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Zur wetterauer Chronik.(140
Am Sonntag(12. Sept.) beſuchte eine Jungfrau zu Homburg den Tanz, was in unſerer Wetterau nichts Seltenes iſt, von uns auch nicht erwähnt worden wäre, wenn ſich nichts Ernſteres daran knüpfte. Um 1 Uhr kehrte ſie nach Hauſe zurück und begibt ſich zur Ruhe. Des Morgens fällt den Eltern auf, daß ſie ſo lange ſchläft. Man geht in ihr Schlafgemach, um ſie zu wecken, und— findet ſie todt.
Mittwoch den 15. Sept. fand zu Friedberg in der ſog. Burgkirche bei einer zahlreichen Ver⸗ ſammlung, worunter wohl 50— 60 Geiſtliche aus der Umgegend, die feierliche Entlaſſung der Zög— linge des evangeliſchen Prediger-Seminars ſtatt. Diesmal hielt zuerſt Herr Prof. Fertſch einen Vor— trag, worauf Herr Direktor Crößmann die Ent— laſſung vornahm. Herr Candidat Trainer ſprach die Abſchiedsworte.
Am Mittage verſammelte ſich zu einem Mahle eine große Anzahl von Männern aus der Stadt und Umgegend, wovon der größte Theil aus den Geiſtlichen beſtand, welche der Entlaſſungsfeier bei— gewohnt hatten.
Die uſinger Gamaſchen. Sendſchreiben eines Uſingers an die Bewohner der Wetterau.
Liebe Nachbarn! Seitdem uns keine Zollſchran— ken mehr trennen, welche die freundliche Fürſorge unſerer Regierungen gebrochen hat, ſeitdem beſſere Verbindungswege aus Eurer ſchönen und reichen Heimath in unſere Gegend fuͤhren, und hoffentlich auch bald aus unſerer Gegend in Eure führen wer— den, ſeitdem wir uns jedes Jahr zu gemeinſchaft— licher ächtdeutſcher Freude bei den„wetterauer Sängerfeſten“ vereinen, ſeitdem in dem Lande zwi— ſchen dem weithinſchauenden Taunus- und dem Röhngebirge ſich mehrere öffentliche Blätter begrün— det haben, die trefflich geeignet ſind, die Gedanken auszutauſchen und den Verkehr zu beleben, ſeit die— ſer erſt ſeit einigen Jahren beginnenden glücklichen Zeit kann auch ein Bewohner des Amtes Uſingen es wagen, an Euch als liebe Nachbarn zu Gunſten ſeiner nächſten Heimath ein freundliches Sendſchrei—⸗ ben zu richten.—
Ihr alle, die ihr meine Heimath kennt, wißt es wohl, daß die Natur bei Vertheilung ihrer Gaben gegen uns nicht ſo gütig war, als gegen Euch.— Was ihre geheimen Gründe geweſen ſind, unterſuche ich nicht; aber gewiß iſt, daß, während aus dem reichen Boden der Wetterau die Salzquellen und Geſundbrunnen ſprudeln und die Braunkohlenberg— werke einen großen Ertrag geben, der ſich vielleicht nie erſchöpft, während das ganze Land von Fried⸗
berg bis nach Alsfeld im Sommer einem Meer von goldnen Saaten gleicht und dort die Bäume blühen, wenn uns der Schnee noch nicht verlaſſen hat, wir dagegen mit einem rauhen Himmel und ſteinigen Boden zu kämpfen haben, keine Salz- und Mine— ralquellen finden würden, und wollten wir den ar— teſiſchen Bohrer 10,000 Fuß in die Erde ſenken, und über der Erde ſuchen müſſen, was wir unter der— ſelben nicht finden können.—
Unſer Fleiß muß uns gewähren, was uns die Natur verſagt; die Fabriken und Webſtühle müſſen uns liefern, was Euch die Natur ſo freigebig ſpen— det.— Weil aber das Fabrikat, welches eine Haupt⸗ erwerbsquelle des Amtes Uſingen macht,„die uſinger Gamaſchen“ in der Wetterau wenig bekannt ſcheinen, ohngeachtet ihrer Dauer, des Schutzes, den ſie gegen Naͤſſe und Kälte gewähren, ihrer Schönheit und außerordentlichen Wohlfeilheit, ſo habe ich mir er— laubt, in dieſem vielgeleſenen Blatte die Ueberzeu— gung auszuſprechen, daß es für den Forſtmann und Jagdliebhaber, für den Bergmann und Jeden, der bei kalter und naſſer Jahreszeit Fußreiſen macht, ſowie für den Landmann ganz beſonders keine beſſere Fußbekleidung geben kann, als dieſe ſogenannten „uſinger Gamaſchen“, die bei uns in verſchiedener Größe gearbeitet werden und denen auf Verlangen jede beliebige Form gegeben werden kann.— In der Hoffnung, daß dieſe Worte Einiges zur Be— kanntwerdung dieſes nützlichen Fabrikates in der Wetterau beitragen werden, und in der Ueberzeu— gung, daß Jeder, der ſich einmal an dieſe Tracht gewöhnt hat, mir Dank ſagen wird, empfehle ich zu Beſtellungen im Großen und Kleinen Herrn Fabrikanten Ohli zu Uſingen, als einen pünkt— lichen, ehrlichen und betriebſamen Mann.—
Der Kohlenbergmann.
Ein Kohlenbergmann bin ich ja, Sein Lob erſchallet fern und nah'; Der Kohlenbergmann iſt bekannt Bei Jung und Alt im ganzen Land; Und das mit Recht, denn ihm gebührt Die Chre, daß man nicht erfriert.
Wie wär's, ſchafft' ich jetzt Kohlen nicht, Da's überall an Holz gebricht? Was finge doch wohl mancher Mann Bei ſtrenger Winter-Kälte an? Der Becker, Brauer, Schuſter, Schmied, Und Koch und Schneider, Alles litt! Beim Kohlenfeuer aber, ſeht! Die Arbeit gut von Statten geht, Und trägt ein Jeder ſeinen Lohn Gemächlich und vergnügt davon. Ich aber fördre aus dem Schacht, Was Manches Arbeit leichter macht.
Aus den Grubenklängen.


