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kannſt du dich ihm nähern. Wir ſind in ihm, und er in uns; aber geiſtig, indem wir ihn ahnen, füh⸗ len, wiſſen. Wer ihn dunkel weiß, der iſt ferner von ihm, als wer ihn klar und warm im Herzen fühlt. So ſtrebe denn zu dieſem vollen Bewußtſein hinan; vertiefe dich in den vollkommenſten Geiſt, mit dem der deine zuſammenhängt, immer mehr; verſenke dich in dieſe Geiſtestiefe, in dieſes Meer von Wonne und Seeligkeit und du wirſt ſtark und kräftig, zu allem Guten tuͤchtig, freudig zu jeder Tugend aus ihm emportauchen, du wirſt gefunden haben, was du ſuchteſt, den Frieden in Gott. Und könnteſt du dieſes nicht? Siehe er iſt nicht ferne von einem jeglichen unter uns; in ihm leben, weben und ſind wir. Siehe doch ſeine Werke an, die wie ein großes Buch täglich vor dir ausgebreitet liegen, und aus denen er dich anſchaut und zu dir redet und du wollteſt ihn nicht verſtehen? Frage doch dein Inneres, es wird dir antworten; leſe doch in ſeinem geſchriebenen Worte, es wird dich belehren. Was kuͤmmern dich die Spötter? Was können dir die Leichtfertigen anhaben? Fliehe aber auch die Kalten, die Verſtändigen; ſie könnten dich irren, wenn du ihre Armuth nicht bemerkteſt. Ach was können dieſe Armen dir geben? Sie ſtecken ihre Windlichter auf in dem heiligen Dunkel des Glau bens: hier ein Licht, und dort ein Licht erhellen ſie die Straßenecken und Pflaſterſteine; und dieſe kaum; machen durch den grellen Contraſt von Licht und Finſterniß die Nacht nur noch ſchwärzer, blenden dein Auge und verwirren den Sinn. Indem ſie das Einzelne erhellen, verfinſtern ſie das Ganze, weil ſie Alles zu erleuchten nicht die Macht haben. Das Einzelne aber, das du aus dem Zuſammen hange nimmſt, iſt eine arme Lüge. Verkenne in⸗ deſſen darum den Freund der Wahrheit nicht, der mit dem Lichte des Evangeliums ſtreitet gegen die Finſterniß des Aberglaubens, gegen die Heuchelei und Selbſtſucht der Tugendſtolzen; du erkenneſt ihn an der rechten Menſchenliebe, an dem wahren Chri ſtenſinne, dem die lebensmatte ſauerſehende Tugend ſo ferne iſt, wie die hohle kalte Geiſtesarmuth, ſon dern Licht und Kraft allerwege, und ein freudiges Leben in dem Herrn. Zeitliches Glück und irdiſche Freuden verweichlichen uns und wiegen uns leicht in den Schlummer der Sicherheit. Wen daher die Freuden verwöhnten, und die Leiden des Lebens nur leiſe berührten, der kennt vielleicht die Sehnſucht nach dem Frieden der Seele nicht. Wen aber ein langer gewaltiger Schmerz heimſuchte, wem der

bleiche Gram wie ein trüber trauriger Freund viele Nächte lang am Lager ſaß, und die ſcharfe Dornen⸗ krone immer tiefer in die weiche Stirne drückte; der kennt einen Frieden nach der Arbeit, und eine Ruhe nach dem Streit; und wenn er den Glauben nicht verlor, wenn ihn das Vertrauen auf den Alllieben⸗ den nicht verließ, ſo hat er ihn gefunden, jenen ſeeli⸗ gen Frieden und ſpricht:

Hoff' nur bedrängte Seele

Hoff' und ſei unverzagt;

Was dich auch immer qguaͤle,

Ein ſchönrer Morgen tagt!

Gott läßt nicht von den Seinen,

Erwarte nur die Zeit:

Dir wird die Sonne ſcheinen

Mit neuer Heiterkeit.

Das Lied der Freundſchaft).

Der Menſch hat nichts ſo eigen, So wohl ſteht ihm nichts an, Als daß er Treu' erzeugen, Und Freundſchaft halten kannz Wenn er mit ſeines Gleichen Soll treten in ein Band, Verſpricht er, nicht zu weichen, Mit Herzen, Mund und Hand.

Die Red' iſt uns gegeben,

Damit wir nicht allein

Für uns nur ſollen leben Und fern von Leuten ſein. Wir ſollen uns befragen

Und ſehn auf guten Rath, Das Leid einander klagen, So uns betreten hat.

Was kann die Freude machen, Die Einſamkeit verhehlt? Das giebt ein doppelt Lachen, Das Freunden wird erzählt. Der kann ſein Leid vergeſſen, Der es von Herzen klagt; Den wird der Kummer freſſen, Der ins Geheim ſich nagt.

Gott ſtehet mir vor Allen, Die meine Seele liebt; Dann ſoll mir auch gefallen,

3) Der Verfaſſer Simon Dach ein faſt ganz vergeſſnet Dichter wurde geb. den 29. Juli 1605 zu Memel; wurde 1633 Kollaborator an der königl. Domſchule zu Magdeburg, 1636 Conrektor allda; 1639 durch den get ßen Kurfuͤrſten, von welchem er ſpäter das Gütchen Cuxheim zum Geſchenk erhielt, zum Profeſſor der Poeſſe in Königsberg befördert, ſtarb den 15. April 1659 an Hypochondrie und Schwindſucht, nachdem er smal Decaf Und 1656 Rektor der Univerſität geweſen.

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