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7) Bellersheim, 8) Birklar, 9) Muſchen⸗ heim nebſt 1 Muͤhle, 10) Bettenhauſen, 11) Gambach nebſt 3 Mühlen, 12) Holzheim, 130 Griedel nebſt 1 Hofe und 3 Mühlen, 14) Dorf⸗ gill nebſt dem Hofgill und 1 Mühle, 15) Wöͤl⸗ fersheim, 10) Weckesheim, 17) Obbornhofen, 18) Trais⸗Münzenberg(zu Einem Viertheil), 19) Grüningen, 20) Münzenberg etwas we⸗ miger als ein Drittheil, nämlich 7/8). Die andern ſolms⸗braunfelſiſchen Beſitzungen ſind unter preußi⸗ ſcher Hoheit und gehören zum Kreiſe Wetzlar.
Das boͤſe Gewiſſen.
Unſere Leſer werden ſich noch der bekannten Ge⸗ ſchichte erinnern, wie ein junger Menſch in Holland ſeinen Herrn und Wohlthäter auf der Reiſe ermor⸗ dete, ſeiner Schätze beraubte und mit dem Raube glücklich ſich uach England flüchtete, dort in einem Städtchen ſich anſiedelte, nach und nach mit ſeinen Schätzen hervortrat, zu noch groͤßerem Reichthume und durch ſeine Aufführung zu ſolchem Anſehen ge— langte, daß er mehrere Aemter bekleidete und end- lich als Geſchworner Beiſitzer bei einem Gerichte wurde, in welchem über einen Knecht das Urtheil gefällt werden ſollte, der angeklagt war, ſeinen Herrn ermordet zu haben; wie der Geſchworne dann nach einem heftigen inneren Kampfe ſich vor die Schranken warf, und vom böſen Gewiſſen über⸗ wältigt, der eigne Angeber einer Schandthat werden mußte, die er mehr als dreißig Jahre vorher be⸗ gangen hatte und deren Entdeckung keinem Menſchen gelungen wäre.
Vor einiger Zeit las Schreiber dieſes eine an— dere Erzählung, die nicht minder die Macht des böſen Gewiſſens bewährt und die er den Leſern dieſes Blattes erzählen zu muͤſſen glaubt.
Ein reicher Arzt, Berthold Kuffner zu Frei⸗ burg, ſaß bei einer Flaſche Wein wohlgemuth in ſeinem Studirzimmer, als er den Beſuch von einem fremden jungen Manne erhielt, der ſich durch einen Brief als einen Verwandten auswies und die Er⸗ klärung gab, er ſei ein reiſender Maler. Kuffner hieß den Fremden freundlich und herzlich willkom⸗ men, und es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß unter ſolchen Umſtänden der Stuhl für ihn her⸗ bei gerückt, ein Gläschen geholt und Einmal über das andere Mal gefuͤllt und geleert wurde. Einem Arzte, der ſo oft und mit ſo vielen Leuten ſprechen muß, fehlts bekanntlich ſelten an Stoff zur Unter⸗ haltung, und ſo war's auch hier der Fall, und ſchien Kuffnern um ſo mehr Pflicht, bei dem fremden Vetter anzuknüpfen, als dieſer etwas ver⸗ legen um ſich ſchaute, wie es ſchien nach den Ske⸗ letten, die im Zimmer prunkten, und deren Anblick
dem Arzte zwar ganz angenehm ſeyn mag, aber
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ſchwerlich einem andern Chriſtenmenſchen.„Laßt euch, ſagte Kuffner, von dem Nachbarsmanne nicht irre machen; der thut euch nichts mehr. Bei ſeinen Lebenszeiten war er zwar ein Räuberhauptmann und als ſolcher ein gefährlicher Menſch; jetzt thut ihm aber, wie ihr ſeht, kein Zahn mehr wehe, noch viel weniger wird er Andern wehe thun. Vergeßt aber dabei das Trinken nicht, lieber Vetter und Maler.“ Und dabei wurde angeſtoßen und getrun⸗ ken und noch einmal getrunken.„Einen ſchönen, kräftigen Körperbau hatte der Burſche gehabt,“ fuhr Kuffner weiter fort zu ſeinem immer ängſtlicher um ſich ſchauenden Gaſte freundlich zu ſprechen;„ſeht nur, ihr ſeyd ja ein Maler, was ein ſchönes Ver⸗ hältniz der Knochen, und was das für Fäuſte ge⸗ weſen ſeyn müſſen und für kräftige Arme!“— Der redſeligſte Mann ſpricht ſich aber am Ende fertig, wenn der Andere nicht gleichen Schritt hält, oder wenn, wie hier der Fall war, die Ermüdung von den Tagesgeſchäften und die Wirkung des köͤſtlichen Markgräflers die Augenlieder ſchließen. Es dauerte nicht lange, ſo fing Kuffner ſein Schlummerchen an, wie's dem Herrn A. und B. manchmal auch paſſirt, wenn ſie ein Gläschen mehr getrunken haben und im gepolſterten Sorgenſeſſel ausruhen. Deſto mehr war der Gaſt wach und bei der Hand; der will die Gelegenheit benutzen und wendet ſich mit der einen Hand nach Kuffner, wahrſcheinlich nach deſſen Taſche; weil er aber zu weit greift, wendet ſich ſein Fuß zurück und berührt das Geſtell des Skelettes, das nun plötzlich das Gleichgewicht verliert und mit ſeinen kalten knöchernen Fingern nach dem Gaſte zufährt, als wollte es ihm eine handgreifliche Lieb⸗ koſung zukommem laſſen. Als aber der Gaſt die „unnahbaren“ Hände fühlte, war es ihm, als wollte ihm Hören und Sehen vergehen; er fing ſo laut an zu ſchreien, daß Kuffner erwachte und nun begann zu tröſten und zu beruhigen. Es wollte aber Alles nichts helfen.
„Herr,“ ſchrie in der höoͤchſten Todesangſt der Fremde,„ich muß Alles geſtehen, ich bin Ihr Vetter nicht; ich bin ein Räuber und ein Geſelle weiland dieſes Räuberhauptmannes, und der Brief, den ich Ihnen überreichte, iſt auch falſch; er ſollte mich nur einführen, damit ich Gelegenheit hätte, Sie zu berauben. Draußen warten die Andern. Aber ich kann nicht mehr. Als ich einſt mit dieſem da(er deutete auf das Skelett) beiſammen ſaß und nichts von einem andern Leben und einer Vergeltung nach dem Tode wiſſen wollte, da ſagte er mir: „Nun, wenn ich, wie's wahrſcheinlich iſt, vor dir abgehen muß, ſo will ich dir ein Zeichen geben. Das Zeichen iſt geſchehen, ich habe keine Ruhe mehr; meine Stunde iſt gekommen und ich muß vor dem Richterſtuhle Gottes erſcheinen.“
Der Lärm hatte längſt die Leute im Hauſe zu⸗ ſammen gerufen. Das waren lauter Zeugen ſeiner


