Intelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
2—————;——— 18 Sonnabend, den 2. Maͤrz 1844.
f 1 g Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an die Großh. Buürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Muſterung des Jahrs 1844.
Sie werden zur öffentlichen Kenntniß bringen, daß die Bzirksliſte der dießjährigen Conſcriptionspflichtigen vom 7. bis U
zun 20. März ſowohl auf meinem Bureau, als auf dem des G. Bürgermeiſters zu Ulrichſtein zur Einſicht offen liegen. Grünberg am 26. Februar 1844. Dur
Hcalſection des Gr. Heſſ. Gewerbvereins fuͤr den Kreis Friedberg.
Monatliche Sitzung Montags den 4. März Abends un 7 Uhr. Vorträge und Mittheilungen aus Journalen ter Talgbleiche— Moſaikfußböden aus Thonſtückchen— iler die Frage, ob der mit Steinkohlen und der mit Braun— lcplen gebrannte Kalk ſo gut ſei, als der mit Holz gebrannte?
— über Glas-, Schmirgel- und Sandpapier— einen ver— beſerten Dengelſtock— eine neue weiße Oelfarbe—
de. Chlorbleiche— verbeſſerte Brodteigbereitung— die Hen— g elſchen Ziegel ꝛc. Soldan.
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Für Viele iſt es immer intereſſant, die Bedeutung een Ortsnamen kennen zu lernen. Allein die Erklärung drſelben iſt ſelten leicht, meiſt ſchwierig, oft gar nicht zu ben. Denn wenn wir wiſſen wollen, was ein Ortsname bdeute, ſo dürfen wir denſelben nicht nehmen, wie er jetzt lautet, wo er allzuverändert iſt; ſondern wir müſſen ihn eſt in alten Urkunden dufſuchen, je älter deſto beſſer, um in ſo viel möglich rein zu haben, wie er urſprünglich hutete. Dann wird man in den Stand geſetzt, eine ſichere ind richtige Erklärung geben zu können, wenn auch gerade nicht immer der Sache des Ortsurſprungs, doch der Sprache aach, was uns aber leichter auf die Sache führt.“) Dazu ſehört nun freilich, daß man die deutſche Sprache gründ— ich verſteht, wie ſie vor 500— 800 Jahren und auch noch
5 Als Beispiel hierzu kann die Erklärung des Namens Florſtadt im Intelligenzblatte Nr. 6 dienen.
früher lautete. Namentlich muß man in dieſer ältern Sprache die Haupt- oder Dingwörter biegen(decliniren) koͤnnen, theils wegen des erſten Wortes in der Zuſammenſetzung der Ortsnamen, denn dieſe ſind größtentheils zuſammengeſetzte Wörter, theils weil die Ortsnamen alle im Dativ(dritten Fall) ſtehen. Dieſe Dative ſind mit zu dem, zu'der, zuden gebildet, welche zwei Wörtchen(zu und das Geſchlechtswort) freilich immer weggefallen ſind, wie wir z. B. Gießen ſagen und nicht mehr gleich unſern Vorfahren im Mittelalter„ze den gießen“(das heißt„zu den Flüſſen“ denn„der gieße“ bedeutet Fluß, fließendes Gewäſſer), nämlich die Burg und dann die Stadt zu den Flüſſen.“)
Der wetterauiſche Flecken Altenſtadt nun hat, ſo leicht es ſich der Sprache nach anſieht und auch in der That iſt, einen der Sache des Urſprungs nach ſchwieriger zu er— klärenden Namen. Der Ort hat nämlich in den älteſten Urkunden zwei Benennungen: 1) Altunstat, Altenstat und Aldenstat; 2) Alahstat, Alachstat und Alastat““ Für beide Benennungen paßt die jetzige wetteraniſche Aus— ſprache Ahlſcht. Jene erſte: Altenstat, am älteſten Altün— stat, welches vollſtändig zi derxu altün stati gelautet haben muß, bedeutet: zu der alten Stätte, zu dem alten Orte. Die zweite Benennung Alahstat ꝛc. heißt ſo viel als: zu der Tempelſtätte, zu dem Tempelorte, zu der Stätte gött— licher Verehrung, oder auch zu der(geheiligten) Gerichts— ſtätte;***) denn altdeutſch der alah(ſprich: Alach) bedeutet Tempel, heiliger Ort der Gottesverehrung gewidmet, ge— heiligte Stätte. Nun iſt aber dieſe Benennung alah für Tempel ꝛc. eine nicht chriſtliche des Alterthums und hat ſich
*) Ebenſo iſt Staden, Staden, eigentlich ze den staden das heißt
„zu den Ufernz“ Nidda, Nitahe, eigentlich ze der Nitahe das
heißt„zu dem Nidfluß(der Nidda);“ Grünberg, Grünenberg
(Schmidt Geſchichte des Großherz. Heſſen IJ, S. 224), frü
2e dem gruonin berg das iſt B
zu dem grünen Berg,“, m. So lauten die Namen im Cod. Lauresh.(Lorſcher Urkunden.) Man hat behauptet, der Name Alahstat, Alachstat, Alastat ſei, wie andere in dem Cod. Lauresh. verſchrieben anſtatt Altun stat. Das läugne ich. Denn die drei Formen Alah, Alach und Ala gehen ſo regelrecht altdeutſch aus einander hervor, daß nicht der mindeſte Tadel der Sprachähnlichkeit gemäß bleibt; dazu iſt der Name ganz richtig gebildet und ein gutes altdeutſches rt, wie die nächſte Anmerkung erſehen läßt. Auch kann ſich der Abſchreiber ſo arg nicht verſchrieben haben, daß er ſo viele Buchſtaben falſch geſchrieben und das t ausgelaſſen, aber doch das Wort in drei Formen regelrecht und gut altdeutſch geſchrieben hätte.
Jacob Grimm, dieſer tiefe Kenner des deutſchen Alterthums, ſagt in ſeiner deutſchen Mythologie S. 58. der zweiten Ausgabe:„den Namen Klahstat, Alahdorf können mehrere Oerter geführt haben
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