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braten war von einem ſo mageren Stück Vieh, daß man kaum ihn zu verſuchen wagte. Da man nun, um ſich doch wenigſtens ſatt zu eſſen, ſeine Zuflucht zu dem Eingemachten nehmen mußte, ſo mundete auch der Wein heute gar nicht, und es war Zeit, daß die beiden Herrſchaften ſich ein Wenig zur Ruhe begaben, um wenigſtens auf ein Stündchen das Un⸗ angenehme zu vergeſſen. Dieſes Stündchen dauerte bis 3 Uhr, und hatte gar keine gute Wirkung, denn man ſah ſich ſehr mürriſch einander an, und als die Magd den„ſchlechten“ Kaffee brachte, fehlte wenig, daß er ihr nachgeworfen wurde.
Es war nun hohe Zeit, daß man die Kinder mit der Magd ſpazieren ſchickte, um in die Aſſem⸗ blee zu fahren. Aber die Aſſemblee war heute die Veraulaſſung zu gar üblen Scenen. Die Frau raunte dem Manne in die Ohren, ſie ſey ſchrecklich beleidigt und werde Rache dafür nehmen, daß der Herr Miniſter, der ſonſt zuerſt und am meiſten mit ihr geſprochen, heute ſich zuerſt an die Frau Hof- räthin gewandt und dann gar mit der Frau Kam— merräthin geſcherzt hätte. Der Herr Gemahl ver⸗
trieb ſich die Grillen am Spieltiſche, wie das
einem ſo vornehmen und geiſtreichen Mann nicht anders zukam. Da er aber verlor, ſſo fuhr er mit ſo duͤſtrem Sinn nach Hauſe, daß es zwiſchen ihm und ſeiner Frau zu kleinen Häkeleien kam, die bald in große ausarteten und zur Folge hatten, daß der Stuhl umſtuͤrzte und das allerliebſte Kätzchen ver⸗ wundete, welches ſich neben der gnädigen Frau hin⸗ ſchmiegte. Hierauf begann eine Scene, die ich aber nicht beſchreiben will, weil ſie ſich für eine ſolche Herrſchaft eigentlich nicht ſchickt,und die damit endete, daß der gnädige Herr erklärte:„o wär' ich nie gebo⸗ ren,“ und ſie erwiederte:„o hätte ich dich nie ge⸗ ſehen!“ Damit war die Geiſterſtunde gekommen; denn eben blies der Wächter eilf, als man gegen— ſeitig die Thür hinter ſich zuſchlug, daß das Haus erzitterte. Das galt ſtatt„Angenehme Ruhe“ und war recht herzlich gemeint von beiden Seiten.
Bekanntmachung.
Mittwoch den 25. November d. J., Nachmittags 2 Uhr, findet die Verloofung der weiblichen Arbei⸗
ten, deren Extrag zum Beſten der hieſigen Klein-
kinderſchule beſtimmt iſt, im Rathhaus⸗Saale ſtatt. Zugleich wird noch bemerkt, daß die zu verlooſen— den Gegenſtände von Sonntag den 22. bis zu dem Beginne der Verlooſung zu der Intereſſenten Ein⸗ ſicht in genanntem Locale von 10—12 Uhr Mor⸗ 1 5 und von 2— 4 Uhr Nachmittags ausgeſtellt ind.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
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Bekanntmachung. 61144) Dienſtag den 24. November 1840, Vor⸗
mittags 10 Uhr, ſoll das gräflich von Waldbott⸗ Baſſenheim'ſche Hofgut zu Cransberg bei Uſingen, deſſen bisherige Pachtung den 22. Februar 1841 zu Ende geht, beſtehend aus einem geräumigen Wohn⸗ haus, zureichenden Stallungen, Scheuern, Frucht⸗ boden, dann 193 Morgen, 15 Ruthen Ackerland, 35 Morgen 17 Ruthen Wieſen, 52 Ruthen Garten, mit der herrſchaftlichen Schäferei und dazu gehoͤri⸗ gen Brauhaus, Branntweinbrennerei, mit der Ge— rechtigkeit, Wein⸗, Bier⸗ und Branntwein⸗Schenk zu treiben; dann ferner einem Inventarium an Rind⸗ vieh, Schaafen und Schweinen, Fütterung, Brau- und Branntweingeräthſchaften, in einem weiteren Temporal⸗Beſtand auf 12 Jahre, durch Verſteigerung an den Meiſtbietenden, vorbehaltlich höherer Ge⸗ nehmigung, gegeben werden. Die dazu Luſttragenden wollen ſich in termino über die Cautionsfähigkeit in dem Betrage von 1000—1200 fl., ferner über den Beſitz der erforderlichen Betriebskapitale und über die Qualification als Pachter genügend nach⸗ weiſen. Cransberg den 26. Oktober 1840. Gräflich von Waldbott-⸗Baſſenheim'ſches Rentamt. Schauber.
Brod ⸗ Lieferung. (1157) Montag den 30. d. M., Vormittags um 10 Uhr, wird die Lieferung des erforderlichen Bro⸗ des für die Garniſon Friedberg, pro 4. Semeſter 1841 auf dem Militaͤr⸗ Verwaltungs buͤreau dahier verſteigert.
Die Herrn Bürgermeiſter hieſiger Umgegend werden erſucht, dieſe Verſteigerung geeignet bekannt machen laſſen zu wollen.
Friedberg den 12. November 1840. In Auftrag: Golz, Oberquartiermeiſter.
Frucht⸗Verſteigerung. (1146) Von den diesjährigen hieſigen Domanial⸗ fruͤchten werden 26 Malter Waizen,
91 Korn alten Friedberger 75„ Gerſte und Maaßes 59„ Dafs
Donnerſtag den 19. d. M., des Vormittags um 10% Uhr, unter den bekannten Bedingungen in einzelnen Abtheilungen auf dem hieſigen Rathhaus meiſtbietend verſteigert.
Reichelsheim am 2. November 1840. Herzogl. Naſſ. Receptur
Hehner.
Bekanntmachung.
(1142) Dienſtag den 17. November, Vormittags 9 Uhr, ſollen in hieſigem Rathhauſe nachfolgende ſtaͤdtiſche Grundſtuͤcke, deren Pachtzeit ſich Martinz


