Ausgabe 
5.10.1844
 
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dach Ablauf von 4 Wochen erwarte ich Ihren Bericht über den Erfolg dieſer Maaßregeln. Grünberg am 1. October 1844. Sud e

Berthold Auerbach.

Wer dieSchwarzwälder Dorfgeſchichten) geleſen hat, der nimmt auch an deſſen Verfaſſer, Berthold Auer⸗ bach, großes Intereſſe; wir theilen deßhalb hier einen Aus⸗ zug aus Lewalds Europa mit, der uns über Auerbachs Leben und die lebensfriſchen Schilderungen in ſeinenDorf geſchichten/ manchen intereſſanten Aufſchluß giebt.

Auerbach iſt aus dem Schooße einer jüdiſchen Fami⸗ lie zu Nordſtetten im Schwarzwald hervorgegangen. Sein Vater iſt geſtorben, ſeine hochbetagte fromme Mutter lebt noch in dem Dorfe, ihr heiterer, gottvertrauender Sinn ließ ſie ſtets die Sorgen und Mühen des Lebens leichter ertragen, und ſie fühlt vollkommen den Werth und die Bedeutung ihres geliebten Sohnes, den ſie ihren Benjamin nennt und auf den ſie ſtolz iſt. Auerbachs Brüder, die mit ihr leben, treiben Handel, wie ihn der Vater trieb. Seine Schwäger und Vettern ſind Schullehrer, Rabbinen und größtentheils Männer von großer Gelehrſamkeit in ihrem Fache. Man ſieht hieraus, daß unſers Auerbachs Tüchtig⸗ keit nicht vereinzelt in der Familie ſteht, und daß er von einem Stamme iſt, welcher der Wackern mehr zählt. Sei⸗ ner Luſt zum Studiren ſtellten ſich Hinderniſſe entgegen, wie ſie der Unbemittelte immer erfährt. Die Abenteuer ſeiner Jugend waren ſeltſam und hätten auf ein anderes Naturell vernichtend einwirken konnen; ſie ſtählten ihn und dienten ihm zu einer merkwürdigen Kraftentwickelung, die ihn zur Selbſtſtändigkeit führte. Ohne Unterſtützung vom Vaterhauſe kam er nach Karlsruhe, um die dortige Schule zu beſuchen. Er ward zeitig darauf hingewieſen, durch eigene Thätigkeit ſich, den Unterhalt zu verſchaffen. Es iſt ruͤhrend und ergreifend, wenn er ſeinen Freunden in der treuherzigſten Weiſe, mit den offenen klaren Augen und dem heiter lächelnden Mund, erzählt von den erſten Schritten, die er in eine ihm fremde Welt wagte. Es iſt ein Anfang, wie ihn oft ſchon große ſtarke Naturen erlebten, denen das Glück des Reichthums an der Wiege nicht lächelte, die aber im Keime ſchon den Reichthum trugen, der ſie und viele Tauſende ſpäter beglücken ſollte. Von Karlsruhe kam Auerbach nach Stuttgart in's Gymnaſium. Hier fand er

Freunde, die ſich ſeiner kräftiger annahmen, allein der Sorgen war er dennoch nicht enthoben, und dieſe mehrten ſich, als er die Univerſität bezog. Er ſtudirte in Tübingen, Heidel⸗ berg und München. Bald nach Beendigung ſeiner Studien wurde er auf den ihm zunächſt liegenden Erwerbszweig, die Schriftſtellerei gewieſen. Das buchhändleriſche Treiben zu Stuttgart in den dreißiger Jahren, bot ihm dazu die günſtigſte Gelegenheit. Er wurde von einem jungen Buch⸗

*) Dieſe, ſowie derGevattersmann⸗(erſtere koſten 3 fl. 30 kr.; letz⸗ terer 9 kr.) ſind bei C. Bindernagel in Friedberg vorräthig.

händler für die Abfaſſung einiger Werke gewonnen, die er unter einem angenommenen Namen verfaßte und die gu einſchlugen, weil der Autor ſelbſt bei ſolcher Fabrikarbei nichts Schlechtes zu liefern im Stande war. Sein erſtes Werk, auf deſſen Titel er mit ſeinem Namen hervortrat, war der Roman Spinoza. Er hatte damals die Idee, unter dem Titel:Das Ghetto, die Zuſtände ſeiner Glau bensgenoſſen nach allen Richtungen zu ſchildern und in's rechte Licht zu ſtellen. In dieſer Abſicht ließ er bald darauf ſeinen zweiten Roman folgen:Dichter und Kaufmann der den innern Entwickelungsgang des Breslauer Dichter Moſes Ephrahim Kuh, zum Gegenſtand hatte. Beide Werke zeugten von der philoſophiſchen Durchbildung dieſez

finden darin neben philoſophiſchen Geſprächen über die

aut

Geiſtes, von dem dichteriſchen Talente des Verfaſſers. Win ö 05 498 008,

höchſten Intereſſen der Menſchheit, treffliche, bis in's Ein

zelne überraſchend getreue Schilderungen und wahrhaft er⸗ greifende Situationen. Jetzt verließ Auerbach Stuttgart und begab ſich an den Rhein. Zunächſt wandte er ſich nach Worms, um dort die Zuſtände der älteſten Synagoge zu ſeinem Zweck zu ſtudiren, allein er gab bald den Plan auf und zog nach Frankfurt, um in dem bewegtern Leben dieſer Stadt ſeine Anſchauungen über den bisherigen Kreis hinaus weiter auszudehnen. Neben vielen Novellen, philo⸗ ſophiſchen Abhandlungen, dramatiſchen Verſuchen und kritz⸗ ſchen Artikeln für Zeitſchriften, überſetzte er hier die Werke ſeines großen Vorbildes Spinoza. Der leichte Verkehr am Rheine zog ihn nach Bonn und ſpäter nach Mainz, wo er mehrere Jahre im Kreiſe lieber Freunde und ihm wohlgewog⸗ ner Familien verlebte. Dieſes fein ausgeprägte Familien- leben zog ihn mit unwiderſtehlichem Reize an und bildete fortan den innerſten Kern ſeines Seins. Von dieſem Mit⸗ telpunkte zogen ſich unzählige Radien zum großen Familien kreiſe der Menſchheit, und eine umfaſſende Menſchenliebe: bildete ſich in Auerbachs Seele, die nunmehr der eigentliche. Zweck ſeines Daſeins ward. In dieſem Sinne entſtanden der gebildete Bürger und die Dorfgeſchichten. Dieſes Buch in ſeiner unmittelbaren Friſche der Natur- und Menſchen, anſchauung, in welchem eine ſo glückliche Miſchung von Naivität, Talent, Durchbildung, von Geiſt und Gemüt gefunden wird, zündete mehr als Alles was der junge Dichter bis dahin geſchaffen hatte, und ſchien ihm die Bahn zu weiſen, auf der er weiter fortſtreben ſollte. Es hal ſeinen Namen zu einem berühmten in der zeitgenöſſiſchen Literatur gemacht. Sein Trieb, den Menſchen, die er lie⸗ bend im Herzen trug, vor Allem nützlich zu werden, brachte ihn dazu, das Büchlein:Der Gevattersmann zu ſchreiben, das jetzt ſchoͤn in den Händen ſo vieler Tauſende iſt und ihn zum volksthümlichſten Schriftſteller der Gegenwart er hoben hat. Er hat ſich damit einen Wirkungskreis geſchaf fen, der in Süddeutſchland ſeit Hebel's Hausfreund, vol Niemanden ausgefüllt wurde. Dies ſind die glänzenden! Anfänge eines Mannes, der jetzt erſt 32 Jahre zählt, und;

dem wir die reiche Zukunft wünſchen, zu der er ſichtlich!

berufen iſt.

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