Ausgabe 
27.4.1839
 
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im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

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Sonnabend, den 27. April i

1339.

Ein Tag an den Ufern des Genfer See's.

(Aus dem Tagebuch eines Wetterauers.) (Fortſetzung.)

Die Straſe nach Lausanne iſt, beſonders An fangs, etwas ſchmal, ſo daß das Ausweichen der ſich begegnenden Wagen oft ſchwer und läſtig wird. Deſto mehr Reiz gewährt dem Fremden die ganze Gegend. Wohin das Auge ſchweift, wird es ange⸗ nehm überraſcht; und da der Weg eine Zeit lang ganz nahe am Ufer des See's herläuft, ſo findet es beſtändig neue und intereſſante Gegenſtände. Rechts Weinberge, Dörfchen, einzelne Wohnhäuſer; und da hier der Jorat(ein Gebirge) ſich nieder ſenkt, ſo erſcheinen nicht ſelten ſteile Felſen, welche dem Ganzen die herrlichſte Abwechſelung geben. Auf der andern Seite der majeſtatiſche See, mit ſeinen grünen Wogen, die da, wo ſie wider das Ufer ſchlagen, einen weißen Saum bilden. An die⸗ ſen Saum ſchmiegen ſich Felſen und einzelne Wein⸗ berge oder Wohnungen. Dazu kam noch, daß der Sonntag eine Menge von Leuten zu Spaziergängen ermuntert hatte, und die Straſe von Menſchen belebt war.

Gegen Lauſanne hin wird dieſelbe breit, und ſchön, entfernt ſich aber auch etwas vom Ufer, weil die Stadt ſelbſt etwa eine Viertelſtunde vom See entfernt liegt. Zugleich zieht ſie etwas bergan. Einige herrliche Landhäuſer, an welchen die Gegend, wie man ſich denken kann, reich iſt, ſprachen uns freundlich an; deſto unangenehmer war der Eindruck, den ein Trunkener auf uns machte, der eine Zeit lang beſtändig vor unſerm Wagen hertaumelte, und immer nahe daran war, hinzuſtürzen, bis er beim Eingange in die Stadt uns die Gefälligkeit erwies und links in einen Seitenweg einbog oder vielmehr hineinſtürzte.

Wir ſtiegenim Falken hotel du Faucon)

zu Lauſanne ab. Das iſt ein geräumiges Gebäude in der St. Petersſtraſe(rue St. Pierre). Es war aber unſere Abſicht keineswegs, hier lange zu verweilen; ſondern wir wollten die letzten Stun den des Tages benutzen, uns ein wenig umzuſehen in der Stadt, die wegen ihrer Lage berühmt iſt und von ſo vielen Fremden alljährlich beſucht wird. Ich überzeugte mich bald, daß ich mir von dem Inneren derſelben ein ganz verkehrtes Bild entworfen hatte. Der größte Theil der Straſen iſt nämlich enge und ſteil; und als wir nach der Cathedrale (der Hauptkirche) fragten, wies man uns eine hohe Treppe hinauf, daß wir faſt ermüdet waren, da wir oben anlangten. Aber wie lohnend iſt hier die Ausſicht, welche man von der Terraſſe hat! Von einer Hoͤhe von ungefähr 500 Fuß über dem See überſchaut man alle Herrlichkeiten deſſelben; und ob er gleich hier bei 3 Stunden breit iſt, ſo erſcheinen doch alle jenſeitigen Gegenſtände ſo deutlich, daß man glaubt, ſie befänden ſich viel näher. Um uns iſt das vielgeprieſene Waadtland, deſſen Haupt ſtadt Lauſanne iſt; gegen uns über derjenige Theil des wilden ſavoyer Landes, den man Chablais nennt. Wie iſt's doch ſchade, daß an ſolchen Orten die Zeit zum Aufbruche mahnt! Wir mußten weg, und beſahen nur noch die nahgelegene Cathe⸗ drale, worauf wir früher ſchon aufmerkſam gemacht worden waren. Sie iſt in der That ein ausge zeichnetes Gebäude aus den ſchönſten Zeiten der gothiſchen Baukunſt und mit einem reichen Portale verſehen; nur ſchade, daß der erſte Thurm fehlt. An dem ſüdlichen Kreuze iſt eine große aus Qua draten und Halbzirkeln gebildete ſogenannte Fenſter Roſe angebracht.

Als wir von der Höhe herabgeſtiegen waren, benutzten wir die Neige des Tages zu einem Spa⸗ ziergange auf der neuenPromenade, die noch