Jahren Tambour unter den pfälziſchen Truppen geweſen. Als ein kleiner Knabe hütete er bei ſeinen Verwandten im Odenwald das Vieh; doch hatten ihn ſeine Eltern zur Schule gehalten, und auch ge— ſorgt, daß er zu Heilbronn confirmirt wurde. Er kann demnach leſen und auch ſchreiben, welches ihm nachher im Dienſte, wie er rühmte, ſehr zu ſtatten gekommen. Sein Vater war Wachtmeiſter unter den pfälziſchen gelben Dragonern, und diente mit ſeinen zehn Söhnen unter dieſem Regimente; der eilfte oder jüngſte war unſer Johann Heinrich Lauf, der lag damals noch wohlgemuth auf der Waide bei ſeinem Vieh. Jetzt aber öffnete ſich ihm eine Thür. Der Tambour Lavis, ein froͤmmeln⸗ der braver Menſch, der nicht zum Soldaten geboren war, vertraute Laufs Vater, daß er geſonnen ſey, ſeine alten Tage in einem Kloſter zu beſchließen; er möge doch ſeinen jüngſten Sohn an ſeiner Stelle Tambour werden laſſen. Der Vater nahm den Vorſchlag mit beiden Haͤnden an, und ſein Sohn, Johann Heinrich, ward im zehnten Jahr Trom⸗ melſchläger der ebengedachten Dragoner, oder des Graf Wittgenſteiniſchen Regiments.
Nach einem zehnjährigen Dienſt mochte es doch dem Vater wohl einfallen, daß ein Handwerk einen goldenen Boden habe; wenigſtens that er dieſen ſei⸗ nen jüngſten Sohn nach Sachſenhauſen, bei Frankfurt a. M., zu einem Bäcker, um das Bäcker⸗ handwerk zu erlernen. Hier hätte nun unſer Lauf wohl eine ganz andere Richtung auf der Bahn durch das Erdenleben bekommen; der Leidensbecher wäre wohl minder bitter für ihn geweſen, und der Kum⸗ merwolken weniger an ſeinem Horizonte; allein ſein Unſtern, oder vielmehr ſeine vielgeliebte Baſe, er— wies ihm das Freundſchaftsſtück, ihn den Preußen um 40 Thaler zu verkaufen. Dieſes geſchah im Wirthshaus zum Paradies in Sachſenhauſen, wo ihn die Preußen knebelten und banden; der Werb⸗ Lieutenant habe Struͤnke geheißen und wäre aus Nürnberg geweſen. An dieſe Scene erinnert ſich Lauf ſelten ohne einige Erbitterung, und wird das Andenken an ſchlechte Behandlung mit ins Grab nehmen.
So war Lauf nun wieder in optima forma Soldat; und hiermit beginnt eine neue Periode ſei⸗ nes Lebens. Die Preußen transportirten ihn nach Weſel, wo er unter das Graf Golziſche Regi⸗ ment kam, und daſelbſt zwei Jahre lag. Er kam nachher mit eben dieſem Regimente nach Perlburg (Perleberg) in der Prignitz, zu liegen, und hier nahm er ſeine erſte Frau. Sie war aus Büches, einem hieſigen Dorfe, und Wittwe mit zwei Kindern; denn ihren Mann hatten die Kölner erſchlagen, als er daſelbſt auf Werbung geſtanden. Dieſer gab er das Lob, ſie ſey eine uͤberaus fleißige Frau geweſen, die für die Soldaten gewaſchen und genäht und damit viel Geld verdient habe. Als er acht Jahre unter
den Preußen geweſen, ließ er ſich durch zwei Hol—
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länder zu einer Deſertion überreden. Dieſes fingen ſie folgendermaßen an: Er ſchickte ſeine Frau Abends, damit ſie nicht ſeinetwegen in Ungelegenheit kommen ſollte, mit einem Scheffel Roggen in die Muͤhle, nahm dann mit ſeinen Kameraden die Flucht über die Stadtmauer, und ſo entwiſchten ſie glücklich mit dem anhabenden Seitengewehr. Ein Schneider zu Grabau gab ihnen andere Kleider, und in Lübeck warb ſie ein däniſcher Unteroffizier, mit Namens Pelt, unter die Dänen an. Ich bemerke mit Fleiß dergleichen unbedeutende Namen, um das gute Ge⸗ dächtniß des alten Mannes einigermaßen abnehmen zu können.
Ich könnte noch mehrere intereſſante Umſtände anführen, wie er z. B. zu Perleberg zu Jeder⸗ manns Erſtaunen und zur Freude ſeines Chefs, ſo große Fiſche gefangen; wie er zweimal mit auf den Wallfiſchfang gefahren, wie er der Eroberung von Stralſund mit beigewohnt; desgleichen, wie ſie auch einmal von dem ſchwediſchen General Steinbock tüchtig wären geſchlagen worden; und wie ſie, auf Befehl des Unterkönigs, Grafen von Reventlau, Tönningen, im Herzogthum Schle⸗ ſien, geplündert, da es ihm nicht einmal zehn Gul⸗ den getragen; alles dieſes üͤbergehe ich, und ver⸗ weile lieber noch ein wenig bei der traurigſten Haupt⸗ epoche in dem Lauf'ſchen Leben.
Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
Edictalladung.
(983) Der großh. Bürgermeiſter Jacob Scheuner zu Bruchenbrücken hat zum Zwecke eines beabſichtig⸗ ten Arrangements mit ſeinen Gläubigern um deren Zuſammenberufung nachgeſucht und es iſt gleichzeitig eine Unterſuchung des Vermögens- und Schulden⸗ zuſtandes des gedachten Jacob Scheuner verfügt worden. Alle, welche Anſprüche irgend einer Arz an denſelben zu haben vermeinen, werden daher anmit aufgefordert, ſolche ſo gewiß Mittwoch den 29. September, Morgens 8 Uhr, hier anzuzeigen, als ſonſt beim Zuſtandekommen eines Stundungs- oder Nachlaß-Vertrages keine Rückſicht auf ſie genommen resp. ſie an die Beſchlüſſe der Mehrheit der erſcheinenden Gläubiger gebunden werden erachtet werden. Friedberg den 28. Auguſt 1841. Gr. heſſ. gr. Iſenb.-Waͤchtersb. Landgericht Hofmann. Edictalladung.
(1041) Johannes Schimpf, Sohn des Jacob Schimpf zu Niederweiſel, geboren am 16. Oktober 1755 ſoll ſeit vielen Jahren abweſend ſeyn, ohne Nachricht von ſich gegeben zu haben. Auf Antrag der Betheiligten werden Johannes Schimpf, deſſen
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