Ausgabe 
30.11.1839
 
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Zeit zum Schutzpatron der Kinder, und daher leiten Viele den Urſprung der Sitte, am Nikolaus- Abend den Kindern allerlei Gaben zu verehren.

Wir müſſen aber um der Sache auf den Grund zu kommen, in viel frühere Zeiten zurückgehen. Als unſere Altvordern, die Deutſchen, noch dem Heiden thume ergeben waren, da verehrten ſie manche und mancherlei Weſen als Götter. Nachdem ſie das Chriſtenthum angenommen hatten, konnte die Exiſtenz dieſer höheren Weſen nicht ſofort für nichtig erklärt werden, ſondern man half ſich damit, daß man ſie für böſe Geiſter erklärte. Als ſolche blieben ſie und ſind zum Theil noch jetzt in dem Volke. So wur⸗ den die Hausgeiſter neckende Kobolde, die aber doch dann und wann als gutmüthige Weſen auf⸗ treten. Unter den Kobolden iſt einer Namens Niſ ſen, von dem man ſich noch jetzt allerlei erzählt. Er erſcheint aber auch zuweilen als ein getreuer Knecht des Hauſes, der den fleißigen. Dienern hilft, den trägen und nachläſſigen dagegen allerlei Scha bernack thut. Ir Deutſchland führt dieſer Knecht den Namen Knecht Ruprecht oder Nikolaus, der zuweilen den Kindern Geſchenke macht. Die Sage von dieſem Kobold knuͤpfte ſich, wie ſo manche andere im Laufe der Zeit ſich mit Heiligengeſchichten vermiſchten, allmählig an jenen heiligen Niko⸗ laus, der im vierten Jahrhundert zur Zeit Conſtan tins des Großen als Biſchof von Myra in Klein⸗ Aſien lebte und wirkte. Er ſteht aber dem deut ſchen Volke viel zu ferne, als daß er vor allen andern Heiligen ſeiner Zeit ſo in deſſen innerſtes Weſen hineingegangen ſeyn würde, wenn er nicht in dem⸗ ſelben einige Anhaltspunkte vorgefunden hätte. Da rum borgte das Volk von jenem den Namen. Der alte treue Hausgott dagegen verwandelte ſich allmählig bei dem Volke in einen Butzemann, der die Kin der neckt, aber von ſeiner Gutmüthigkeit doch nicht ablaſſen kann und den braven, frommen, welche beten, Geſchenke gibt. Er iſt aber nur der Vor- läufer eines Herrn; nach ihm kommt ein Größerer, deſſen ganzes Weſen Liebe iſt, die ſich vorzugs weiſe gegen die Kinderwelt offenbart. Dies iſt un⸗ gefaͤhr unſere Kenntniß und Anſicht von der Sache. Es erklärt ſich dadurch wohl Manches; indeſſen bleibt doch auch noch Einiges dunkel. Wer kann übrigens hier genau ſagen, wie ſich Heidenthum und Chriſtenthum bindet, wann und wie beides im Volke ſich vereinigte und endlich die Geſtalt annahm, in der man's jetzt findet? Das iſt ein Feld, auf welchem noch Vieles aufzuklären bleibt.

Etwas uͤber die Kartoffeln. (Beſchluß.)

Jetzt hört man wohl die Frage: Was pflanzten denn nur die Menſchen, ehe ſie die Kartoffeln hatten? Sie zogen mehr Rüben, ſie pflanzten mehr Korn. Wenn's aber dabei geblieben wäre, ſo würde un

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ſere jetzige Menſchenmaſſe nicht dabei beſtehen kön⸗ nen. Wie bei den Kartoffeln, brachten auch mit andern Erzeugniſſen die Verhältniſſe eine Aenderung hervor. Die Vortheile des Waizenbaues vor dem Kornbaue erkannte man, wie Herr Leopard verſichert, zuerſt im ſiebenjährigen Kriege, wo die Heere der Franzoſen die Wetterau heimſuchten, welche, an Weißbrod gewöhnt, dieſes dem Schwarzbrode vorzogen. Das vertheuerte den Waizen; ohnehin gedeiht er in den meiſten Gegenden der Wetterau beſſer als das Korn. Den Kleebau im Großen ver dankt man, nach der Verſicherung deſſelben Herrn Leopard, den Bemühungen des berühmten Frei⸗ herrn Friedrich Karl von Moſer, der in den Jahren 1772 bis 1780 heſſen⸗darmſtädtiſcher Staats⸗ Miniſter war. Aber noch bis auf dieſe Stunde hat man die wahren Vortheile des Kleebaues und als Folge deſſelben, den Vorzug der Stallfütterung vor der Weidefütterung, in der Wetterau noch nicht überall gehörig erkannt und richtig gewürdigt.

Auch beim Kartoffelbau ſieht man noch lange nicht überall genug darauf, eine gute Art zu erhal ten, und, wenn ſie anfangen, ſchlechter zu werden, ſie durch beſſere Arten, die man anderwärts ſich zu verſchaffen ſuchen muß, zu erſetzen.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

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Bekanntmachung. (1114) Montag den 23. Dezember, Vormittags 10 Uhr, ſollen im hieſigen Rathhaus die zur Con- cursmaſſe des Balthaſer Kappes gehörenden Im⸗ mobilien, beſtehend:

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1) 60 i Eine Wohnung, beſtehend in Wohn⸗ haus, Nebenhaus, Stallung, Hof raum und Hausgarten.

27%, 50 Ruthen Garten zwiſchen dem Riedgraben und dem Ohrlochsweg. 3)%, 18 Ruthen Acker am Pfaffenbrun⸗

nen, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Friedberg den 17. November 1839. In Auftrag großh. Landgerichts: Der großh. heſſ. Bürgermeiſter D. Fritz. Straßenbau-Reparatur⸗-Arbeits⸗ Verſteigerung. (1135) Die Unterhaltungsarbeiten der Staats- Straßen im Baubezirk Friedberg für das Jahr 1840, als Steinbrechen, Steinfuhr, Steinſetzen, Steinſchlagerlohn, Handarbeiten ꝛc. ſollen in den nachbenannten Terminen unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedingungen an den Wenigſt⸗ nehmenden zur Verſteigerung gebracht werden, und zwar: 1) Für die Straße in der Vilbeler Gemarkung

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