Ausgabe 
28.12.1839
 
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V. Viehſtandstabellen, insbeſondere die Aufſtellung und Einſendung derſelben, 4

Vieh, das Verhüten des Schlachtens von ungeſundem, 4.

Vizinalwege, die Unterhaltung derſelben, 39.

Waiſen, die Verſorgung armer, 1.

Waiſen, die Verpflegung der ſelben, 2.

Zaminer, erf all deſſen Vorleſungen über Flächen

aufnahme, 3

Zeitung, die Beitreibung der rückſtändigen Abonnements⸗ gelder von Gemeinden, 40.

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Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.

Betreffend: Das Schießen in der Neujahrsnacht.

Die Verordnung, wonach das Schießen in der Neujahrsnacht bei 10 Reichsthaler Strafe verboten

iſt, wird hiermit eingeſchärft.

zꝛc. bleiben dafür haftbar.

Das Legen oder Losbrennen von ſogenannten Kanonenſchlägen in der Stadt und deren Umgebung ſoll mit gleicher Strafe geahndet werden. Straße darf gleichfalls bei Meidung einer Polizeiſtrafe von 30 kr. nicht ſtattfinden.

Das Herumlaufen der Kinder auf der Eltern, Vormünder

Dieſes iſt alsbald bekannt zu machen und haben Sie t e e in 1 Regiſerakur aufzu⸗

bewahren. Friedberg den 24. Dezember 1839.

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Der Chriſttag zu Friedberg.

Am Abend des 15. Dezembers war zu Frie d berg in dem Caſino-Saale bei einer zahlreichen Verſammlung ein erhebender Chriſtgeſang unter der Leitung des Muſiklehrers am hieſigen Seminar, Herrn Thurn, von mehreren Freunden und Freun dinnen der Vokal-Muſik aufgeführt worden, und hatte allgemeinen Beifall gefunden. Was uns aber dabei am Meiſten gefiel, war der Umſtand, daß man die ſchöne Stimmung der Gemüther, welche der feierliche Geſang bewirkt hatte, zum Sammeln freiwilliger Beiträge benutzte, wovon den hieſigen armen und taubſtummen Kindern ein Chriſtge ſchenk bereitet werden ſollte. Mehrere andere Kin derfreunde ſchloſſen ſich ſpäter mit ihren Gaben noch an.

Demgemäß wurden geſtern am erſten Chriſttage Abend für 60 arme Kindlein der Stadt durch un ſere verehrungswerthen Frauen um ein Chriſtbäum⸗ chen allerlei Beſcheerungen in dem großen Saale des Rathhauſes aufgeſtellt. Als nun die Kinder erſchienen, und die Lichtlein auf dem geputzten Baume brennen und die Geſchenke dabei ſahen, da ging ihnen das kindliche Herz auf. Alle Anweſende fühl ten die Nähe des Chriſtkindes und ihre Gefühle wurden zum frommen Dankgebete, das beſſer als der Duft des köſtlichſten Dankopfers zum Vater des Lichtes drang.

Am Abend vorher, als am eigentlichen Chriſt⸗

abend, feierten aber auch die hleſtgen Tau bſtum⸗ men(das Inſtitut wird gegenwärtig von 40 der⸗ ſelben beſucht) bei ihrem ehrwürdigenVater Roller ihr Weihnachtsfeſt. Wer ſo glücklich war, anwe⸗ ſend zu ſeyn, zu ſchauen und das Jubellied derer zu hören, denen das herbe Geſchick den Mund auf ewig geſchloſſen zu haben ſchien, und denen das große Geſchenk geiſtiger Bildung und menſchlicher Sprache hier erſt wird, dem füllten ſich unwillkuͤhrlich die Augen mit Thränen inniger Rührung. Ihm iſt's, als wär' er in einem Chore von Engeln, wo jeder Ton zur Hymne wird.

Wir ſind der Meinung, daß über ſolche Scenen ſich zwar nicht viel ſagen, aber deſto mehr fuͤhlen laſſe. Wenigſtens geben ſie den Beweis ab, daß das große und uralte Gebot:Du ſollſt den Feier⸗ tag heiligen, wohl noch nicht ganz in egeſſenden gerathen iſt. 1 09 6 Am 2ten Feiertage. 20 big nee

Die vortrefflichen Weiber, nicht von Weinsberg, ſondern in, der Wetterau. Unſern Leſern ſind die herrlichen Weiber von

Weinsberg gewiß noch in friſchem Andenken, und das ſchöne Lied unſers Dichters Bürger, 5

Wer ſagt mir an, wo Weinsberg liegt? Soll ſeyn ein wackfes Staͤdtchen.