Intelligenzblatt
für die
Provinz Oberbeſſen in Allgemeinen,
Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
* 1.
Mittwoch, den 4. Januar
* 8 3 2 3 i a 3 5 3
D.„Intelligenzblatt für die Provinz Oberheſſen“ wird auch im Jahr 1843 wöchentlich zweimal erſcheinen und zwar ſo, daß es von den Bezirksboten des Kreiſes Friedberg den Dienſtag und Freitag Mittag hier in Empfang genommen bperden kann, während die Bezirksboten der Kreiſe Grünberg und Hungen die erforderlichen Cxemplare Dienſtags und
Freitags Abends von den großh. Poſtverwaltungen in Grünberg und Hungen erhalten.
Die Exemplare für Friedberg
und die nahe Umgegend werden Mittwochs und Samſtags Vormittags bier von mir ansgegeben.
Der Abonnementspreis, welcher ſtets beider Beſtellung zuentrichten i ſt, Groß mir, wie bisher, fuͤrſ1 Jabr 1
fl. 12 kr. für ½ Jabr 40 kr.— Durch alle Poſtverwaltungen des Gro Verfügung des hochlöblichen Oberpoſtamts zu Darmſtadt, pr. Jahr für 1 fl. 24 kr. und pr.
Die Eiurückungsgebübren betragen, wie bisher, für die erſte Zeile 4 kr., für die zweite 3 kr., fur die
iſt das Intelligenzblatt, nach einer
ede folgende 2 kr.— Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet.
herzogthums Heſſen
Semeſter für A8 kr. zu beziehen. dritte und
Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis den Sonntag Abend bei mir eingeben, finden in dem Mitt— wochs erſcheinenden Blatte eine Aufnabme; alle Inſerate, welche ich von dem Montag Morgen an bis den Mittwoch Abend halte, werden in das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen.
SGemeinnützige Aufſätze werden ſtets mit Dank fur mein Blatt angenommen werden.
Friedberg.
Carl Binder nagel.
Neujahr.
Wie ein Traumbild iſt das vergangene Jahr mit den letzten Schatten der Nacht entflohen;— ausge— ſtrichen aus unſerm Gedächtniſſe; wir leben voll hei⸗ erer Hoffnung bereits in dem neuen und vergeſſen gern das alte Jahr, wie einen alten Freund, der für immer in die Ferne zog.
Es iſt nicht recht; wir haben dem Vergangnen vorlaufig mehr zu danken als dem Künftigen und wenn nicht lauter glückliche Stunden, doch manches heil— ame Leid, doch manche beſtätigte Lebbe. Darum wäre es gut, wenn wir die erloſchenen Geſtalten der Ver— zangenheit neu belebt vor uns vorüberführten: was ſabe ich gelernt, gehört, geſehen, gethan, was bin ich zeworden in zwoͤlf Monaten? Aber des Menſchen Blick iſt ungeduldig voraus in die Zukunft gerichtet — eher als in die durchlaufene Vergangenheit. Wir fragen viel lieber: was wird kommen, als: was iſt dageweſen?
Vor wenig Stunden noch hörteſt du die letzten Räder der Maſchine ſchnurrend ablaufen— die Federn drückten, die Gewichte zogen, die Walzen drehten ſich und alles bereitet den letzten entſcheidenden Stunden⸗ ſchlag vor. Vielleicht warſt du in heiterer lauter Ge— ſellſchaft, vielleicht in engerem Kreiſe mit deinen Freun—
den, vielleicht erwarteteſt du auch allein in mancherlei Betrachtung verſenkt den erſten entſcheidenden Glocken— ſchlag. Ward dirs nicht, da die Minuten mit dem Zeiger deiner Uhr vorrückten, je näher, je unheim— licher, war dirs nicht, als müßteſt du gegen Ende die Zeit aufhalten in ihrem Lauf vor dem letzten entſcheidenden Schritt? Es iſt ein peinlicher Gedanke, daß wir mit den wie im Strome dahin gleitenden Jah— ren willenlos mit fortgeriſſen werden; verläuft nicht die Secunde, die Minute, während du dieſes lieſeſt, während ich dieſes ſchreibe unaufhaltſam? Sind wir arme Menſchen nicht in den Maſchen dieſes unzer— reißbaren Netzes, das wi: Zeit nennen, gefangen, wie unſer Körper an die Erde gefeſſelt iſt? Ohne Lücke, hinter der letzten Fußſpur des alten Jahres tritt das neue ein.— Wollen wir den alten Aberglauben ſchel— ten, der mindeſtens während des erſten Schlags der zwölften Stunde dem neuen Jahre unter den Schleier zu ſehen trachtet? Man ſagt daß junge Mädchen Blei gießen um aus den in abloöſchenden Waſſer ſich bildenden Formen den Stand oder das Geſchaſt des künftigen Gatten zu errratben— oder daß ſte mit einem Licht vor den Spiegel tretend, eine Frage laut ausſprechen, worauf der Künftige an der gegen— überſtehenden Thür den Kopf hereinſtecken wird. Weri⸗— ger heiter iſt die andre Sage, daß der, welcher um


