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haben, die mancherlei Kräfte zu üben, die uns der Schöpfer mitgetheilt hat. Das ſchöne Verslein
„Zur Arbeit, nicht zum Müßiggang,
Sind wir, o Herr, auf Erden;
Drum laß mich doch mein Leben lang
Kein Müßiggänger werden“* iſt ihnen allen im Gedaͤchtniß, und darum ſieht man auch, beſonders in unſerer lieben Wetterau, von Morgens früh bis Abends ſpät, die Menſchen thaͤtig und geſchäftig, und es iſt für den Menſchenfreund eine wahre Freude, wenn er es in Stadt und Dorf, in Feld und Wald ſo recht wimmeln ſieht, wie die Ameiſen am freundlichen Sommertage, als wollten ſie heute Alles beendigen und es wäre morgen keine Zeit mehr zur Arbeit. Das iſt eben, was man Fleiß nennt, der mehr thut, als er zu thun ſchuldig iſt, und der arbeitet, weil es ihm unmöglich iſt, muͤßig zu ſeyn, und weil ihm die Arbeit nach und nach zur andern Natur geworden iſt.
Fragen wir aber dieſe emſigen Menſchen:„War— um arbeitet ihr denn eigentlich?“ ſo wird wohl Mancher von den vielen fleißigen Leuten einen Au— genblick inne halten und uns verwundert anſchauen. „Eine dumme Frage,“ ſagt dann der Eine, und fährt nun in ſeiner Arbeit wieder fort, als ärgerte er ſich über den Augenblick, den er durch das Umdrehen ver⸗ loren. Ein Anderer lächelt, als wollt' er ſagen, es müſſe in dem Kopfe deſſen, der die Frage gethan, nicht ganz richtig ſeyn. Dagegen ſtellt der Dritte ſeine Hacke oder ſeinen Spaten einen Augenblick hin, und indem er ſich mit dem Ellenbogen darauf ſtützt, fängt er an, darüber nachzudenken. So ganz verkehrt iſt die Frage am Ende doch nicht, meint er, und es lohnt ſich wohl der Mühe, ſie genauer zu überdenken und zu beantworten.
Warum der Sclave arbeitet? das iſt bald be— antwortet. Wenn die Peitſche ſeines harten Auf— ſehers nicht wäre, würde er das Arbeiten bald ein- ſtellen und ſich unter einem ſchattigen Baume aus— ruhen, auch wohl ein wenig einſchlummern, um dann von glücklichern Zeiten zu träumen, wo noch kein Dränger und Treiber ihn mit der Peitſche zur Ar— beit ſchlug. Aber iſt denn mancher Knecht, manche Magd aus einer andern Urſache fleißig, als weil der Herr oder die Herrin ſie drängen oder fertzu— jagen drohen, falls ſie ihr Tagewerk nicht vollenden? Ja, ſieht man nicht dieſen und jenen Schulknaben nur ſeine Schularbeiten vollenden, weil er ſich vor der ihm angedrohten Strafe fürchtet?— Gibts nicht ſogar Staatsdiener, die nur arbeiten, weil es ihnen befohlen iſt, und weil ſie ihr Pöſtchen zu ver— lieren fürchten, wenn ſie nicht fleißig wären?
Warum arbeitet man alſo?— Aus keiner an— dern Urſache als aus Furcht vor Strafe. Das iſt eine ſehr gewöhnliche aber auch eine ſehr gemeine Urſache. Es kommt mir dabei immer vor, als ſäh' ich einen Hund im Rad gehen, oder den Eſel mit dem Sack ſpringen oder den Bären tanzen. Alles,
was der Art die Thiere thun, geſchieht aus Furcht vor Strafe. Wollen wir Menſchen uns in dieſe Reihe ſtellen?
Nein, bei Weitem der größte Theil der Menſchen treibt ſich ſelbſt zur Arbeit an und warum?— Weil ſeit Adams Fall ihm beſtimmt wurde, daß er unter dem Schweiße ſeines Antlitzes ſein Brod eſſen ſoll. Er arbeitet, weil er nicht Hungers ſter— ben will. Da regt ſichs und wegt ſichs unter den Menſchen früh und ſpät; da wird geſucht und ge⸗ fragt, wo's etwas zu verdienen gibt, und wenn ſich ein neuer Weg geöffnet hat, wie man„ſein Brod verdienen“ kann, ſo ſtrömt Alles hin und ſchlägt ihn ein. Das iſt aber nicht der Taglöhner al— lein, der dieſe große Heerſtraße betritt, um ſein Brod zu verdienen; da iſt Vornehm und Gering unter einander und alles durch einander: der Hand— werker, der Künſtler, der Kaufmann, der Soldat und von den Studirenden eine Unzahl. Der Eine widmet ſich der Theologie, um bald eine Pfarrei zu bekommen, die ihm„ſein Brod“ verſchafft, der andere der Rechtsgelahrtheit, damit er als Advokat oder Richter„ſein Brod“ verdient, der Dritte den Staatswiſſenſchaften, weil man heut zu Tage auf dieſem Wege früher„ein Amt erhalten kann, das ſeinen Mann ernährt.“ Und nun gar die andern Wiſſenſchaften, Mathematik, Chemie, neuere Spra— chen! Sie ſind, jede in ihrer Art, vortrefflich, weil man unter den jetzigen Verhältuiſſen durch ſie noch ſchneller„verſorgt“ werden kann.
Wenn aber der reiche Handelsmann, der hoch— geſtellte Gutsbeſitzer, der große Capitaliſt— früh und ſpat thätig iſt, das geſchieht doch nicht des Brodes wegen?— Ach nein, das geſchieht aus einem andern Grunde. Das kommt daher, weil „je mehr er hat, je mehr er will. Der iſt oft noch viel begieriger nach einem Stückchen Brod oder nach einem Bischen Verdienſt als der Taglöhner und der Handwerksmann; denn über ſeinem Haupte ſchwingt noch ein ſchlimmerer Treiber die Peitſche, als über dem des Sclaven, aber ein unſichtbarer, nämlich die Habſucht.
(Schluß folgt.)
Bekanntmachungen von Behoͤrden. Bekanntmachung. (1254) Dienſtag den 19. Jan. 1841, Vormittags 9½ Uhr, ſollen im hieſigen Rathhauſe die Georg Lang'ſchen unten näher beſchriebenen in der Gemar— kung Fauerbach II. liegenden Güterſtücke öffentlich
dem Meiſtgebot ausgeſetzt werden, als: Pag. u. Nr. 533 7 1 Prtl. 23 Ruthen linker Hand der Dorheimer Hohl, neben Georg Menges. 546 33 1 Vrtl. 31¼ Ruthe desgleichen rechts derſelben, neben Johs. Philippi.


