Ausgabe 
24.8.1842
 
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die neuſten Bluͤthen unſrer Zeitbildung in meiſter⸗ haft oberflächlicher Gewandtheit ſich aneignen.

Das Alles kann nun freilich niemand wehren, und kann auch nicht viel ſchaden. Mögen die Bie nen immer ſummen, zuweilen auch ſchwärmen; wenn ſie nur den Stand nicht verlaſſen, und viel des edlen Honigs geben. Freilich glaub ich, daß wir unter dem edlen Honig nicht blos den National- wohlſtand zu verſtehn haben, ſondern vielmehr das gei ſtig glückliche Leben des Velks; aller Stande, aller Menſchen in demſelben. Jene Oberflächlichkeit der Bildung hat aber doch wohl unſre teutſche Gründ lichkeit, von der wir vorhin geſprochen haben, noch lange nicht verdrängen konnen, wer auch ein mal leichtſinnig ſchwatzt mit der Welt, denkt doch gewiſſenhaft und ernſt, wenn er bei ſich ſelber iſt, und überlegt Alles aufs Genaueſte zu Hauſe. Das ſchwerſte Bier hat auch ſeinen Schaum, und der ernſte Deutſche iſt zuweilen auch gern ein Kindskopf. Doch iſts aber gerade in den ernſten Stunden der Einſamkeit Pflicht, ſich recht nachdenkend in unſre neue Zeit mit ihren mannichfaltigen neuen Einrich tungen hineinzudenken.

Den Verfaſſer dieſes rief vor wenigen Jahren ſein Geſchick in ein kleines, ſehr abgelegenes Dorf in der Provinz Starkenburg. Die Geiſtesthätigkeit der Einwohner war durch den Druck der Geſchäfte laſt gelähmt, und gränzte oft nahe an Geiſtestraͤg heit. Der Verfaſſer, von Ungeduld und Unruhe ge trieben, und nicht einſehend, wie dieſe Langſamkeit ſich ſelber beſchleunigen werde, machte daher den Verſuch eine Leſegeſellſchaft zu gründen. Schriften von Fürſt über die Landwirthſchaft, von Zſchokke uber die Volkswohlfahrt; das Goldmacherdorf; die Brandweinpeſt; Geſundheitskatechismen, Schriften über häusliche Erziehung und Gemeinde leben; Peſtalozzis Lienhard und Gertrud, Erbaauungsbücher, ſo z. B. das von dem Gymnaſial lehrer Sander in Karlsruhe, ſolche Schriften ſchlug er etlichen 12 Männern der Gemeinde, worunter Schullehrer, Bürgermeiſter, Kirchen- und Schulvor⸗ ſtände mitbegriffen waren, vor, durch gemein⸗ ſchaftliche Beiträge von 6 Kreuzern per Monat für das Mitglied, anzuſchaffen. Dieſe Bücher wurden in ſeiner, des Verfaſſers Behauſung anfgeſtellt, je des Mitglied erhielt eines derſelben auf 8 Tage zum keſen, nach deren Verlauf das Buch dem in der Reihe nachfolgenden verabreicht wurde, bis es ſeinen Kreislauf vollendet hatte, und in die Bibliothek zu⸗ ruͤckkehrte. Alle 8 Tage nun Mittwochs Abends ver ſammelten ſich die Mitglieder in der Behauſung des Einſenders; da wurden die Bücher gewechſelt, die Beiträge eingenommen, die Rechnung vorgelegt.

Es ſtand jedem frei auf beſonders ſchöne lehr reiche Stellen in dem von ihm geleſenen Buche hin⸗ zuweiſen, etwas daraus vorzuleſen oder vorleſen zu laſſen: auch die darin verhandelten Angelegen⸗ heiten ſelbſt, namentlich die Verhältniſſe der Land⸗ gemeinden und des häuslichen Lebens betreffende, zum Gegenſtaud der Unterredung vorzuſchlagen;

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ſeine Bedenken und Anſtände uber dieſes und jenes vorzubringen; über irgend einen wichtigen Gegen⸗ ſtand des Lebens ſelbſt zu ſprechen. Das Wichtigſte nun was ſich bei dieſen Geſprächen ergab, wurde in ei nem Protokollbuch niedergeſchrieben. Oft verfaßte der Vorſteher ſelbſt kleinere oder größere Aufſätze z. B. über die Stellung des Landmanns in dem Va terlande; über das rechte Verhältniß zu der Ge⸗ meindeobrigkeit, zu den Gemeindegliedern, zu Kirche und Schule, die er dann vorlas. Dieſe Leſege ſellſchaft, welche von den kirchlichen Vorgeſetzten ge kannt und gebilligt war; das Verzeichniß der jährlich angeſchafften Bücher wurde jedesmal dem grßhzl. Decanat mitgetheilt heſtand während der zwei Winter, die ich an dieſem Orte zubrachte; in den Sommerhalbjahren wurden die Verſammlun gen der Arbeit wegen ausgeſetzt. Obgleich nach Allem oben Geſagten die Gemeinde nicht zu den weltlich Gewandteſten gehoͤrte, ſo war es doch der gute, ernſte Wille, das Gefühl und die Einſicht von ihrem Mangel in geiſtiger Bildung, Erziehungskunſt und allem was nicht zum Bauern, ſondern zum Men⸗ ſchen gehört, was ſie zu dieſem Vereine ſo willig machte. Wenn nun auch von demſelben niemals in Zeitungen etwas berichtet worden; ſo glaud' ich mich doch hinſichtlich des Erfolgs des Einen getröſten zu konnen, daß dadurch, vereinigt mit der eigentlichen Berufsthätigkeit und ſonſtigen gelegentlichen Geſprä⸗ chen der Gemeinde wenigſtens die Augen der Er kenntniß über einen gewiſſen althergebrachten Schlen drian im häuslichen Erziehungsweſen aufgegangen ſeien, daß ſie Zutrauen gewonnen zu meinem guten Willen, Sinn für das was über Feld und Vieh hinausgeht, und die Ueberzeugung, daß das Chriſtenthum nur dann eine ſegensreiche Religion iſt, wenn es das Gemüth lebendig erfüllt, und unmittel⸗ bar auf alle Verhältniſſe des Lebens angewandt wird. (Schluß folgt.)

Ausbleiben der Nidda und Erdbeben im

Januar 1619. (Eingeſandt von Dr.-g).

Auf dem weißen Blatte hinter einem Exemplar ven Sebaſtian Franck's Chronica, welches vom 4. März 1615 an Johannes Bickerich Inwohner zu Bonames, einer der vom Biſchof Schweickhardt 1605 aus Urſel vertriebenen Proteſtanten, im Be⸗ ſitze hatte, finde ich zwei für uns Wetterauer in⸗ tereſſannte Naturereigniſſe aufgeſchrieben, über welche vielleicht Jemand aus anderweitigen Aufzeichnungen nähere Auskunft zu geben vermag. Die beiden No- tizen, von welchen die zweite die erſte erklärt, lauten:

Anno 1619 den 19 Januarii, iſt die Niedt auß Plieben, vnd haben die müller, nicht mahlen Künden, von morgen ahn 7 Vhr, biß vmb achte, iſt daß Waſſer Wieder in Seinen ſtaden Kommen. Anno 1619 den 20 Jener iſt ein groſes Erdbe ben ergangen daß die menſchen haben gemeint der Jüngſte tag Sey vor handen vnd in groſen ſchrecken Kommen.

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