Ausgabe 
25.10.1843
 
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Moraſt geworfen, und der Wagen lang auf mir. Mir aus dem Moraſte zu helfen, vermochte ich nicht, weil ich mich nicht regen konnte; kaum gelang es mir, mit aller Anſtrengung, den Kopf aufrecht zu erhalten, damit ich nicht erſtickte. Der Poſtknecht war, ſo ſehr er ſich auch anſtrengte, nicht vermögend, den Wagen allein wieder in die Höhe zu bringen. Er ſchrie alſo um Hülfe, und ſtieß in das Poſthorn; aber keine Hülfe wollte kommen. Alles was ich thun konnte, war daß ich dem Poſtknechte auftrug, er möge die Pferde losſpannen, damit ich nicht geſchleift wurde. Ich litt unausſprechlich, und überließ mich Gott, bereit, von der Welt abzutreten, wenn er mich jetzt abforderte.

Da hörte mein Poſtknecht einen Reiter; er ver⸗ doppelte ſeine Kräfte beim Rufen um Hülfe, ſtieß nochmals in das Poſthorn, ſchrie wieder und ſogleich war der Reiter da.

Was gibt's hier? fragte derſelbe ängſtlich.

Hülfe! ſchrie mein Poſtknecht. Hier liegt ein Paſſagter im Moraſte, der Wagen auf ihm, und ich kann ihm nicht helfen.

Geduld! ſagte der Reiter; in einer Viertelſtunde ſoll Hülfe da ſein.

Die Viertelſtunde dünkte mir lang; aber als ich faſt unter meinen Schmerzen erliegen wollte, rief mein Poſtknecht: nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen! dort kommen Laternen.

Jetzt kommen Gottes Engel, dachte ich bei mir ſelbſt, die mich retten werden. Bald war ein Trupp Bauern, mit Laternen und Hebebäumen verſehn, da; man hob den Wagen in die Höhe und zog mich aus dem Moraſte heraus.

Da ſtand ich nun mit zitternden Gliedern, faſt ohne Bewußtſeyn. Eine Hand faßte freundſchaftlich die meinige, und der ſie mir bot, fragte: Sie haben doch nichts zerbrochen? Ich fühle nichts, antwortete ich; noch kann ich alle Glieder bewegen.

Deſto beſſer! fuhr er fort; jetzt laſſen Sie es ſich gefallen, auf meinem Gute Nachtquartier zu nehmen und ihre Kleider zu wechſeln.

Ich nahm dieß Anerbieten mit Dank an, ging, um mich zu erwärmen, bei dem Lichte der Laternen zu Fuße, und einige Bauern blieben mit ihren La⸗ ternen zur Begleitung bei dem Wagen.

Als ich auf dem Gute ankam, fand ich ein er⸗ wärmtes Zimmer, und Wäſche und Kleidung, um mich umkleiden zu können. Dieß that mir unaus⸗ ſprechlich wohl.

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Nachdem ich die Kleider gewechſelt hatte, wurde ich befragt, ob ich lieber auf meinem Zimmer oder mit der Familie ſpeiſen wollte? Ich wählte das

letztere, weil ich ein inniges Verlangen empfand, den Mann näher kennen zu lernen, der mir ſo liebreich

das Leben gerettet hatte.

Ich wurde in ein Zimmer geführt, wo ich eine

Tafel ganz prunklos, aber anſtändig und reinlich gedeckt fand, um welche der Hausvater und die Haus, mutter mit ihren vier Kindern ſtanden, die mir alle

ihr herzliches Beileid wegen des erlittenen Unfalls

bezeigten.

Die Mahlzeit wurde, unter herzlichen Geſprächen

über Landwirthſchaft und uber die Verwuͤſtungen, welche der Krieg in den dortigen Gegenden ange⸗ richtet hatte, eingenommen. Sie würden länger ge⸗

gedauert haben, wenn meine Müdigkeit mich nicht

genöthigt hätte, bald meine Lagerſtätte zu ſuchen.

Den andern Morgen reiſte ich, unter Bezeigung

des herzlichſten Danks gegen dieſe gaſtfreie Familie,

wieder ab, und kam Tags darauf glücklich auf mei

nem Gute an, wo ich von allen Anverwandten auf das zärtlichſte, und von meinen Bauern mit lautem Jubel empfangen wurde. Die lange Entfernung vom Hauſe hatte mich allen werther gemacht, und ich erkannte auch darin ihre guten Wirkungen.

Die älteſte Tochter jenes gaſtfreien Ehepaars

hatte auf mich einen ſolchen Eindruck gemacht, daß

ich die Bekanntſchaft mit der Familie unterhielt. Wir lernten einander immer beſſer kennen; meine Ueberzeugung von der Rechtſchaffenheit dieſer Familie befeſtigte ſich immer mehr: bis endlich mein Munſch erfullt und die älteſte Tochter meine Frau wurde, mit welcher ich 25 Jahre hindurch eine glůckliche Ehe geführt habe.

Dieſe Geſchichte könnte leicht weiter ausgefuhrt werden; allein ſchon dieß Bruchſtück zeigt hinläng⸗ lich, wie man zum Umgange mit Gott gelangen und Gott allenthalben finden kann.

Gott iſt immer bei uns; er wirkt um uns, er ſpricht zu uns, lehrt, warnt und tröſtet uns; wenn wir aber ſeine Stimme immer vernehmen wol⸗ len: ſo muͤſſen wir auch aufmerkſam ſein, und uns dazu gewöhnen, bei allem, was wir um uns ſehen, und was uns begegnet, an Gott zu denken.

Der Glaube, daß Gott alles wiſſe, an allen Orten zugegen ſey, alle unſere Schickſale regiere, iſt, wie ich vorhin ſchon ſagte, ziemlich allgemein. Allein bei den Mehreſten iſt er ein todter Glaube, und bleibt ohne alle Wirkſamkeit auf das Herz. Wie

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