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dem Leben abgelernt haben, wie wir dem Leben nuͤtz⸗ lich ſein können. Wir Stände ſtreiten uns oft den Apoſteln gleich, Wer iſt der Größeſte unter uns? wo wir zuſammenhelfen ſollten. Warum betrach⸗ teſt Du o Landmann den nachdenkenden gebildeten rechtſchaffnen Mann mit Gleichgültigkeit, mit Miß⸗ trauen, warum Du Gebildeter, den fromm glauben— den und anſpruchloſen Landmann mit Vornehmthun, warum begegneſt Du o Schulmann, weil Du Me— thodik und Katechetik gelehrt worden biſt, auch dem nachdenkenden im Stillen ſtrebenden, an Gemüth und Menſchenfreundlichkeit reichen Geiſtlichen mit lächerlicher Kälte, warum begegnet mancher aber auch dem unverdroſſen, treu und begeiſtert für die Erziehung der Jugend eifernden Schulmann mit höh— nender Härte und Gewalt? Uns in einander, ins wirkliche Leben ſchicken, in demſelben jeder in ſeinem Beruf am gemeinſchaftlichen Wohl arbeiten, das iſt vernünftiger als ſich ſchelten, beſcheidner als ſich über Andre vermeſſen, ehrenwerther, als Alles loben, wie's nun iſt, wenn wir nur das liebe Brod finden. — Wodurch aber könnten wir ſo werden? dadurch daß, wie jene Landleute einen Leſeverein, um unter⸗ richteter zu werden, ſo alle Rechtſchaffnen und Ver— nünftigen in allen Ständen, einen Lebensverein bildeten,— aber ohne alle äußerliche Formen und Einrichtungen und Titel— um beſſer zu werden und dadurch beſſer zu machen. Dieſer Lebensverein beſteht in nichts Anderm als darin, daß ſich jeder in die edleren Bedurfniſſe und Verhältniſſe ſeiner Zeit hineinlebt, hineindenkt, ihnen ſein Leben weiht, und durch die Kennzeichen des Geiſtes, in jedem braven Manne, wer er auch ſei, einen mitſtrebenden erkennt und begrüßet. Was iſt dies aber nun An— ders, als was Chriſtus vor 1800 Jahren gelehrt hat, daß wir alle ſein ſollen ein Reich Gottes: und beten wir nicht alle: Dein Reich komme! auch ſind wir alle durch Geſchichte und Erfahrung genug— ſam belehrt, das Reich Gottes ſei,— den äußern Formen nach— niemals von dieſer Welt. L. W. Luck.
Nachtrag zu einer Berichtigung.
Erſt heute kam mir ein Artikel im vorigen Jahr— ang dieſer Blätter zu Geſicht, worin meiner in ſo fern gedacht wird, als man mich zu einer Wetter⸗ auer Lehrerverſammlung zu ſpät eingeladen hatte, was der Einſender dadurch zu entſchuldigen meint, „daß ich ja dem Volksſchullehrerſtande eigentlich gar nicht angehöre.“ Sonderbar! Wenn eine Geſell— ſchaft Jemanden, der ihrer Anſicht nach, eigentlich nicht zu ihr gehört, zu einer ihrer Verſammlungen einladet, ſo will ſie ihm damit eine beſondere Ehre und Aufmerkſamkeit erweiſen, wird alſo den Frem⸗ den gewiß ſorgfältiger einladen laſſen, als den Col⸗ legen, der als Bekannter eine Nachläſſigkeit überſe⸗ hen könnte, darf daher am allerwenigſten eine wirk— lich vorgekommene Vernachläſſigung ſelbſt damit ent⸗
ſchuldigen wollen,„daß er ja eigentlich doch nicht zur Geſellſchaft gehöre.“ Dann haͤtte man ihn doch lieber gar nicht einladen ſollen. Aus all dieſem folgte
denn nun viel eher, daß ich zu früh, als zu ſpät
einzuladen war, wenn man mir doch einmal die Ehre erzeigen wollte.— Was nun die Anſicht des Einſenders anlangt, daß ich eigentlich nicht zu ſei— nem Stande gehöre, ſo iſt nicht einzuſehen, wie er den Stand der Volksſchullehrer— der kein Stand, ſondern eine Beamtenklaſſe iſt— abgränzen will. Ich dächte die einfachſte Definition läge im Worte ſelbſt. Wenn nur die Zöglinge der Schullehrer⸗ Seminare als jene Standesgenoſſen betrachtet wer— den ſollen, ſo vergißt der Verfaſſer jener Berichti⸗ gung, daß viele Volksſchullehrer, welche das Semi— nar nicht beſuchten, damit ausgeſchloſſen wären; der vielen Schulſtellen in unſerm Lande, die wie z. B. die meinige nur mit Theologen beſetzt werden kön⸗ nen, gar nicht zu gedenken. Will aber der Verfaſſer vielleicht nach alter guter Weiſe eintheilen, in Lehr-, Wehr- und Nährſtand, ſo wird er doch bei dem erſtern die Geiſtlichen nicht vergeſſen wollen. So bin ich denn auf jede Weiſe, der oder die Einſen⸗ der— es ſollen mehrere geweſen ſein— mögen ſich die Sache denken, wie ſie wollen, ihr College und Amtsgenoſſe. C. F. Lauckhard 2ter Lehrer an der Muſterſchule zu Friedberg.
Eine Warnung.
Das Unglück, welches vor kurzem die franzöſiſche
Königsfamilie traf, veranlaßt mich eine Warnung, die ſchon oft ausgeſprochen wurde, hier zu wieder⸗ holen und den Leſern dieſes Blattes zu veranſchau⸗ lichen; die Warnung nämlich,„daß man beim Herausſpringen aus einem ſchnell dahin fahrenden Fuhrwerk ja nicht meinen ſoll unverſehrt zur Erde zu gelangen.“ Ein jeder bewegte Körper theilt dieſe ſeine Be⸗ wegung allen Theilen an ihm, und natürlich auch allen andern Körpern in und auf ihm mit; alſo theilen auch die in einem Wagen fahrenden Perſonen die Bewegung des Wagens nicht allein, ſondern auch die Geſchwindigkeit dieſer Bewegung. Jeder ruhende Körper ſetzt dem Bewegten ſeine Ruhe entgegen; ſo die ruhende Erde Demjenigen, der mit der Bewegung und Geſchwindigkeit eines dahin brauſenden Wagens, mit dem die Pferde durchgingen, auf den Boden ſpringt; er wird nicht mit dem Gewicht ſeines Kör⸗ pers, ſondern mit dem mitgetheilten Stoß des Wagens anprellen mit einer viel heftigern Gewalt, als der, welcher den gefährlichen Sprung wagen will, ſich in dem Augenblick vorſtellen kann. Daher mache man ſich doch zum feſten Grundſatz, bei durchgehenden Pferden nie das Fuhrwerk zu verlaſſen; die Gefahr umzuſtürzen oder geſchleift zu werden iſt ſelten ſo groß, während der Untergang des Herausſpringenden beinah unvermeidlich iſt.— Wäre der Herzog von Orleans nicht aus ſeinem Wagen geſprungen, ſo
ingelnen Cl 1 f. N 562 fl. 50 ll. Friedberg
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