Ausgabe 
22.5.1841
 
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10. Mai: 4 4 206

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wartungen der Landleute.

Intelligenzblatt

für die

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im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M21. Sonnabend,

den 22. Mai 1841.

Die Wetterau in der Mitte des Mai.

Unſere herrlichen Frühlingstage verwandelten ſich ſchnell in Sommertage, wie wohl dieſes Jahr anderwärts auch der Fall geweſen ſeyn mag. Leider entſprachen nicht alle dieſe Sommertage den Er Schon das war Vielen unangenehm, daß an mehreren Orten die Waizen äcker umgepflügt werden mußten, weil der Winter die Ausſaat zerſtört hatte. Daß die dafür eingeſäete Gerſte den Verluſt der erſten Ausſaat erſetzt, moge der Himmel geben.

Dann ſind wir mit einer ungeheuern Maſſe von allerlei Inſekten heimgeſucht. Die Maikäfer haben hier und dort ganze Eichwäldchen und Obſtgärten entlaubt. An einigen Gegenden ließ man ſich die Mühen und Koſten nicht verdrießen und Maikäfer um Geld ſammeln. In Rodheim unter Andern ſollen viele Malter bereits eingebracht worden ſeyn. Wird auch nicht alles Uebel dadurch verhindert,

ſo wird doch vieles Unangenehme verhütet, und es

freut uns allemal, wenn wir vernehmen, daß die Menſchen von ihrer Seite das Ihrige thun, um Natur⸗Uebel abzuwenden. Erreichen ſie auch nicht mmer oder nicht vollſtändig ihren Zweck, ſo können ſe wenigſtens mit dem Bewußtſein ſich beruhigen, vaß ſie gethan haben, was ihnen als Weſen obliegt, welchen Gott Verſtand und andere Kräſte des Koͤr vers und Geiſtes verliehen hat.

Möchten wir das von Allen ſagen können! Möchte ramentlich jeder Baumbeſitzer zur rechten Zeit(im Herbſte) ſeine Bäume gegen den Froſtſchmetter⸗ ing geſchützt haben; denn auch dieſer wüthete wie erum in zahlloſer Menge an den Blüthen und ungen Zweigen, vorzugsweiſe der Apfelbäume. Sodann ſchadet auch dieſes Jahr der Apfel⸗ züſſelkafer, der ſich ebenfalls bei der günſtigen

Zeit in großer Menge an den Bäumen einſtellte, denſelben auf eine ſehr empfindliche Weiſe. Ueber⸗ haupt lockte der ſchöne Frühling eine Menge Inſekten hervor, welche ſonſt in ſolcher Zahl nicht leicht ſich zeigen, und, wenn nicht eine Zeitlang kühle und naſſe Witterung eintritt, ſo werden ſie uns noch mehr Schaden bringen. Beſonders müſſen wir ge⸗ deihlichen Regen für unſere Kleeäcker wünſchen, die an gar manchen Orten eben nicht ſehr erfreulich ſtehen. Auch die Sommerfrüchte werden ohne einen ſolchen lange das nicht werden, was, ſie werden könnten. Darum wollen wir aber nicht verzweifeln; Manches ſteht auf unſern Feldern ſehr gut, und wir hoffen, da der Boden gehörig erwärmt iſt, we⸗ nigſtens auf eine reichliche Erndte an Korn.(Seit dem 18. iſt gedeihliche Witterung eingetreten.)

Wie man ein Volk ſingen lehrt.

Dir haben unſern Leſern neulich erzählt, was ein Narr in einer Gemeinde fur Unheil anſtiften kann, wenn ſſe nicht auf ihrer Hut iſt. Heute wollen wir denſelben erzaͤhlen, was ein verſtändiger Mann Gutes ſtiftet, wenn er Kraft und Willen dazu hat. Folgendes erzählt Herr Mainzer zu Paris, ein Schüler unſeres ausgezeichneten Rinck, in der Vorrede zu seiner neuen Geſaͤnglehre.

Es herrſchte von jeher in Paris das Vorurtheil, daß das franzöſiſche Volk zum Geſange ganz un tauglich ſey; das wilde Geſchrei, das man des Abends allenthalben auf den Straßen hörte, und was man ſingen nannte, galt bis heute als Beweis dieſer Ausſage.Euer Volk ſingt nicht, ſagte ich zu mehreren franzöſiſchen Componiſten, weil man es nie ſingen gelehrt hat. Dieſe behaupteten dagegen, ihrer Nation fehlten alle muſikaliſchen Anlagen.Ich will euch das Gegentheil davon beweiſen, ſagte ich und machte an den Straßenecken von Paris auf