Ausgabe 
14.12.1842
 
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Intelligenzblatt

fur die

Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen, Kreiſe Friedberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

* 99.

Mittwoch, den 14. Dezember

1842.

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Die Commiſſion unſrer Kleinkinderbewahran ſtalt zunaͤchſt an die verehrlichen Mitglieder, welche dieſelbe durch ihre wohlwollenden Bei⸗ träge nicht nur mit ins Leben gerufen, ſon dern ſie bisher unterſtuͤtzt und unterhalten haben, wie auch an alle Menſchenfreunde, die ſich fur eine ſolche heilſame Anſtalt in tereſſiren.

Thue Rechnung von deinem Haushalten!

Dieſer ernſte Ruf erſchallt von dem Herrn aller Herren am Ende dieſes verhängniß- und bedeutungs⸗ vollen Jahres an jeden Hausvater, dem er Kräfte und Vermögen gab, für ſeine Familie in geiſtiger und körperlicher Hinſicht auf's Gewiſſenhafteſte zu ſorgen; er erſchallt an jedes Bureau und Comp⸗ toir der verſchiedenſten Beamten und Geſchäftsleute, die wenig oder viel zu verwalten haben, ob dieſes Verwalten treu und redlich geſchehen iſt; er er⸗ ſchallt in jede Unterrichts- und Erziehungsanſtalt, an jeden Vorſteher und Lehrer derſelben, ob ſie mit Treue und Gewiſſenhaftigkeit, mit Freudigkeit, Muth, Auf⸗ opferung und Ausdauer das geiſtige und körperliche Wohl der ihnen anvertrauten Zöglinge gegründet, befeſtigt und in allem Guten fortſchreitend beſorgt haben; er erſchallt an jeden Einzelnen in jedem

Alter, Stand und Beruf, ob er das ihm geliehene Pfund vervielfältigt zuruͤckgeben kann; er erſchallt

beſonders auch an die Vorſteberinnen und Vorſteher unſrer Kleinkinderbewahranſtalt, und darüber ſind wir verpflichtet, und von uns ſelbſt aufgefordet unſern verehrten Mitbürgern hiermit Rechenſchaft abzulegen, wie das, was ſie zu dieſer ſo ſchoͤnen, ſo erfreulichen Anſtalt(ſie hat jetzt zwiſchen 30 und 40 kleiner Kinder) beitragen, auch in dem bald zurückgelegten Jahre verwendet wurde. Sie fragen uns mit Recht, wie ſieht es aus: Erſtens, in Anſehung des Körper- lichen und zweitens, in Anſehung des Geiſtigen dieſer zarten Pflänzchen in dieſem Gottesgarten?

Mit Freuden anworten wir ihnen, daß die Pfle⸗ gerinn mit ihrer Gehülfinn Alles gethan hat, was der Kleinen körperliches Wohl befördern konnte; ſie ſorgten für Abwechſelung im Sitzen, Laufen, Sprin⸗ gen, Spielen, Spazierengehen an ſchönen Frühlings⸗ und Sommertagen, für Reinlichkeit an Körper und Kleidern und fuͤr Stärkung des Körpers durch nahr hafte Suppen und gutes Brod.

Daß dieß alles auf den Geiſt der Kleinen den wohlthätigſten Einfluß hat eweiſt ihr ſteten Froh ſinn und ihre Heiterkeit.

Speciell wurde aber auch zur allmähligen Ent⸗ wickelung ihres Geiſtes noch beſonders geſorgt durch lehrreiche Erzählungen, durch richtiges Sprechen, durch Auswendiglernen und Singen von für ihr Alter paſſenden Liedern. Auch wird ihre Hand ge übt im Nachbilden von Linien und einfachen Figuren, und ſie werden auf dieſe Art zum Schreibunterrichte vorbereitet. Ein beſonderes Glück iſt den Kleinen auch dadurch zu Theil geworder, daß ſich ein neuer Kinderfreund in der Perſon des Herrn Ta ubſtummen⸗ Lehrers Schäfer ihrer freundlich und unentgeltlich annimmt, indem er ſie beinahe täglich 1 oder 75 Stunde in der Anſchauung von allen möglichen Ge genſtänden, die ihnen zu Geſicht gebracht, oder in Bildern gezeigt werden können, uͤbt, und die von ihnen ſelbſt beobachteten Eigenſchaften an denſelben richtig ſprechen lehrt, ſowohl in einzelnen Wörtern, als in einfachen Sätzen. Ferner lehrt er ſie neue Lieder ſingen und verſtehen, und bildet ſo durch dieſe zweckmäßigen Unterhaltungen Herz, Gemüth und Ver⸗ ſtand dieſer lieben Kleinen. Auch wird er denſelben am erſten Weihnachtsfeſte eine Freude mit verſchie⸗ denen von unſern Taubſtummen unter ſeiner An weiſung und Leitung verfertigten Papparbeiten ma chen. Welche herrliche Zwecke werden dadurch an vollſinnigen und taubſtummen Kindern erreicht!

So geſtaltete ſich in dieſem Jahre alles zum Beßten dieſer ſchönen und nützlichen Anſtalt unter Gottes Beiſtand.

Aber wie ſteht es mit dem Haben und Sollen?