Ausgabe 
3.8.1842
 
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Auguſt 1842 7 Sugßkach.

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Intelligenzblatt

für die

Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 61.

Ein Feſt der Dankbarkeit.

Es ſind nicht immer die großen Thaten ausge⸗ eichneter Menſchen der Gegenwart, oder die Schick⸗ tale ganzer Länder und Nationen, die unſer In⸗ tereſſe in Anſpruch nehmen viele Zeitungsnach ſichten ſind uns ganz gleichgültig; ſondern oft ſt es das unbekannte Verdienſt, das, durch Zufall ur Oeffentlichkeit gelangt, uns gerade durch ſeine Inſpruchloſigkeit und Einfachheit zu rühren vermag. Einen Beleg hierzu bildet nachſtehende Notiz aus inſerer Nachbarſchaft.

Am 8. Juli l. J. feierte der Präceptor Zinßer u Södel ſeinen 70. Geburtstag. Die Schuljugend begrüßte den ehrwürdigen Greis des Morgens vor ſtiner Wohnung mit Glückwünſchen und Blumen⸗ bänzen; verſchiedene überreichte Geſchenke ſollten die zeichen ihrer Liebe und Dankbarkeit ſein. Der alte Mann war aufs Tiefſte ergriffen und ließ die Schul⸗ inder durch ſeinen ihm als Gehülfen beigegebenen Enkel zu einem Spaziergang in den Wald einladen, wozu ſich Nachmittags um 2 Uhr auch Alle zuſam⸗ tenfanden. Nachdem dort die Jugend, welche von rem Lehrer aufs Beßte bewirthet wurde, ſich bei füööhlichen Spielen und Liedern einige Stunden dem ſiterſten Frohſinn überlaſſen hatte, zog die glückliche Geſellſchaft gegen Abend wieder nach Hauſe. Am Schulhauſe empfing der größte Theil der Gemeinde ren theuren Lehrer mit Glückwünſchen, und nach Abſingung des LiedesDanket dem Herrn u. w. trennten ſich Alle, die Herzen erfullt mit den ehebenſten Gefühlen.

Dieſe Beweiſe liebender Anerkennung waren dem herch einen harten Verluſt tief gebeugten alten anne gewiß ein ſuͤßer Troſt, und ließen ihn den

Mittwoch, den 3. Auguſt

1842.

Schmerz um einen theuern Sohn auf einige Stun⸗ den vergeſſen. Möge der Reſt ſeines Lebensabends heiter ſein, und ſein Ende ein ſanftes Hinuberſchlum- mern zum ſeeligen Erwachen! Das Amt eines Schullehrers iſt ſchwer und dornenvoll; wie ſchön, wenn eine einſſchtsvolle Gemeinde langjährige unbe⸗ zahlbare Verdienſte zu ſchätzen weiß, und dem wür⸗ digen Lehrer ſeine vielen Mühen und Arbeiten durch Liebe und Anerkennung zu vergelten ſucht! G. M.

Zur Geſchichte der Stadt Friedberg.

Vor dreihundert Jahren, als Friedberg noch eine freie Reichsſtadt war, und zum öfteren Mißhellig⸗ keiten zwiſchen dem Burggrafen und dem Stadtrath vorfielen, ernannte der Kaiſer einſt zwei Commiſſäre, den Grafen von Seyn, Ludwig, und Eberhard von Solms, welche mehrere, zur Klage gekommene Strei⸗ tigkeiten ſchlichten und vergleichen ſollten. Wir be⸗ ſitzen darüber eine gedruckte Urkunde, aus der wir das Weſentlichſte, das vielleicht manchen Bewohner Friedbergs intereſſirt, nachſtehend mittheilen.

Der Vergleich geſchah den 9. Juli 1571.

Die Stadt hatte beim Kaiſer geklagt:

1. Die Burg habe die Sandgaſſe und die Seer⸗ pforte durch Anlegung von verſchließbaren Schlägen in ihren Bezirk gezogen, während doch beide im Bienfang der Stadt gelegen; ferner hätte man den Bürgern den Weinſchank vor der Burg verbo ten, dagegen die Burgmänner zwiſchen Weihnachten und Faſtnacht in der Stadt nach Gefallen Wein ausſchenken laſſen; desgleichen auch einen Schwein⸗ ſtall am Seer Thor in Beſitz genommen, und mft Stacketen umgeben; ebenſo vor dem Barfuͤßer Klo⸗ ſter Halsgericht gehalten und in die gezogenen Schran⸗ ken eigenmächtig zwei Lindenbäume geſetzt.

2. Der Burggraf habe die Judengaſſe, wo der Rath die Rechtspflege zu üben, die Behde und den