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ntelligenzblatt
für die
Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen,
Kreiſe Friedberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 59.
Mittwoch, den 27.
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Amtlicher Theil.
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Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Hungen m ſaͤmmtliche Großh. Heſſ. Fürſtl. und Graͤfl. Solms. Burgermeiſter und Polizei-Commiſſaͤre dieſes Kreiſes.
Betreffend:
Die Wanderhuücher für die Handwerksgeſellen.
In Folge eingelangter höchſter Verfügung wird Ihnen zur Nachachtung eröffnet, daß für die Zu— lunft nur ſolchen Perſonen Winderbücher ausgeſtellt werden können, welche ſich darüber ausgewieſen haben, laß ſie ihre Profeſſion gehörig erlernt haben, wirkſam geimpft worden ſind, und weder ihre Militärpflicht och ſonſtige Hinderniſſe dem Wandern entgegenſtehen, auch deren Eltern und Vormünder nichts dabei u erinnern finden. In den von Ihnen deßhalb auszuſtellenden Beſcheinigungen iſt ſodaun jedesmal weiter einzugeben, wie lange der Petent etwa in ſeiner Heimath ſchon als Geſelle gearbeitet hat.
Hungen am 19. Juli 1842.
Follenius.
Das vierte Wetterauer Sängerfeſt zu Friedberg.
Am 17. Juli 1842 fah unſre Stadt in ihren Mauern ein ſchönes großartiges Feſt, das der Zu— ſhauer und Theilnehmer vielleicht ſpäter in ſeinen Hauptzügen noch einmal an der Erinnerung vorüber führen will, daher es nachſtehend, in kurzer Dar— ſellung, der Wetterauer Chronik hiermit einverleibt perden mag.
Am 14. wehten bereits die Fahnen, welche un— tre ankommenden Gäſte ſchon aus der Ferne begrü— ſen ſollten, auf den Thürmen der Burg und der Stadtkirche und bewillkommten zunaͤchſt die Gr. Heſſ. Hofkapellmuſiker, die am 16., Nachmittags 2 Uhr, in zwei feſtlich geſchmückten Wagen angelangt, ſo— fort in der Stadtkirche ihre Probe hielten. Am bend verkündete unter Kanonenſalven die Offen— lacher Regimentsmuſik das Feſt von der geſchmack— roll decorirten Feſtbühne herab.— Waͤhrend dieſer Korbereitungen hub das Leben in der Stadt an, ſch immer reger zu entfalten; Fremde kamen an und gingen ein und aus; die Hausfrauen waren immer noch für Küche und Keller bemüht; bei den
Fleiſchern hatten Meſſer und Beil, bei Schneidern und Putzmacherinnen die Nadel vollauf zu thun, bis in die tiefe Nacht; es wurden fortwährend Lebens— mittel zuſammengetragen. Die Häuſer auf der brei— ten Straße und dem Haag waren mit Maien, Feſtons, Fahnen und flatternden Wimpeln ſtattlich geſchmückt. Die Gemüther waren für den kommenden Tag auf's Angenehmſte erregt und geſpannt worden.
Am 17., Morgens 5 Uhr, meldete ein feierlicher Choral vom Burgkirchthurm herab den Anfang des Feſtes. Eine Menge ungeduldiger Zuſchauer ſpa— zierte ſchon um 6 Uhr die Straße auf und ab— dazwiſchen ritten die zum Empfang der auswärtigen Gäſte beſtimmten jüngern Bürger hin und her, theils um einander abzuholen, theils um ihre Pferde an ein dichtes Menſchengewühl und Böllerkanonaden zu gewöhnen.
Nach 8 Uhr ſetzte ſich der Zug den fremden Sän— ger, der ſich vor dem Mainzer Thor geordnet hatte, in Bewegung. Dem Zug voran ritt der Präſident des Feſtcomites, welcher die Ankommenden empfan— gen und bewillkemmt hatte. Ein ſchwarzes Gewim— mel füllte mit einemmal die Straße; Kopf an Kopf gings dem Zuge voran, nach dem Takte der Muſik,


