Der wilde Ochſe in Deutſchland.
Unter den in Nr. 54. des Intelligenzblattes er⸗ wähnten aufgefundenen merkwürdigen Hoͤrnern aus früher Zeit werden einige für das Innere der Büf⸗ felochſen⸗Hörner gehalten, wobei aber der Ein⸗ ſender des Artikels vorſichtig bemerkt,„man möchte ſie eher für die des Auerochſen halten.“ Sind dieſe Hörner wirklich, wie weiter bemerkt iſt und wohl außer Zweifel ſtehen dürfte, aus der Zeit, wo die Römer in unſrer Gegend waren, ſo hat der Einſender Recht. Man findet zwar auch häufig in den deutſchen Geſchichtsbüchern erzählt, in den deut— ſchen Urwäldern ſei der Büffelochſe oder Büffel wild umher gelaufen; aber auch geſcheide Leute können ſich irren und bei den Herren, die Bücher ſchreiben, iſt nicht alles wahr, was ſie ſagen. So hier mit dem Büffel. In unſerm alten Deutſch— land nämlich gab es nur zwei Arten wilder Ochſen, welche in den Wäldern lebten und auf welche unſre Vorfahren Jagd machten. Dieß waren der Ur, auch Urochs und Auerochs genannt, und der Wiſent oder, wenn wir das Wort nach unſrer jetztigen Schreibweiſe ſchreiben wollen, Wieſent, welches Thier eine etwas vom Auerochſen abwei— chende Ochſenart geweſen zu ſein ſcheint mit einer buckelartigen Rückenerhöhung. Uebrigens haben beide Arten Mähnen oder wenigſtens Haare, die ſo aus— ſehen, und die Hörner des Auerochſen ſtehen auf einer breiten Stirne weit von einander, ſind mäßig und mondfoͤrmig nach innen und oben gebogen; die Hörner des Wiſentes aber ſcheinen faſt noch kräfti— ger und ſtärker geweſen zu ſein, denn man höhlte ſie aus und blies darauf, und von ihrem Schalle wird erzählt, daß er furchtbar krachend und dröh— nend geweſen ſei. So leſen wir z. B. in unſerm berühmteſten alten Gedichte, dem Nibelungenliede, der trefflichſte und mächtigſte deutſche Held, König Dietrich von Bern, habe einſtmals in einem Saale gerufen, daß ſeine Stimme gelautet habe, wie ein Wiſentshorn und daß die weite Burg von ſeiner Kraft erſchollen ſei. Wie aber kam die Verwechſe—⸗ lung des Auerochſen mit dem Büffel und warum kann dieſer nicht in Deutſchland gehauſt haben? Die Verwechſelung kommt auf Schuld der Römer, wie wir aus des Römers Plinius Naturgeſchichte deutlich erſehen können, und daß der Büffel in dem alten Deutſchland nicht ſeyn konnte, geht daraus hervor, daß er urſprünglich ein oſtindiſches Thier iſt und, wie uns der Longobarden-Geſchichtſchreiber Paul Warnefrid erzählt, erſt im ſechsten Jahrhun⸗ dert nach Chriſti Geburt nach Griechenland und Italien kam.
Dabei kann ich aber folgendes nicht unerwähnt laſſen. Mancher, der hochdeutſch ſpricht und ſich etwas darauf einbildet, pflegt die Naſe zu rümpfen oder wohl gar zu lachen, wenn wir Wetterauer die Auer ſagen, wo er die Uhr ſagt, und meint, wir ſprächen baͤueriſch, und er ſelbſt macht doch ein ganz gleich lautendes Wort, Urochs, zu Auerochs.
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Wir Wetterauer haben dießmal unſer Wort beſſer gemacht, als er, und ſprechen dasſelbe den Geſetzen der Sprache nach richtiger, als es geſchrieben wird; doch müſſen wir unſer Recht aufgeben und Uhr ſchreiben, weil es einmal in allen Büchern ſo ſteht, ausgenommen in denen unſeres gelehrten Wetterauers Alberus, der ſchreibt auch Aur. Was aber die— ſer im Jahr 1540 thun konnte, das geht jetzt nicht mehr, wenn wir nicht wider den Strom ſchwimmen wollen.—g—.
Herr Michel.
Michel war des alten Pachters Merten Knecht; Doch nach wenig Wochen fand er nichts mehr recht; Kuchen mager, Butter alt, g Betten hart und Stuben kalt.
Wenn die Erbſenſchüſſel auf dem Tiſch erſchien, Tunkt er ſeinen Löffel umgewandt darin, Und dann ſprach er ſpöttiglich: „Klebſt du dran, ſo eß ich dich.
Bald des Dienens müde, blickt er ſtolz umher, Nahm ein Weib und ſagte:„Vin nun felber Herr. Doch ſo mancher Jugendtraum Iſt oft nur ein bunter Schaum.
Ach das eigne Tiſchchen deckt ſich nicht ſo leicht, Wie's am fremden Heerde manchem Michel daͤucht; Auch der unſ're fand ums Jahr Dieſen Spruch nur allzu wahr.
Sehnte ſich mit Schmerzen, aber nun zu ſpaͤt, Nach der Erbſenſchüſſel und dem harten Bett; Immer größer ward die Noth Und die Sorg' um's trockne Brod.
Und zum alten Herren tritt er flehend ein, Einen halben Scheffel Erbſen wollt' er leihn. Jener ſchweigt und fuͤhret ihn Nach der Vorrathskammer hin.
Hier am Erbſenhaufen ſtehn ſie ſtill und ſtumm; Marten, vor dem Scheffel, kehrt die Schaufel um, Stößt ſie ein und ſpricht für ſich:
„Klebſt du dran, ſo meß ich dich.“
Michel weint; der Alte ſiehts und ſpricht mit Ernſt „Wohl dir, wenn du weinen und dich beſſern lernſt, Nimm die Erbſen zum Geſchenk,
Und ſei meiner eingedenk!“
Dächten alle Brüder Michels früh genug An den Erbſenhaufen und den Doppelſpruch: Klebſt du dran, ſo eß ich dich;
Klebſt du dran, ſo meß ich dich.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
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