothwen⸗ dig erachtete, die Unterthanen vor unüberlegten Schritten zu warnen. Mrnentlich wurden die Auswanderuugsluſtigen darauf aufmerkſam ge⸗ ncht, daß zu jenen Formalitäten auch die Erwirkung einer förmlichen A nahmeurkunde gehöre, welche von der mit Leitung der Colonien in Wier beauftragten Behörde erſt dann ertheilt werde, nachdem die Geſuche de Auswanderungsluſtigen mit den vorgeſchriebenen Atteſten verſehen, te der k. franzöſiſchen Geſandtſchaft am hieſigen Hofe eingereicht, von der, nach vorausgegangener Verification, an das k. franzöſiſche Mini⸗ ſrium eingeſendet, von ſolchem ſodann dem Director des Innern in Ah ier mitgetheilt und von Letzterem ſtatthaft befunden worden. Gleich- dig wurde den Auswanderungsluſtigen eröffnet, daß jede Intervention drter Perſonen, um Coloniſten für Algier aufzuſuchen und deren Ab— gurg dahin zu leiten, von der k. franzöſiſchen Regierung abgelehnt wor⸗ d ſei.— Demungeachtet haben einzelne unberufene Privatperſonen ſich en Geſchäft daraus gemacht, die Auswanderung dieſſeitiger Unterthanen nach Algier zu vermitteln; ſie haben ihnen zugeſagt, Aufnahmsurkunden ü ſie zu erwirken, und einzelne Unterthanen, welchen man vorſptegelte, Ai hieſige Regierung ſuche die Auswanderung nach Algier zu erſchweren, heren ſich bereits, ſtatt den ihnen durch die Behörden bezeichneten Weg zuſchlagen und vorerſt ihre Reception in Algier abzuwarten, beſtimmen hien, mit ſolchen Privatperſonen, unter Leiſtung baarer Zahlungen für bühren ꝛc. an Letztere, förmliche Verträge über Transport und Ver⸗ gung zum Behuf ihrer Reiſe und Auswanderung nach Algier abzu⸗ hießen. Jene Mittelsperſonen haben aber ihre Zuſagen, Aufnahmsur⸗ in den zu erwirken, bis jetzt nicht erfüllen können und es haben nun die⸗ nügen, welche ſich ihnen hingegeben und zum Theil ſelbſt ihr Immobi— arbermögen, in Vorausſetzung ihrer baldigen Auswanderung, veräußert aden, die Folgen jener Nichtbeachtung des Rathes der Behörden bitter u bereuen.— Das Miniſterium der auswärtigen Angelegenheiten findet 10 daher veranlaßt, wiederholt auf den oben angedeuteten, einzig zuläſ—
F
ſigen Weg, auf welchem diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche entſchloſſen find, in die Colonien von Algier auszuwandern, zur Realiſtrung ihres Zweckes gelangen können, aufmerkſam zu machen und damit die Warnung zu verbinden, keinerlei Vorbereitungen zur Auswan⸗ derung eher zu treffen, als bis ſie auf ihre bei der k. franzöſiſchen Ge⸗ ſandtſchaft am hieſigen Hofe einzureichenden Geſuche die Eutſchließung der
franzöſiſchen Regierung durch die gedachte Geſandtſchaft erhalten haben.—
(Schluß folgt.)
Der heilige Rock zu Trier. (Schluß.)
Sollte denn aber ein Proteſtant nicht auch aus jenen Ereigniſſen Etwas lernen können? Das iſt wahrſcheinlich. In jeder die der wenſchliche Geiſt mit Ernſt er— greift und mit Beharrlichkeit feſthält, liegt etwas Wahres, und gerade dem Proteſtanten geziemt es, dieß aufzuſuchen, anzuerkennen und für ſich ſelbſt daraus zu lernen. Die Wallfahrt nach Trier iſt der Bevölkerung dort ein Gottes— dienſt, ſie iſt aber zugleich ein Volksfeſt. Solcher Volks— feſte haben die katholiſchen Völker mehrere, viele, wo Reli— gion und froher Lebensgenuß Hand in Hand gehen. Warum haben wir Proteſtanten Das nicht? Wenn wir unſer Volk beobachten, ſo ſcheint es den Gedanken zu hegen, daß es das Religiöſe bei Seite ſtellen müſſe, wenn es zur Luſt gehe. Iſt Das aber gut? und iſt Das chriſtlich? Braucht der Menſch nicht gerade in der Stunde der Luſt den Ge— danken an ſeinen Schöpfer und Herrn ganz beſonders nöthig, damit er ſeiner Luſt nicht mit thieriſcher Rohheit fröhne? Iſt etwa das Chriſtenthum dem heitern Lebensgenuß entge— gengeſetzt? So haben es vergangene Jahrhunderte gefaßt und haben darum das Faſten, das eheloſe Leben anempfoh⸗ len, haben gegen das Vergnügen in allen Geſtalten geei— fert, und ein Ueberbleibſel davon iſt das verwerfende Urtheil,
das man noch heut zu Tage hier und da wider den Tanz d
Michtung, die
ört. Aber in den Worten Jeſu findet eine ſolche Anſicht urchaus ihre Berechtigung nicht. Er ſetzt ja nicht etwa ſein Evangelium der Welt, wie ſie iſt, entgegen, ſondern er giebt es der Welt, damit es dieſelbe in allen ihren Verhält— niſſen durchdringe und heilige. Die Welt, auch mit ihren fröhlichen Stunden, ſoll zum Himmelreich werden; in allen Dingen, auch in der Freude, ſoll ſich der Menſch bewußt werden, daß er ein Kind Gottes ſetz das Schlechte ſoll fern bleiben, ſoll unmöglich werden, damit die Freude deſto reiner und tiefer das Herz durchdringe! Darum aber ſind ja die proteſtantiſchen Völker ganz auf dem Wege, ebenfalls
die Religion in die Volksfreude zu miſchen, denn ſie berufen


