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für die
Nrovins
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im Allgemeinen,
den* Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Sonnabend,
den 27. Juli ee eee
getrachtungen eines alten Tagdiebs mit ſich ſelbſt.
Schreiber dieſes ſah einmal neben ſeinem Gar— en einen jener alten Burſche, denen die Welt zur ſaſt iſt, weil ſie ſelbſt der Welt zur Laſt ſind, und er zu denen gehörte, die niemals fur ſich denken, ondern alles laut ſprechen. Dieſer Burſche lag im Schatten eines Baumes und hatte mit ſich folgende Tnterhaltung, die ich, weil ich hinter dem Zaune var, recht gut vernehmen konnte.
„Wie's doch ſo warm iſt in der Welt, auch denn man nichts thut; was muß es erſt denen ſo darm ſeyn, die ſo viel arbeiten! Das Eſſen will nir gar nicht mehr ſchmecken vor lauter Hitze und as iſt ein ſchlimmes Zeichen und der größte Beweis, aß ich mich überarbeitet habe. Aber wie könnt' ch denn anders? Ich mußte ja doch einmal in en Garten, und ſo frühe. Des Morgens hätt' ch's wohl gekonnt, ja, aber des Morgens da bin
gerade am allermüdeſten, und wär' mir doch nicht möglich, ſo früh aufzuſtehen, wie mein Nach⸗ tar; der arbeitet ſich aber auch zu todt, wie die deute meinen, und ich will noch lange am Leben kleiben.— Ich weiß deßwegen gar nicht, warum nich die Leute darum ſo ſcheel anſehen? Wie ſollt ch's denn nur anfangen, ſo viel zu arbeiten? Wenn ch um acht Uhr aufſteige, ſo muß ich erſt recht zähnen und mich ſtrecken; darüber geht ſchon wieder ine Viertelſtunde fort. Bis ich mich angezogen ind gewaſchen habe, wird's neun Uhr, und da muß
ich in Ruhe meinen Kaffee trinken, wozu man doch immer eine gute Stunde braucht. Nach dem Kaffee mach' ich mir meine Pfeife an, und ſehe ein wenig zum Fenſter hinaus; darüber kommen die eilf Uhr, wo ich die Zeitung leſe. Wenn dieſe beendigt iſt, und ich mache mich noch ein wenig zurecht, ſo iſt die Mittagszeit erſchienen, die mir die liebſte von allen Stunden des Tages iſt und von jeher war. Schon als Knabe hab' ich mich auf das Mittags— eſſen dreiundzwanzig geſchlagene Stunden vorher gefreut. Leider aber waͤhrt in dieſer Welt alles nur kurze Zeit. Kaum hat man eine Stunde ge— geſſen, ſo iſt man ſchon ſatt. Das ärgert mich manchmal, denn beim Eſſen fühl' ich mich immer ſtark und behende, und dieſe Zeit iſt mir immer der größte Beweis, daß die Leute unrecht haben, die mich einen Faullenzer ſchelten, denn ich eſſe mit dem ſtarkſten Dreſcher um die Wette. Freilich, eine ſolche Anſtrengung verlangt auch wieder ihre Er— holung; darum bewege ich mich auch nicht gerne während einiger Stunden nach dem Eſſen und liege mäuschenſtille in meinem Sorgeſeſſel. Ich thue das aber auch meinen Leuten zu lieb, die ich nicht gerne in ihren Liebhabereien ſtören möchte. Denn es iſt ein gar unruhiges Blut in dieſen Leuten; wer möchte nur ſo ewig ſſich abhatzen in der Welt? Es nützt ja doch zu nichts!—
Wenn die vier Uhr herbeikommen, gibt's wieder genug zu thun. Ich muß alsdann meine Pfeife ſtopfen, meine Stiefel anziehen, meinen Geldbeutel


