naͤchſten Wirthſchaftsjahr der Erwerbsquell wieder reichlich ſprudle.— Doch auch ſie ſollen Dank haben fur ihre Schonung; nur mögen ſie für ihren Erfin— dungsgeiſt ſich eine Zeitlang andre Gegenſtände ausſuchen. Möchten die Polizeibehörden hierbei thätig ſeyn! Butzbach im Juni 1841. 5 L. Steinberger, Conrector.
Wir wollen hier unſern Leſern noch mittheilen, was Hebel über den Maulwurf ſagt.
Unter allen Thieren, die ihre Jungen ſäugen, iſt der pee das einzige, das ſeiner Nahrung allein in dunkeln Gängen unter der Erde nachgeht.
Und an dem einen iſt's zu viel, wird Mancher ſagen, der an ſeine Felder und Wieſen denkt, wie ſie mit Maulwurfs⸗Hügeln bedeckt ſind, wie der Boden zerwühlt und durchlöchert wird, wie die Ge— wächſe oben abſterben, wenn das heimtückiſche Thier unten an den Wurzeln weidet.
Nun ſo wollen wir denn Gericht halten über den Miſſethäter.
Wahr iſt es, und nicht zu läugnen, daß er durch ſeine unterirdiſchen Gänge hin und wieder den Bo— den durchwühlt, und ihm etwas von ſeiner Feſtig— keit raubt.
Wahr iſt es ferner, daß durch die herausge— ſtoßenen Grundhaufen viel fruchtbares Land bedeckt, und die darunter liegenden Keime im Wachsthum gehindert, ja erſtickt werden können. Dafür iſt je⸗ doch in einer fleißigen Hand der Rechen gut.
Aber wer hat's geſehen, daß der Maulwurf die Wurzeln abfrißt? wer kann's behaupten?
Nun, man ſagt ſo: Wo die Wurzeln abgenagt
ſind und die Pflanzen ſterben, wird man auch Maul⸗
würfe finden; und wo keine Maulwürfe ſind, ge⸗ ſchieht das auch nicht. Folglich thuts der Maul⸗ wurf.— Der das ſagt, iſt vermuthlich der Näm⸗ liche, der einmal ſo behauptet hat: Wenn im Früh⸗ linge die Fröſche zeitlich quaken, ſo ſchlägt auch das Laub bei Zeiten aus. Wenn aber die Fröſche lange nicht quaken wollen, ſo will auch das Laub nicht kommen. Folglich quaken die Fröſche das Laub heraus.— Seht doch, wie man ſich irren kann!
Aber da kommt ein Advokat des Maulwurfs, ein erfahrner Landwirth und Naturbeobachter, der ſagt ſo:
„Nicht der Maulwurf frißt die Wurzeln ab, „ſondern die Quadten oder die Engerlinge, die unter „der Erde ſind, aus welchen hernach die Maikäfer „und anderes Ungeziefer kommen. Der Maulwurf „aber frißt die Quadten, und reinigt den Boden von „ dieſen Feinden.“
Jetzt wird es alſo begreiflich, daß der Maul- wurf immer da iſt, wo das Gras und die Pflanzen krank ſind und abſterben, weil die Quadten da ſind, denen er nachgeht und ſie verfolgt. Und dann muß er's gethan haben, was dieſe anſtellen, und bekommt
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für eine Wohlthat, die er euch erweiſen will, des Henkers Dank. 5 B a
„Das hat wieder einer in der Stube erfunden, oder aus Büchern gelernt, werdet ihr ſagen, der noch keinen Maulwurf geſehen hat.“—
Halt, guter Freund! der das ſagt, kennt den Maulwurf beſſer als ihr alle und eure beßten Scheer mäuſer, wie ihr ſogleich ſehen werdet. Denn ihr 95 zweierlei Proben anſtellen, ob er die Wahrheit agt.
„Erſtlich, wenn ihr dem Maulwurf in den Mund
ſchaut.“ Denn alle vierfüßigen oder Saäugethiere, welche die Natur zum Nagen am Pflanzenwerk beſtellt hat, haben in jeder Kinnlade, oben und unten, nur zwei einzige und zwar ſcharfe Vorderzähne, und gar keine Eckzähne, ſondern eine Lücke bis zu den Stockzähnen. Alle Raubthiere aber, welche andere Thiere fangen und freſſen, haben ſechs oder mehr ſpitzige Vorderzaͤhne, dann Eckzähne auf beiden Sei⸗ ten, und hinter dieſen zahlreiche Stockzähne, wenn ihr nun das Gebiß eines Maulwurfs betrachtet, ſo werdet ihr finden: Er hat in der obern Kinnlade ſechs und in der untern acht ſpitzige Vorderzähne und hinter denſelben Eckzaͤhne auf allen vier Seiten, und daraus folgt: Er iſt kein Thier, das an Pflan⸗ zen nagt, ſondern ein kleines Raubthier, das andere Thiere frißt.
„Zweitens, wenn ihr einem getödteten Maul⸗ wurf den Bauch aufſchneidet, und in den Magen ſchaut.“ Denn was er frißt, muß er im Magen haben, und was er im Magen hat, muß er gefreſſen haben. Nun werdet ihr, wenn ihr die Probe machen wollt, nie Wurzelfaſern oder ſo etwas in dem Ma⸗ gen des Maulwurfs finden, aber immer die Häute von Engerlingen, Regenwürmern und anderm Unge⸗ ziefer, das unter der Erde lebt..
Wie ſieht's jetzt aus?
Wenn ihr alſo den Maulwurf recht fleißig ver⸗ folgt, und mit Stumpf und Stiel vertilgen wollt, ſo thut ihr euch ſelbſt den größten Schaden und den Engerlingen den größten Geſallen. Da können ſie alsdann ohne Gefahr eure Wieſen und Felder ver⸗ wüſten, wachſen und gedeihen, und im Frühjahr kommt alsdann der Maikäſer, frißt euch die Bäume kahl wie Beſenreis, und bringt euch zur Vergeltung auch des Gukuks Dank und Lohn.
So ſieht's aus.
Für die Kaſſe taubſtummer Komfirmanden iſt ferner eingegangen: Von einem Ungenannten 1 fl. 36 kr.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
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Bekanntmachung
(812) Auf Anſtehen des Eigenthümers ſoll die dem Bürgermeiſter Jakob Scheuner in Bruchenbrücken


