Ausgabe 
28.12.1839
 
Einzelbild herunterladen

Abe mem

Lanbſtum⸗ bon 40 der⸗ . Vater Roller bar, ande⸗ ſapellted derer en F u Mund auf den das große licher Sprache Ukuͤhrlich die

Ihm iſt's, eln, wo jeder

ſolche Stenen nehr fuͤhlen deis ab, daß An den Feier⸗ u Vergeſſenheit

nicht von Vetterau, Deiber pon Andenken, und ger,

erg liegt?

Soll haben, fromm und gut gewiegt,

Viel Weiberchen und Mädchen.

Kommt mir einmal das Freien ein,

Fürwahr ich muß aus Weinsberg frei'n ꝛc. mag ſchon manchen derſelben nicht nur begeiſtert, ſondern auch mit einem kleinen Kummer erfüllt haben, daß dieſes Weinsberg zu klein iſt, um allen Hei⸗ rathsluſtigen Frauen zu verſchaffen, und zu entfernt, als daß jeder Wetterauer dort zu freien im Stande wäre.

Der Kummer wäre nicht nöthig geweſen; denn wir haben in unſerer Wetterau von jeher viele hei⸗ rathsbare wackere Jungfrauen gehabt, und darunter manche, die im Nothfalle nicht minder als jene Weiber von Weinsberg bereit wären, ihre liebe Ehehälften huckepack eine Strecke Weges zu tragen, nur um das Glück zu haben, ſie zu behalten. Und das ſagen wir nicht, um uns allenfalls in guten Credit zu ſetzen bei dem ſchönen Geſchlechte, ſondern aus purer Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit der ſelben, wenigſtens der Perlen unter ihnen, und deren gibts viele.

Doch das ſind den meiſten unſerer Leſer bekannte Sachen; ſie wiſſen ſo gut, wie wir, was ſie wiſſen. Aber das wiſſen ſie nicht ſo gut, wie wir, daß wir Wetterauer gar nicht Urſache haben, die Weinsber⸗ ger um die Geſchichte ihrer herrlichen Frauen zu beneiden, weil wir ſie gerade ſo gut haben, wie ſie, nur nicht in ſo ſchönen Verſen beſchrieben. Wir wollen uns darüber näher erklären.

Die Geſchichte der Weiber von Weinsberg nämlich iſt, um die Wahrheit nicht zu verhehlen, eine bloße ſogenannte Sage, die durchaus mit nichts belegt werden kann, und gar ſpät zu einer Zeit aufgezeichnet wurde, da man es ſo genau mit den Begebenheiten der früheren Welt nicht nahm, ſondern ohne Prüfung nur wiederſagte, was man gehört hatte. 80

Gerade ſo verhält es ſich mit dem, was wir jetzt erzählen wollen.

An dem Dorfe Glauberg in der Wetterau erhebt ſich ein ziemlich ſteiler Berg, auf welchem man die Spuren von altem Mauerwerk, von einem großen Befeſtigungswalle, einen Brunnen und der gleichen mehr Reſte aus alter Zeit findet. Hier ſoll einſt eine Stadt geſtanden haben, deren Bewohner die Ungnade des Kaiſers in ſolchem Grade auf ſich gezogen, daß er Befehl gab, dieſe Feſte, es koſte, was es wolle, zu erobern.

Das war aber ſo leicht nicht. So ſehr die Bela⸗ gerer alle ihre Kraͤfte anſtrengten, um ihren Zweck zu erreichen; ihre Anſtrengungen ſcheiterten an dem durch Natur und Kunſt befeſtigten Orte und dem Muthe der Belagerten. Als Tapferkeit nicht fruch⸗ tete, ſuchte man durch eine Kriegsliſt eigener Art, den Zweck zu erreichen.

359

Einſt es war in einer dunkeln Nacht machten die Wächter eine ſonderbare Bemerkung; an der Einen Seite des Berges zeigte ſich plötzlich eine Menge von Lichtchen, die ſich langſam der Feſte zu nahen ſchienen. Alles, was auf den Beinen war, ſammelte ſich, um zu ſehen, was aus der Sache werden ſollte. Während man aber ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit nach dieſer Seite richtete, wurden auf der entgegengeſetzten in aller Stille die nöthigen Anſtal⸗ ten zur Erſtürmung der Feſte getroffen, und ehe man ſichs verſah, waren die Belagerer Herrn der Feſtungswerke. Die Lichtlein nämlich, welche die Aufmerkſamkeit der Belagerten auf ſich gezogen hat⸗ ten, waren einer Anzahl von Schnecken aufgeſetzt worden, die nach den Mauern hinkrochen. Zu ſpaͤt erkannten die Unglücklichen, daß ſie getäuſcht waren. Als ſie ſich verloren ſahen, wandten ſich ihre Frauen um Gnade bittend an die Sieger. Dieſe erlaubten denn, von ihren Thränen gerührt, denſelben, daß ſie mit ihren Kindern und allen Dem, was ſie auf den Rücken zu tragen vermöchten, am Tage frei ſollten abziehen dürfen.

Als die zum Abzuge beſtimmte Stunde ſchlug, ſlehe da erſchienen auf einmal die Frauen mit ihren Kindern an den Armen, auf ihren Rücken aber nicht der Putz, der Hausrath, die Geldbörſe, ſon dern die durch langen Kampf ermatteten Ehemänner.

Das hieß nun vertragswidrig und ſollte nicht gelten. Der Kaiſer aber, welcher damals ſeinen Sitz zu Frankfurt hatte, und dem die Sache zur Entſcheidung vorgelegt worden war, wurde von der Anhänglichkeit der Frauen an ihre Männer ſo ge⸗ rührt, daß er zu ihren Gunſten entſchied und die⸗ ſen ebenfalls freien Abzug geſtattete.

Nun ſiedelten ſich die Ausgewanderten anderwärts an; Einer derſelben ließ ſich zu Frankfurt nieder und nannte ſich nach dem Orte ſeiner Geburt von Glauberg. Seine Nachkommen wurden angeſe⸗ hene Leute und Patrizier der freien Reichsſtadt. Von dieſen ſchrieb Einer etliche Jahrhunderte nachher die merkwürdige Begebenheit auf. Was er auf⸗ zeichnete, das benutzte ſpäter der Geſchichtsſchreiber von Lersner, und theilt es inder Stadt Frankfurt Chronica ſeinen Leſern mit. Aus dieſem großen Werke haben wir das geſchöpft, was wir unſern Leſern mit dem Wunſche wieder mittheilen, es mogen die Wetterauer dieſer Heldenthat der wei land edeln Frauen von Glauberg ſtets eingedenk bleiben, und es möge auch in ſpäterer Zeit der Wet terau an ſolchen Frauen nicht fehlen, die da ihre Gatten in der Zeit der Gefahr allem Andern den Vorzug geben, was ſonſt für das weibliche Geſchlecht Werth hat.