Ausgabe 
18.11.1843
 
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geiſtigen Gütern; aber auch ſparen können ſie an Criminalrichtern und Criminalgefängniſſen, an Zucht⸗ häuſern und Trankſteuerperſonal, an Landdragonern und Armenſteuer.

Die Geiſtlichen, welche ihres Meiſters Sinn und Geiſt haben, werden uns danken, wenn wir ihr Reich erweitern, und nur diejenigen Mitglieder dieſes Standes, welche unter den Fittigen der Kirche ihre Bequemlichkeits⸗Philoſophie nicht mehr anwenden koͤn⸗ nen, werden ſchreien, daß man ſie zu Staatszwecken be⸗ nutzen wolle. Wenn ſie darin eine Herabwürdigung ihres Standes finden, ſo verdienen ſie nicht, eines chriſtlichen Staates Diener zu ſein.

Unſer Fürſtenhaus fand einſt in Gründung von Univerſitäten als Berufsſchulen fuͤr den Beam⸗ tenſtand ſeinen Stolz; unter dem milden Scepter unſres verehrten Landesvaters wurden Fortbildungs⸗ ſchulen ſür den höheren Gewerbſtand geſchaffen, zum allgemeinen Fortſchritt aller Klaſſen traten nützliche Vereine ins Leben, erhielt Kirche und Volksſchule ihre Organiſation. Möchte darum durch die Fort⸗ bildungsſchule die Volksſchule mit andern Bildungs- anſtalten in Einklang kommen, und ſo des armen verlaſſenen Volkes ſich angenommen werden. Unſre oberen Schulbehörden mögen über Einrichtung der Fortbildungsſchulen das Nöthige anordnen; daß ſie aber in allen Orten des Landes, wo Volksſchulen ſind, errichtet werden, darum wollen wir unſren erhabenen Fürſten erſuchen.

Der freiheitsſtolze Britte hält die Schulpflichtig⸗ keit für eine phantaſtiſche Idee, der Gallier und Belgier meinen, ſolche Dinge ſeien eines freien Volkes unwürdig, wir Deutſche wollen die Schul⸗ pflichtigkeit weiter ausdehnen. Die Erwerbung des Bürgerrechts im chriſtlichen Staate ſei ihre, Grenze, ihr Ziel. Vorwärts! e

Die Jubelfeier des Hrn. Pfarrers Ebenau zu Florſtadt.

Mittwoch der 8. November war für die beiden Florſtadt ein eigenthümlicher Feſttag. Sie feierten nämlich das fünfzigjährige Dienſtjubiläum ihres ge⸗ liebten Seelenhirten, des Pfarrers Ebenau. Ueber ein Menſchenalter, 35 Jahre, wirkt er an dieſen beiden Orten, und man kann darum annehmen, daß er ſich ſeine gegenwärtige Gemeinde ſelbſt erzogen habe. Um ſo mehr war zu erwarten, daß dieſelbe den Tag, an welchem vor fünfzig Jahren der von allen, die ihn kennen, hochgeachtete würdige Mann in das Pfarramt eintrat, das er bei verſchiedenen Gemeinden treu und mit Liebe verwaltete, nicht ohne feſtliche Feier vorüber gehen laſſen werde. Und ſo iſt es auch geſchehen. Aber die Art, wie Florſtadt den Tag auszuzeichnen und ſeinen Seelenhirten zu ehren ſuchte, verdient öffentliche Erwähnung und Anerkennung.

Schon der Abend vor dem Feſttage wurde feier⸗ lich begangen und ſo der Feſttag ſeſbſt gleichſam

eingeleitet. Die erwachſene männliche Jugend hieht zu Ehren des Jubilars einen Fackelzug von dan Rathhauſe Unterflorſtadts an bis zum Pfarrhauſe, ſie einen Choral(Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren!) ſang. Der Jubilar trat herauz zu den jungen Leuten und dankte tief ergriffen. Mt dem Tagläuten des eigentlichen Feſttages hatte ſi; die Schul jugend vor dem Pfarrhauſe aufgeſtellt un! ſtimmte das LiedNoch läßt der Herr mich leben! an. So war die Feier begonnen, und die Gemeing bereitete ſich nun zur Kirche vor, die um 10 Uh gehalten werden ſollte. Viele Geiſtliche der Umge gend und andere Perſonen, die Theil nehmen wollten trafen trotz dem ungünſtigen Wetter ein. Zur ge nannten Stunde gieng unter dem Zuſammenläuter der Glocken der feierliche Zug zur Kirche vom Rath hauſe aus. Voran die feſtlich geſchmückte Schul jugend mit den ſämmtlichen Lehrern der beiden Flor ſtadt, dann der Großherz. Superintendent Simon von Gießen mit den auweſenden Geiſtlichen in ihren Amtstracht, hierauf der Großh. Kreisrath Küchler mit dem Bürgermeiſter und Gemeinderath, ſo wi dem Kirchen- und Schulvorſtande und wer ſich ſonſ dem Zug anſchloß. Am Pfarrhauſe nahmen ſie den Jubilar in Empfang und nun bewegte ſich der Zug zu der Kirche, auf deren Thurme die Orts fahne wehte. Die geräumige, freundliche Kirche war über, aus ſchön und feſtlich geſchmückt, die Säulen mit Tannenzweigen und Kränzen umwunden, Kanzel und Altar mit Laubwerk und Blumengewinden geziert, wozwiſchen oben die blinkende Inſchrift:Danket dem Herrn! Auf dem Altare drannten zu beiden Seiten des Cruciſirxes und des Bibelbuches zwei Wachskerzen. Die Kirche vermochte die Menge der Feſttheilnehmer und Andächtigen kaum zu faſſen. Das Altargebet nach dem Eingangsliede ſprach det Decan des Jubilars, der Großh. Kirchenrath Pilget von Friedberg, der zugleich einen Dankpfalm verlas. Nach dem Hauptliede hielt der Jubilar ſelbſt die Jubelpredigt über einen auf die Feier angewandten Text aus den Pſalmen. Die Aufmerkſamkeit und Stille, die die Anweſenden zeigten, ſo wie die Thrä⸗ nen der Rührung, welche aus Vieler Augen hervor brachen, beurkundeten die Theilnahme, welche auch der Jubilar mit herzlichen Worten anerkannte. Er ſprach einfach bibliſch, wie er zu ſeiner Gemeinde zu ſprechen gewohnt iſt, kräftig, herzlich. Er war dabei, wie ſich leicht denken läßt, tief ergriffen, mit ihm die Gemeinde; doch blieb ſeine Stimme feſt bis zu Ende. Nach der Predigt ſang die Schul jugend ein auf den Feſttag gedichtetes Feſtlied mehrſtimmig, Dann geleiteten der Großh. Superintendent und die beiden Decane Kirchenrath Pilger und Thudichum den Jubilar vor den Altar, vor welchem derſelbe

ſtehen blieb; hinter ihm traten die anweſenden Geiſt⸗

lichen in eine Reihe. Am Altar hielt Superintendenn

Simon, zwiſchen den beiden genannten Dreanen ſtehend, eine Feſtrede. Schön und kraftvoll ſtellte

er den würdigen, frommen Jubilar als Mann des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe dar, drückte

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