5 Intelligenzblatt
0 Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen, 8 12 die 2 Kreiſe Friedberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Mittwoch, den 24. Auguſt
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N 3— 10 ku 8 3 a Oberwöllſtadt den 20. Auguſt 1842. den Hoſentaſchen tragen, oder an Orte legen, wohin 12. Aug. Am 16 Auguſt des Nachmittags gegen 4 Uhr die Sonne kommen kann. 1. 43 fn wurden wir durch Feuerlärm erſchreckt. In einem 1 1 am Gaſthauſe des Joſeph Diehl angefahrenen Wa— ef ate 2 dderg um gen war Feuer ausgebrochen, und hatte in einem Ueber Leſegeſellſchaften. 8 10 5 Momente die ganze Ladung ergriffen. Die Gefahr Die menſchliche Geſellſchaft iſt auf die Gemein— 1842. war groß, weil der Wagen dicht vor den Gebäuden ſchaft unſrer leiblichen und geiſtigen Bedürfniſſe, 8 des Diehliſchen Gaſthauſes ſtand, und durch die enge auf die Aehnlichkeit unſrer leiblichen und geiſtigen
Ortsſtraße vor den Ort gebracht werden mußte. Dennoch gelang es der angeſtrengten Thätigkeit der zahlreich herbeigeeilten Einwohner nach kurzer Zeit des Feuers Herr zu werden, und die Waaren— welche theils mehr theils minder beſchädigt wurden— zu retten.
Die Ladung beſtand in einer großen Quantität Zucker, Kalbfellen, Leinwand, Wollenzeugen, Farb— waaren und mehreren Fäßchen Spiritus und Liqueurs, auch einem Faß Soda ꝛc.
Der Fuhrmann heißt Sauer und iſt aus Kaſſel. Die Waaren gehörten nach Frankfurt, wohin ſie auch in der Folge abgingen.
Die Gerüchte über Entſtehung des Feuers ſind verſchieden. Wie es heißt ſo ſoll es durch einen Schmiedgeſellen entſtanden ſeyn, welcher am Wagen etwas zu repariren hatte, und mit glühendem Eiſen ſich demſelben näherte; Andere ſagen, Kinder hätten dort mit Zündhölzchen geſpielt und ſo den Wagen angeſteckt. Möchte doch dieſer Vorfall allen Leſern, groß und klein, die Gefahr recht lebhaft vor Augen führen in der wir, beidem ungewöhnlich heißen Sommer, täglich und ſtündlich ſchweben und ſie zur Erueuung des Vorſatzes führen, mit unausge— ſetzter Vorſicht auf alle entzündlichen Stoffe ihrer Umgebung acht zu haben. Wer kann ſich in dieſer gefährlichen Zeit ſchlafen legen, ohne die Ueberzeu— gung, daß Feuer und Lichter im Hauſe gelöſcht ſind? Wer wird in einem Hauſe, wo Zündhölzchen— dieſes gefährliche Feuerzeug— gebraucht werden, Kindern oder dem Geſinde dieſelben zur Auſbewahrung an— dertrauen? wie man denn hort, daß Knechte ſie in
Natur gegründet. Unſre Sprache, unſre Sitten und Einrichtungen ſind gemeinſchaftlich entſtanden durch das Leben unfrer Vorfahren.— In Teutſch— land waren die verſchiedenen Stände der menſchli— chen Geſellſchaft zwar nie feindſelig im Kampf ge— geneinander, aber doch ſtreng von einander geſchie— den, und ſtreug abgemeſſen in den herkömmlichen Verhältniſſen. Jeder Stand glaubte ſich ſelbſt genug zu ſein, nur in ſich ſelber leben zu müſſen, und der Andern nicht zu bedürfen. Das hatte ſein Entes und ſein Böſes: ſein Gutes darin, daß in Teutſch— land keine herkömmliche Ordnung, keine Standes— ſitte, ſo lange noch ein Fäſerchen Gutes daran iſt, bei Seite geſchoben werden darf, ſein Böſes, inſo— fern dadurch die deutſche Unbeholfenheit und Eng— herzigkeit ſehr ins Weite ging und noch geht.— Durch die franzöſiſche Revolution und Napoleons Eroberungskriege, durch die Auflöſung des tent⸗ ſchen Reichs und die Herſtellung conſtitutioneller Staaten, durch die Wirkſamkeit unſrer teutſchen Claſſiker und eine freiſinnigere Denkungsweiſe, durch den Fortſchritt der Induſtrie, der Gewerke und des Handels, durch unſre beſſren Schuleinrichtungen, und freieren Gemeindeverfaſſungen hat ſich nun freilich die teutſche Denkungsweiſe gewaltig und bis ins Kloinſte hinein geändert. Selbſt diejenigen, die nicht klar zu ſagen wiſſen, was ſie eigentlich denken und glauben, ſehen ſoviel doch ein, daß die Zeit eine andere geworden iſt, daß ſie daher auch ein andres Benehmen zeigen müſſen. Wir wollen auf Einzel⸗ nes nicht eingehen, dem Kalb nicht ins Auge ſchla⸗ gen, aber wir ſehen doch überhaupt unſte Zeitgenoſſen,


