Ausgabe 
14.11.1840
 
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hereingetragen wurde, da gab's erſt eine Scene! Nicht nur wurde der Kaffee ſo ſchwach gefunden, daß er faſt nicht zu genießen ſey, ſondern die Milch roch ſogar etwas nach Flamme,daß man ſich uͤber⸗ geben möchte. Dazu kamen noch zwei neue Unglücke: Weil der feine Raffinatzucker alle geweſen war, ſo hatte ich gewöhnlichen Melis nehmen müſſen, den die gnädige Frau nicht mochte und den der gnädige Herr fortſtieß, weil das der Zucker für die Mägde und nicht für die Herrſchaft ſey. Und nun kam das Aergſte: Der Bäcker hatte nämlich keine mürben Wecke heute Morgen gebacken, und die gnädige Herrſchaft mußte ſich mit ordinärem Weißbrode be⸗ helfen; das war gar nicht zum Hinunterbringen und blieb einem in den Zähnen ſtecken.

Das iſt doch zu arg, erklärte der Herr von Ypfilonz in Zukunft ſoll bei dieſem Bäcker durch⸗ aus, nichts mehr geholt ſondern ein anderer ange⸗ nommen werden. Und wer es wagt, dort noch ein⸗ mal etwas für mich zu beſtellen, der wird ſeines Dienſtes entlaſſen. Dabei bleibts!

Es waren unter dieſen Geſprächen die 9 Uhr herbeigekommen, wo die Kinder fortgeſchickt wurden in die Bedientenſtube, damit ſie der gnädigen Herrſchaft Ruhe ließen. Aber für dieſe war die Ruhe noch lange nicht gekommen. Die gnädige Frau hatte nämlich das neue Kleid für den naͤch⸗ ſten Ball vom Schneider erhalten, und als ſie es anprobirte, ſtand es ihr ſo ſchlecht, gab es ihr eine ſo unſchlanke Figur und war ſo altmodiſch gemacht, daß ſie es unter Thränen wegwarf und erklärte, ſie wollte lieber ſterben, als mit einem ſolchen Kleid auf dem Balle erſcheinen. Unterdeſſen hatte ich die Zeitung geholt auf der Poſt und die Briefe mit⸗ gebracht, und als ich wieder zurückkam, hatte die gnädige Herrſchaft einen kleinen Zank, der damit endete, daß die gnädige Frau bis zum Mittageſſen zum Fenſter hinausſchaute, der gnädige Herr aber die Thüre zuſchlug und in ſein Zimmer eilte, wo ein neuer Jammer ſeiner wartete. Es war ein Brief von dem Anwalt gekommen, der die Nachricht überbrachte, daß der Proceß ſeinem Ende nahe, leider aber auch wahrſcheinlich für den gnädigen Herrn nicht günſtig ausfallen werde; indeſſen wollte er doch, im Falle er ſich eines beſonderen Zu- ſchuſſes von etwa zehn Karolins ſich zu gewär⸗ tigen habe, ſein Möglichſtes verſuchen. Noch nicht genug; die Zeitung brachte die Nachricht, daß in Paris eine Revolution ausgebrochen und darauf ein ſo gewaltiges Sinken der Staatspapiere erfolgt ſey, daß bei dieſen Umſtänden ein Verluſt von meh⸗ reren tauſend Gulden für ihn zu erwarten ſtund. O ich unglücklicher Menſch, rief verzweiflungsvoll der gnädige Herr aus, und warf ſich auf ſein Sopha, wo er eine Pfeife verlangte, die ich ihm auch ſogleich ſtopfte, Als ich ſie ihm aber brachte, bekam ich ſie mit einer derben Ohrfeige und demEſel, ſie iſt zu leicht geſtopft wieder zurück. Ich nahm beides ruhig

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an, ſtopfte eine neue und bedauerte meinen Herrn,

daß ſo viel Unannehmliches auf ihn einſtürme. Damit ging ich weg, denn ich hatte ja den Herrn d noch nicht gefragt, ob ihm etwas zu Befehl ünde. 3

Als ich zu dieſem kam, war die Familie gerade aus dem Garten zurück gekommen. Jedes hatte ein Sträuschen in der Hand für die Mutter und Schwe ſter, zum Erſatz, weil ſie heute an dem ſchönen Sommermorgen nicht hatten im Garten arbeiten können. Alles jubelte ihnen entgegen und jedes überreichte ſein Geſchenk. Als ich mich aber wie der entfernen wollte, ſagte der Herr Icks, ich müſſe noch da bleiben, weil er für mich ein nöthiges Ge⸗

ſchäft hätte, das nicht über Mittag aufgeſchoben

werden dürfte, und nickte dabei ſeiner Frau zu, die ihn ſchon' verſtand. Statt des Fleiſches gab's näm⸗ lich heute Pfannkuchen, und da man wußte, daß ich ein großer Freund von ihnen war, ſo mußte ich da⸗ bleiben und miteſſen. Und als bei dem Eſſen der Herr Icks fragte:Johännchen, wie fördert die Arbeit, da gab's einen großen Jubel und die ganze Familie wiederholte:Johännchen, wie fördert die Arbeit?

Nach dem Eſſen ging Jedes gleich wieder ſeinen Geſchäften nach, und das war eine Freude zuzuſehen,

wie man angriff, denn es mußte bis 6 Uhr Alles

beendigt ſeyn, weil man alsdann einen Spaziergang im Freien zu machen gedachte. Eh' man ſichs ver⸗ ſah, war Alles fertig mit der Arbeit, und der Spa ziergang gewährte heute eine doppelte Freude, weil er nach einer Anhöhe ging, wo man den pracht⸗ vollen Untergang der Sonne ſo recht genießen konnte. Die Kleinen jubelten und den Größeren ſtanden die Freudenthränen, noch in den Augen, als man bereits auf dem Heimweg begriffen war. Zu Hauſe' hatte die »Mutter das ſchmale Abendbrod bald zurecht gemacht. Als die Familie daſſelbe mit gutem Appetite ver⸗ zehrte, wobei es mitunter recht luſtig herging, da erklärte der Vater, auf die Arbeit im Garten und den großen Spaziergang nach dem Hägel paſſe ein guter Nachtiſch. Was damit gemeint war, wußte die Tochter recht gut; denn nachdem der Tiſch ab geräumt und die kleine Welt zur Ruhe gebracht war, wurde ein ſchönes Buch geholt, bis die Stunde ſchlug, die zu Bette rief. Als ich wegging, drängte ſich Als um den Herrn Icks und wünſchte ihm auf den herrlichen Tag, den ſie heute eclebt, eine recht angenehme Ruhe, und der Eine Kuß war im⸗ mer herzlicher als der andere.

Unterdeſſen hatte der Herr von Ypſilou manche ſehr unangenehme Stunden erlebt. Denn am Mittage hatte er das Unglück gehabt, daß weder die Suppe ihm, noch das Gemüß' und die Beilage ſeiner Frau ſchmeckte; das Ochſenfleiſch war faſt nicht zu genießen; der Duͤſſeldorfer Senf, wel; chen man dazu' beſtellt, war ganz, ausgeblieben, das Ragout hatte einen Nachgeſchmack, und der Kalbs⸗

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